Traders Of Carthage

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 11.10.2009
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Traders Of Carthage von Z-Man Games
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Zwei größere Gegenpole lassen sich kaum finden, ein japanischer Autor und ein Spiel über den Mittelmeerraum. Aber in einer so kleinen Schachtel so viel Spielspaß zu finden, ist das Ergebnis dieser Kombination.

Traders of Carthage bietet viel Interaktion, schöne, gut erkennbare Illustrationen, kurze Regeln und viel Vergnügen. Kaum größer als ein Taschenbuch bietet die Schachtel 108 Karten, zwölf Holzpöppeln, 48 Bonusplättchen und zwei Spielbrettern Platz. Dazu kommt eine englische Spielanleitung (eine deutsche gibt es im Internet - siehe Links). Einen Großteils des Spielvergnügens machen die etwas ungewöhnlichen Mechanismen und Verknüpfungen im Spielgeschehen aus. Ein Probespiel ist vielleicht deshalb keine schlechte Idee. Die Spieler übernehmen hier den Part antiker Händler im Mittelmeerraum, eine Rolle, die durch den Titel schon angedeutet wird.

Die Handelskarten kommen in den Münzwerten zwei, drei und fünf in jeweils vier Farben, die die verschiedenen Güter repräsentieren: Stoff, Wein, Edelsteine und Getreide. Sie fungieren als Geld, Ware und Siegpunkte, je nach Aufenthaltsort. Auf den Karten mit den Werten zwei und drei sind noch zwei beziehungsweise eine Amphore abgebildet, die zum Schutz von Waren benötigt werden. Zu jeder Ware gehört auch ein entsprechendes Schiff. Den bis zu vier Spielern stehen jeweils ein hölzernen Händlerstein und ein Reservierungsmarker in Farben zur Verfügung, die man getrost als ungewöhnlich bezeichnen kann. Sie unterscheiden sich aber dadurch so stark von den Warenfarben, dass eine Verwechslung ausgeschlossen ist.

Die Vorbereitung ist wie das ganze Spiel sehr kurz und einfach. Jeder Spieler erhält die beiden Steine seiner Farbe. Das erste Spielbrett, dass eigentlich nur dazu dient, Markt und Farm zu kennzeichnen, wird ausgelegt und offen werden fünf Warenkarten nebeneinander in den Markt und entsprechend drei Warenkarten in die Farm gelegt. Dann zieht jeder Spieler Warenkarten auf die Hand, bis die Werte acht überschreiten: das ist das Startkapital. Schlussendlich werden die vier Schiffe auf den zweiten Spielplan, der das Mittelmeer mit sechs Stationen von Alexandria bis Karthago zeigt, in den alexandrinischen Hafen gesetzt. Das Spiel kann beginnen.

Dem aktiven Spieler stehen während seines Zuges drei grundsätzliche Möglichkeiten offen. Er kann eine unblockierte, offenliegende Karte im Markt auf die Hand nehmen und sein Kapital vergrößern. Nimmt er eine von ihm reservierte Karte, erhält er seinen Reservierungsmarker zurück. Oder er kann, wenn noch verfügbar, seinen Reservierungsmarker auf eine unblockierte Warenkarte in Markt oder Farm setzen und diese dadurch für alle anderen blockieren. Und er kann, drittens, Waren aus dem Markt kaufen. Die Einschränkung dabei ist, er muss alle unblockierten Warenkarten kaufen und sie mit Karten von der Hand bezahlen. Die gekauften Warenkarten legt er vor sich ab, die zur Bezahlung benutzten Warenkarten kommen auf den Ablagestapel und die Schiffe werden bewegt. Jede gekaufte Ware bewegt das zugehörige Schiff. Und zwar um ein Feld, wenn nur eine Ware dieser Farbe gekauft wurde und zwei Felder, wenn mehr gekauft wurden.

Erreicht ein Schiff Karthago, wird abgerechnet. Jeder Spieler, der Waren dieser Farbe vor sich liegen hat, erhält Punkte. Dabei wird die höchste Karte mit der Anzahl der Karten multipliziert, das Ergebnis durch fünf geteilt und aufgerundet. Diese Anzahl Karten kann sich der Spieler als Siegpunkte unter seinen Händlerstein schieben. Gleichzeitig erhält er, sofern er mindestens einen Siegpunkt erhält, zusätzlich noch ein Bonusplättchen, das bei zukünftigen Wertungen dieser Farbe den Wert der höchsten Karte um jeweils eins erhöht. Als weitere Folge einer Abrechnung werden alle Schiffe, die auf den beiden Piratenfeldern stehen, überfallen. Um den Folgen dieser Überfälle, nämlich dem Verlust aller Warenkarten dieser Farbe, zu entgehen, können die Spieler noch die Waren sichern. Dazu müssen sie Karten mit Amphorensymbol aus der Hand auf den Ablagestapel legen. Pro abgelegter Amphore kann einen gleichfarbige Warenkarte um 90 Grad gedreht werden und damit vor den Piraten geschützt werden. Die ungeschützten Karten dieser Farbe müssen abgelegt werden und die betroffenen Schiffe werden auf die Cyrenaika zurückgestellt. Markt und Farm werden nun wieder aufgefüllt und der nächste Spieler ist an der Reihe. Sobald ein Spieler acht Bonusplättchen sein Eigen nennt, endet das Spiel. Die Siegpunkte unter dem Händlerstein werden gezählt, bei Gleichstand entscheidet die Anzahl der Bonusplättchen.

Das Thema ist mit dem Spiel an sich nur lose verknüpft und nicht jeder kann eine englische Anleitung lesen. Das sind aber aus meiner Sicht die einzigen Kritikpunkte an diesem Spiel. Ansonsten begeistert mich immer wieder die Spieltiefe und die Möglichkeit, gleichzeitig sich selbst etwas Gutes zu tun und den Anderen die Saat zu verhageln. Trotzdem geht es schnell genug, um die Möglichkeit einer sofortigen Revanche zu bieten. Das Material ist, im besten Sinne, brauchbar und ausreichend, um in gemütlicher Runde ein paar schöne Runden zu spielen. Wem die Eurogames zu groß und die Ameritrashs zu umfangreich sind, der ist hier immer wieder gut aufgehoben.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Fotos
Traders Of Carthage von Z-Man Games
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