Tuareg

Das blaue Volk

eine Spielerezension von Johannes Halbig - 07.05.2012
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Tuareg von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Der Name „das blaue Volk“ im Untertitel des Spiels kommt wohl daher, dass die Tuareg blaue, mit Indigo gefärbte Kleidung tragen. Die männliche Einzahl von Tuareg ist Targi, zu finden als Spieletitel bei einer aktuellen Kosmosneuerscheinung (zur Vervollständigung: die weibliche Einzahl ist „Targia“). Hier geht es aber um Tuareg von Francesco Berardi, das bei Adlung Spiele erschienen ist.
 
Im Spiel tauchen die Tuareg als edle Nomaden auf, die nichts als Handel im Sinn haben. Dies entspricht allerdings nicht der politischen Wirklichkeit, auf die im Spiel kein Bezug genommen wird. Schwere Dürren haben die Tuareg in den siebziger Jahren ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Jahrelang von Gaddafi als Söldnertruppen für seine eigenen Zwecke missbraucht, hören wir aktuell von immer wieder von den „Tuareg-Rebellen“ im Norden Malis. Sowohl im vorliegenden Spiel, als auch im Spiel von Kosmos wird auf die aktuelle politische Situation nicht eingegangen. Ich hätte mir dies zumindest in einem kurzen Begleittext gewünscht, aber dazu kann man sicherlich verschiedener Ansicht sein.
 
Zu Beginn wird jeder Spieler mit Kamelen ausgerüstet. Die Sonderkarten (die Anzahl ist Spielerzahlabhängig) werden in offenen Stapeln bereitgelegt. Die Warenkarten werden gemischt und die beiden obersten Karten offen ausgelegt. Wer an der Reihe ist, kann entweder Warenkarten ziehen und ins Lager legen, sprich auf die Hand nehmen oder Waren vom Markt holen und die Waren sofort auf ein Kamel laden. Alternativ kann man auch das Kamel mit Waren aus dem eigenen Lager beladen. Wer das alles nicht will, kann sich eine Sonderkarte kaufen.

Das Ganze wäre ziemlich einfach, wenn es nicht beim Beladen der Kamele verschiedene Regeln zu beachten gäbe. So kann z. B. ein Kamel höchstens vier Waren tragen und noch dazu dürfen es maximal zwei unterschiedliche Waren sein. Im Fall von zwei verschiedenen Waren muss dann auch noch auf die Reihenfolge geachtet werden. Ausnahmen gibt es dabei für Gold und Wasser. Das lebensnotwendige Wasser darf nur sortenrein geladen werden. D. h., wenn Wasser geladen wird, dann nur Wasser. Bei Gold gibt es eine Höchstgrenze, mehr als zwei Gold dürfen nicht in einer Ladung sein. Außerdem darf ein Spieler am Ende seines Zuges nie mehr als 4 Waren im Lager haben.  Überschüssige Karten werden auf dem Markt ausgelegt. Will ein Spieler eine Sonderkarte kaufen, muss er dafür drei Dinar in Form von Warenkarten bezahlen. Es stehen ferner vier Sonderkarten zur Auswahl: Ein Esel, der wie ein zusätzliches Kamel behandelt wird, mit dem Unterschied, dass er etwas einfacher zu beladen ist, eine Höhle, in der der Spieler bis zu zwei beliebige Waren verstecken kann, ein Dieb, mit dem man einmalig eine Warenkarte stehlen kann, eine Landkarte, die am Ende von Tuareg zwei Siegpunkte zählt.

Die erste Etappe geht zu Ende, sobald die letzte Warenkarte gezogen wird. Aktuelle Handkarten behalten die Spieler für die zweite Etappe. Dann zählt jeder Spieler seine Waren nach Sorten getrennt (einschließlich der Waren in Höhlen und in der Tasche von Dieben). Für die Mehrheit in den verschiedenen Sorten gibt es Siegpunkte. Alle verwendeten Sonderkarten werden zurückgelegt und die zweite Etappe beginnt. Nach der zweiten Etappe endet das Spiel. Auch nach der zweiten Etappe werden wieder die Mehrheiten ermittelt und in Siegpunkte verwandelt. Nicht verwendete Sonderkarten zählen nach der zweiten Etappe einen Siegpunkt. Gewonnen hat am Ende bei Tuareg natürlich der Spieler mit den meisten Siegpunkten aus den beiden Etappen.

Mit dem vorliegenden Spiel ist es Adlung Spiele wieder einmal gelungen, viel Spiel in eine kleine Schachtel zu packen. Da bei der Wertung nur der Spieler mit den meisten Waren Siegpunkte erhält, gilt es die Aktionen der Mitspieler ständig im Auge zu halten. Da man Waren auch zur Bezahlung von Sonderkarten einsetzen kann, sollte man sich auch solche Karten für die eigene Planung merken. Planung ist natürlich auch bei der Beladung der Kamele notwendig. Mit Tuareg liegt ein kleines und feines Kartenspiel vor, das durchaus auch für „Vielspieler“ seinen Reiz hat. Nach unseren Erfahrungen spielt es sich am besten mit drei oder vier Spielern.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2011
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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