Twiga Trick

"Oh Schreck, oh Schreck die Flecken sind weg"

eine Spielerezension von Jörg Hagel - 07.03.2012
  Spiel kaufen kommentieren
Twiga Trick von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Twinga Trick ist ein Spiel für kleine Kinder aus der Edition Siebenschläfer. Es vereint unterschiedliche Kompetenzanforderungen in verschiedenen Lernwelten wie dem naturwissenschaftlichen  Lernen im Bereich Optik und setzt stark auf das haptische in Verbindung mit der Merkfähigkeit.  Als ich mich mit dem Spielmaterial und den Regeln das erste Mal auseinandergesetzt habe, war ich begeistert. Das Spiel wird in einem rechteckigen Karton geliefert.  Allein dieser  ist anders als andere Spielekartons. In der Schachtel liegen ein Regelblatt, 24 Giraffenkarten (4 x Kopf,  4 x Bauch, 4x Beine und zwölf Hälse), zwei Farbfolien (Rot und Blau), ein Leinensäckchen und 12 Holzformen, die den Symbolen (Dreieck, Kreis, Quadrat und Stern ) auf den Giraffenkarten entsprechen.

Jeder Spieler bekommt einen Satz Karten, die er mit den Farbsymbolen nach oben vor sich zu einer Giraffe mit einem Halskartenteil zusammenbaut. Wer dran ist, merkt sich die Formen auf seiner Karte, legt eine Farbfolie darauf und muss nun die Teile aus dem Beutel ziehen, die „ausgeblendet“ wurden. Gelingt das, darf der Spieler/rin die Karte umdrehen. Dann ist der nächste dran. Wer zuerst seine Giraffe komplett hat, ist der Gewinner.

In der ersten Testrunde bestehend aus Kindern zwischen acht und zehn Jahren (auch nicht Hauptzielgruppe) erntete ich nach zwei Runden Twiga Trick müdes Gähnen. In unserer Vierergruppe benötigte keines der Kinder nach einem kurzen Test der Folien auf den Karten, diese noch ein weiteres Mal. Die Kinder legten einfach die Hand auf die Karte und sagten ohne hinzugucken an, für welche Farbe sie die Symbole aus dem Beutel nahmen.  Da kein Kind einen Fehler machte, wurde es langweilig und der, der das Spiel begonnen hatte, gewann schließlich.  Die zweite Gruppe ähnlichen Alters spielte nicht mal zu Ende. Vom Lern und Bildungsaspekt des Spiels überzeugt, suchte ich mir dann die Gruppe der sechs- bis siebenjährigen aus. In dieser Altersgruppe ist das Spiel eine Herausforderung, an die die Kinder mit Spaß  herangehen. Die Giraffe ist niedlich, das Erinnern der verschwundenen Formen ist nicht so einfach, wenn man währenddessen auch noch quatsch macht. Das Erfühlen der Formensteine erfüllt die wartenden mit Spannung und fordert den Tastsinn ungemein.

Das Experiment des Farbenverschwindenlassens übt solange seinen Reiz aus bis es „klick“ macht. Die Kombination aus der Aufgabenstellung, visuelles Unterscheiden, Merkfähigkeit und  haptischer  Wahrnehmung bietet dann seinen Reiz, wenn die kognitiven Fähigkeiten noch nicht vollständig entwickelt oder eingeschränkt sind. Damit eignet sich das Spiel auch für die Arbeit mit Senioren.

Die Eingangs geschilderten Kompetenzbereiche sind Lernwelten in der Frühpädaggogik. Dort ist das Spiel auch sehr gut aufgehoben. Vierjährige lieben die Giraffe und die Folien. Durch die Farbfilter läßt sich prima die Welt erkunden. Die Farben und Formen können Wortschatz und Lautbildend eingesetzt werden.

Regeln und Varianten: In der Spielregel gibt es eine zweite Variante. Drei in der Mitte ausliegende Symbole müssen in einer Farbe auf der eigenen Karte wiedergefunden werden.  Dazu dürfen die Spieler reihum Formen entfernen und andere dazulegen. Das strategische Element, bei den anderen Spielern möglichst viel zu schauen, um nicht dem anderen durch die Symbolauswahl zu helfen, spornte die Kiddies ziemlich an. Die Idee mit den Farbfolien dockt hier allerdings nicht mehr an das Spielprinzip an. Hat der Spieler die Wirkung der Farbfolien begriffen, benötigt er/sie sie nicht mehr. Das Ausrufen des Spielnamens „TwingaTrick“ als Zeichen, dafür das die Kombination auf der eigenen Karte wiedergefunden wurde, empfanden die meisten als Albern.

Was machen Kinder, wenn Spielregeln sie langweilen? Sie erfinden neue. Ich ließ das Spiel im offenen Angebot liegen. Die neue Gruppe formierte sich dadurch, dass ein Junge der Twinga Trick bereits kannte, drei Mädchen ausreden wollte, es auszuprobieren. Nach kurzer Zeit wurde das Spiel dadurch „verschärft“, dass immer der linke Nachbar die Farbfolie auswählen durfte. So ist der Spieler gezwungen, sich entweder beide Farbkombinationen einer Karte oder – so haben es die „großen“ 12- bis 14-Jährigen gespielt – alle Symbolkombinationen zu merken, da der Nachbar auch den Körperabschnitt auswählen darf. Damit nicht genug, etablierte sich doch schnell die „Halsverlängerung“ als Strafe für eine falsch aus dem Beutel gezogene Kombination.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
4 - 8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2011
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel