Vikings Gone Wild

Das Brettspiel

eine Spielerezension von Florian Kirchhof - 24.03.2018
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Vikings Gone Wild - Das Brettspiel - Foto von Corax Games
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Bier, Gold, Götter und die ein oder andere Schlacht. Wer sich jetzt angesprochen fühlt, dem sage ich "Herzlich Willkommen bei Vikings gone Wild". Und ja, es stimmt, die Wikinger sind wirklich verrückt geworden. Der Deckbuilder von Julien Vergonjeanne aus dem Hause "Lucky Duck Games" findet bei "Corax Games" seine deutsche Version und diese habe ich auf Herz und Niere getestet. In dem großen Spielkarton versteckt sich folgender Inhalt: Ein Spielplan, 25 Goldbarren und Bierfässer, 16 Spielmarker (8x groß und 8x klein), 20 Bau-/Schadensmarker (Doppelseitig), zwölf Gemeindehauskarten, vier Startdecks mit je zehn Karten, 14 Verteidigungskarten, 18 Einheitenkarten, 52 Gebäudekarten (bestehend aus sechs Gebäudetypen), 40 Karten Odins Pfad, acht Spielende-Bonuskarten, zwölf Karten göttliche Gunst, 20 Missionskarten, ein Startspielmarker, vier Spielübersichtkarten und Spieltafeln. Das klingt nach wahnsinnig viel und bestimmt wahnsinnig kompliziert, ist es aber überhaupt nicht. Die Anleitung ist sehr verständlich geschrieben und das Kartenspiel ist schnell verstanden.

Worum geht's denn eigentlich bei Vikings Gone Wild?

Grob gesagt geht es darum den Göttern zu beweisen, wer der Größte ist. Um das zu schaffen müssen Siegpunkte gesammelt werden. Diese wiederum bekommt man für erfolgreiche Angriffe gegen andere Spieler, erfolgreiche Verteidigungen, dem Ausbau des Gemeindehauses, sowie für das Erfüllen von Missionen.

Viking Gone Wild: Einblicke in das verrückte Leben eines Clanhäuptlings

Wir entschließen uns ein Spiel zu viert zu starten. In unserer Mitte liegt der große Spielplan, er füllt den Tisch fast komplett aus. Vor jedem Häuptling liegt der Spielplan und jeder erhält sein Startdeck. Zusätzlich erhält jeder Häuptling ein Gemeindehaus auf Stufe 1 und zwei Missionskarten, erfüllen wir eine, bekommen wir eine neue, bis es keine mehr gibt. Das Spiel verläuft in fünf Phasen. Als erstes produzieren unsere Gebäude Ressourcen (Bier oder Gold), dann ziehen wir neue Karten, in der folgenden Aktionsphase können wir Karten, wie zum Beispiel Einheiten oder Gebäude kaufen, angreifen, Missionen erledigen, das Gemeindehaus ausbauen und Ressourcen tauschen. Endet diese Phase folgt das Einlagern nicht genutzter Ressourcen (wobei wir Ressourcen in Kartenform nicht lagern dürfen) und schließlich das Rundenende, hier müssen wir alle übrig gebliebenen Karten abwerfen, sofern wir kein Drakkar besitzen, welches uns erlaubt eine Karte unserer Wahl auf der Hand zu behalten.

So spielen wir Runde um Runde. Wir greifen uns gegenseitig an, verhindern dadurch die Produktion des Gegners. Sein Gebäude zerstören können wir nicht. Unsere ein oder anderen Angriffe scheitern jedoch an der Verteidigung. Nebenbei erfüllen wir Missionen, erweitern unsere Produktionsstätten und kaufen Karten, die unser Deck verstärken. Für das Angreifen oder Verteidigen und den letzten Ausbau des Gemeindehauses erhalten wir Siegpunkte, die uns mit jedem Schritt der Gunst der Götter näherbringen. Durch Angreifen besonderer Gebäude und dem Erreichen besonderer Stufen auf dem Weg zum Sieg erhalten wir zusätzlich Zugang zu den Karten der göttlichen Gunst, die uns hier und da von großem Nutzen sein können. Wir beobachten uns während des Spiels ganz genau, achten auf die Käufe der anderen Häuptlinge und schmieden nebenbei insgeheim unsere eigenen Pläne. Denn nicht zu wissen woraus das Deck des Gegners besteht kann bei Vikings gone Wild mächtig in die Hose gehen.

Das Vikings Gone Wild: Macht das verrückte Wikingerdasein Spaß?

Ich finde ja. Das Kartenspiel ist in kurzer Zeit verstanden und kann genauso schnell neuen Mitspielern erklärt werden. Dass ist grundsätzlich eine super Voraussetzung für ein gutes Brettspiel. Die Karten und das Zubehör findet auf dem großen Spielplan in übersichtlicher Form Platz und bietet somit eine Struktur. Trotzdem sollte an dieser Stelle gesagt werden, wer keinen wirklich großen Tisch besitzt sollte sich direkt damit anfreunden auf dem Boden zu spielen. Denn der benötigte Platz ist nicht ohne.

Das Design des gesamten Spiels ist einfach super. Man merkt von Beginn an, dass sich das Brettspiel nicht zu ernst nehmen will, es rutscht dabei trotzdem nicht ins Lächerliche. Die Karten wirken stabil und sind liebevoll und lustig gestaltet. Besonders interessant an Vikings gone Wild sind die Spielende-Bonuskarten. Es gibt insgesamt acht dieser Karten, jedoch sind pro Spiel immer nur vier in Verwendung. Dadurch fühlt sich jedes Spiel anders an. Mal erhält man Bonuspunkte für Einheiten, mal für Verteidigung. Das macht es interessant und erhöht den Wiederspielwert enorm. Gleichzeitig sind die Karten auch wirklich von Bedeutung. Sie haben das ein oder andere Spiel zum Ende hin nochmal komplett gedreht. Denn sobald eine Siegpunktgrenze überschritten ist endet das Spiel mit dem beenden der angefangenen Runde und danach greifen die Bonuspunkte. Hier können kleine und sogar größere Kopf-an-Kopf-Rennen noch einmal richtig entschieden werden.

Insgesamt bietet das Spiel viele Möglichkeiten. Stürze ich mich auf den frühen Ausbau meiner Produktion oder lieber den Ausbau meiner Armee oder gar die Sicherheit einer guten Verteidigung. Letzteres hingegen bewährte sich meiner Erfahrung nach nie. Erstens sind die Siegpunkte für gute Verteidigung einfach zu gering und zweitens kann man mit den Karten nicht viel mehr machen als sich zu verteidigen, wird man nicht angegriffen hält man Karten ohne Funktion auf der Hand.

Toll hingegen ist, dass das Spiel einen nie vorzeitig zum Verlierer erklärt. Anders als in anderen Spielen, in denen die Mitspieler schnell sehen können, wer weder Angriff noch Verteidigung besitzt und sich dementsprechend auf diesen Spieler stürzen, kann in Vikings gone Wild jeder Spieler nur einmal pro Spielrunde angegriffen werden. Hier kommt es also auch auf die richtige Taktik an. Wann macht es Sinn welchen Spieler anzugreifen? Wer hält noch wie viele Karten auf der Hand oder wem sollte ich unbedingt noch die Produktion zerstören. Das sind Fragen die jede Spielrunde wieder auftauchen. Dadurch kommt es auch vor, dass in der Vier-Spieler-Zusammensetzung kleinere und größere Wartezeiten für die anderen entstehen. Bislang haben mich diese Zeiten persönlich nie gestört, weil sie einem gleichzeitig die Zeit geben vorauszuplanen. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass in einer Runde extremer Taktiker die Wartezeit ins gefühlt Unendliche gestreckt werden könnte. Zu zweit geht das Spiel also tatsächlich wesentlich schneller von der Hand. Ich finde aber, dass es zu viert einen größeren Reiz darstellt. Denn besonders hier greift das Hohe Maß an Interaktion. Ständig bequatscht man sich gegenseitig mit Floskeln à la "Greif doch lieber dort an, da gibt es mehr zu holen!". Klar zieht sich das Spiel so vielleicht in die Länge. Aber irgendwie wird es so auch lebendiger.

Ebenfalls spannend ist, dass es bereits jetzt Erweiterungen zum Spiel gibt. Mit der Ragnarök-Erweiterung wird aus dem Spiel zum Beispiel ein Solo- und/oder Kooperationsspiel, wo alle Spieler gegen die Untoten antreten müssen. Andere Erweiterungen bringen einen 2vs2-Modus ins Spiel. Wieder andere bringen durch neue Karten einfach noch ein komplett anderes Spielgefühl ins Spiel. Es bleibt also spannend und ich persönlich blicke voller Vorfreude dem kommenden verrückten Wikingertreiben entgegen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45-90
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Fotos
Vikings Gone Wild - Spielaufbau - Foto von Corax Games
Vikings Gone Wild - Karten - Foto von Corax Games
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