Via Romana

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 21.02.2009
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Via Romana von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die Legionen des Römischen Reiches erweiterten viele hundert Jahre lang fast ununterbrochen die römischen Grenzen. Natürlich vorwiegend, um für Rom so wertvolle Rohstoffquellen zu sichern, neue Absatzmärkte zu erschließen und einen stetigen Strom von Sklaven und Tributen zu gewährleisten. Der positive Aspekt daran war, dass die eroberten Landstriche infrastrukturell sehr gut ausgebaut werden mussten, damit die Versorgung Roms sichergestellt werden konnte. Das vorliegende Spiel beschäftigt sich nun im weitesten Sinne thematisch und inhaltlich mit dieser Epoche und den entsprechenden Bautätigkeiten.

Bis zu vier römische Baumeister wetteifern gleichzeitig um den Ruhm, das unter Julius Caesar eroberte Gallien am effektivsten erschlossen zu haben. Dazu bauen sie an strategisch wichtigen Punkten Kastelle oder leisten einen gewichtigen Beitrag zum Bau von Straßen, welche wenig später Gallien durchziehen und Siedlungspunkte miteinander verbinden werden. Natürlich siegt derjenige Baumeister, welcher am geschicktesten seine Ressourcen eingesetzt, damit die besten Ergebnisse erzielt und nebenbei auch noch die besonderen Wünsche des römischen Kaisers erfüllt hatte.  

Zuerst wird der Spielplan vorbereitet. Je nach Anzahl der Mitspieler werden gegebenenfalls schon bestimmte Straßen als bereits gebaut betrachtet. Auf dem Spielplan sind insgesamt fünf Provinzen, farblich unterschiedlich illustriert, vorhanden. Städte sind den Provinzen zugeordnet, Provinzen verbindende Straßen werden zweifarbig, jeweils in den Farben der beiden Provinzen, dargestellt. Die vorhandenen Städte haben ja nach Lage und Anschluss durch Straßen unterschiedliche Wertigkeiten. Diese Wertigkeiten werden durch gestapelte Stadtmarker dokumentiert, wobei die wertvollsten Marker immer oben liegen. Jeder Spieler erhält außerdem noch eine gewisse Anzahl Kastelle, welche nur in Städten gebaut werden können, und sogenannte Meilensteine. Diese können sowohl in Städten als auch auf Straßen verbaut werden. Vor Spielbeginn darf jeder Spieler genau eines seiner Kastelle auf einem Siedlungspunkt platzieren. Zusätzlich erhalten die Spieler Handkarten, deren Anzahl, Farbe und Symbole vorgeben, in welchen Provinzen gebaut werden darf.

Während seines Zuges kann jeder Spieler bis zu drei dieser Handkarten ausspielen. Das Handkartenlimit am Beginn des Zuges ist auf maximal sieben Karten begrenzt.

Mit zwei farblich identischen Handkarten können Kastelle in Siedlungspunkten der entsprechenden Provinz errichtet, mit einer Handkarte Meilensteine auf Straßen oder Siedlungspunkten der Provinz gebaut werden. Wichtig beim Bau der Meilensteine auf Straßen, diese dürfen nur an bebaute Bereiche, Kastelle oder bestehende Meilensteine angebaut werden. Sonderregeln bestehen, wenn mit zwei verschiedenfarbigen Karten Meilensteine Provinz ungebunden errichtet werden können, oder aber wenn eine ausgespielte Karte ein zur Stadt passendes Symbol trägt und dadurch auf von dieser Stadt ausgehenden Straßen gleichzeitig zwei Meilensteine platziert werden können. Zum Abschluss des Zuges dürfen vom Spieler noch zwei Handkarten gezogen werden.

Stehen auf allen Feldern einer Straße Meilensteine und sind auch die beiden begrenzenden Siedlungspunkte bebaut, erfolgt sofort eine Wertung. Der Spieler mit dem größten Anteil an der Errichtung dieser Verbindung darf sich ein Stadtplättchen von einer der beiden die Straße begrenzenden Städte nehmen. Alle anderen Spieler erhalten für jeden gebauten Meilenstein eine Handkarte zusätzlich. Alle Meilensteine der gewerteten Straße kommen wieder zurück an die jeweiligen Spieler und die Straße wird mit einem Wegweiser als gewertet markiert. Von diesen Wegweisern existiert nur eine gewisse Anzahl. Ist diese verbraucht, endet das Spiel, lediglich die Runde wird noch bis zum Ende gespielt. Das bedeutet aber auch, dass nicht alle Straßen gewertet werden können, da es mehr Straßen als Wegweiser gibt.

Zum Ende des Spieles zählen nur Ruhmespunkte. Diese gibt es für erworbene Stadtplättchen, für Kastelle entsprechend dem aktuellen Stadtwert, in welchen sie platziert wurden, für die Auslösung der letzten Wertung und für die Erfüllung einer geheimen vorgegebenen Aufgabe, für welche eine bestimmte farbige Kombination von Stadtplättchen gesammelt werden sollte.

Via Romana ist ein schönes und stimmiges Mehrheitenspiel. Ständig gilt es abzuwägen, ob eine Mehrheit übernommen oder nur eine Beteiligung an der Wertung erfolgen soll, welches entweder Ruhmespunkte verspricht oder zusätzliche Handkarten generiert. Sollen eigene Kastelle geschützt oder generische im Wert gemindert werden? Diese und einige andere Fragen sind spielentscheidend und bringen die Spieler immer wieder in wohlig unentschiedene Positionen.

Leider gibt es aber auch in diesem Spiel einige kleine Wermutstropfen. So sind zum Beispiel die zum Einsatz kommenden Wegweiser nicht besonders standfest und müssen erst mit Klebstoff zum Stehen bleiben überredet werden. Auch die Grafik auf dem Spielplan erinnert mehr an ein Gleisnetz aus Zug um Zug, als an römische Heeresstraßen.

Unabhängig davon ist Via Romana ein sehr schönes Spiel sowohl für Familien als auch für Spieleinsteiger. Dazu trägt die gut formulierte, illustrierte und verständlich geschriebene Spielregel einen wichtigen Teil bei. Aber auch Vielspieler werden aufgrund einiger, von den Autoren vorgeschlagener, Spielvarianten ihre Freude haben. In jedem Fall aber eine Kaufempfehlung!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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