Volt

eine Spielerezension von Axel Bungart - 28.04.2019
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Volt - Ausschnitt - Foto von Heidelbär Games
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Roboter durch einen Parcours steuern? Bewegungen und Schüsse programmieren? Schächte, Wände, Schäden? Das ist doch …: Richard Garfields Robo Rally? Nein, weder noch. Das Spiel heißt Volt und ist von Emerson Matsuuchi (HeidelBÄR Games).

Wie spielt man Volt?

Aber man findet viel Verwandtes: Auch bei Volt steuern (2-4) Spieler jeweils einen Roboter vorbei an Hindernissen und mit möglichst respektvollem Abstand zu anderen Robotern zu Zielpunkten. In einer zur Arena gepimpten Spielschachtel wird in jeder Runde ein Ziel bestimmt, das für alle gleichermaßen zu erreichen ist. In drei Programmschritten soll (und kann in der Regel) jeder das Ziel erreichen. Die Volt - Spielaufbau - Foto von Heidelbär GamesProgrammierung geschieht nicht mit Karten, sondern mit Würfeln, die man aber ganz untypisch nicht wirft, sondern jeder für sich hinter einem Sichtschirm auf eine Seite dreht. Die Würfelzahlen bestimmen Spielreihenfolge und Zugweite oder Schussrichtung. Aus je zwei Würfeln für Bewegung und Schüssen sucht man sich jede Runde neu drei Würfel aus. Außerdem erhält jeder Roboter zwei Module, die ihm Sonderfähigkeiten verleihen.

Wer mit seinem Programm das Ziel erreicht hat und - nachdem alle ihre Bewegungen und Schüsse ausgeführt haben - noch immer dort steht, erhält einen Siegpunkt. Siegpunkte bekommt man auch für das Eliminieren von Gegnern, und wer nach ca. einer halben Stunde zuerst fünf Siegpunkte erreicht, hat gewonnen.

Wie gut ist Volt?

Volt - Karten - Foto von Heidelbär GamesKurz gesagt: ausgezeichnet! Ich habe das Spiel als Prototyp in einer schon sehr weit entwickelten Phase im Mai 2017 gespielt und selten habe ich so sehnsüchtig auf das Erscheinen eines Spiels gewartet. Im Herbst 2018 war es in der englischen Version bereits in Essen zu haben, im Frühjahr 2019 kam es endlich auf Deutsch.

Die Aufmachung ist schon das erste Highlight. Das Spiel kommt als Spiel-in-der-Box, d. h., einer der vier Spielpläne wird auf das Unterteil der Spielschachtel gelegt. Vier Säulen an den Ecken ragen wie Flutlichtmasten mit Bildschirmen über dem Spielfeld empor und verleihen dem Spielbrett die Atmosphäre einer Kampfbahn. Nebenbei erfüllen sie den Zweck, die Reihenfolgeplättchen zu beherbergen.

Die Roboter sind toll modelliert und würden bemalt gleich nochmal so viel Atmosphäre versprühen. (Da muss ich wohl mal ran…)  Karten, Ablageflächen und Counter sind passend designt und von guter Qualität. Die Sichtschirme sind ein wenig zu niedrig.

Was leider nicht so ganz ins Bild passt, ist die Spielregel. Hier gibt es ein paar Extraseiten (Trainingshandbuch), die in die grundlegenden Bewegungen und den Spielaufbau einführen. Das ist ok. Das als RFL-Handbuch (RFL = Robot Fighting League) bezeichnete Regelheft beschreibt zwar recht detailliert die grundlegenden Spielmechanismen. Der Teufel steckt jedoch im Detail, und so sind manche Formulierungen so unexakt, dass man leider zum Verständnis deren genauer Funktion in den FAQ nachsehen muss, die es auf der Homepage des Verlags zum Download gibt. Einzelne Module (wie der Anker) sind jedoch ohne Erläuterung des Verlags für uns nicht sinnvoll einsetzbar gewesen, was angesichts des eigentlich hohen Unterhaltungswerts die Stimmung ein wenig trübt.

Ist Volt wie Robo Rally?

Volt - Figur der Schnitter - Foto von Heidelbär GamesEinem Vergleich zum unantastbar genialen Robo Rally (RR) muss sich Volt stellen, denn gewisse Parallelen dazu gibt es natürlich. Aber wenn man sich die Unterschiede verdeutlicht, wird auch klar, dass beide Spiele nebeneinander existieren können, sogar im selben Spieleregal.

Die Grundfläche von Volt ist kleiner: maximal 9 x 9 Felder groß, manche nur 7 x 7 Felder. Das bedeutet kürzere Wege. Der grundlegende Unterschied ist aber, dass Volt eine ganz andere Strategie verfolgt. In jeder Runde kann das zufällig festgelegte Ziel (mit wenigen Ausnahmen) in den drei Programmschritten erreicht werden. Bei RR hat man mit seinen fünf Programmschritten, selbst wenn sie wie geplant ablaufen, u. U. noch nichts erreicht. Volt ist somit viel dynamischer, schneller und erfordert damit viel weniger Vorstellungskraft, als das in Anbetracht der Unwägbarkeiten einer RR-Programmierung vonnöten ist. Wer aber glaubt, er hätte mit Erreichen des Zielpunkts schon den Siegpunkt in der Tasche, liegt danaben. Wer zuerst auf dem Ziel steht, wird selbst zum Ziel der anderen, die einen verschieben, abschießen oder wegsprengen können (und werden). Also muss man clever denken, wie man den vermeintlichen Vorteil nicht in einen sicheren Nachteil verwandelt.

Das ist die Stunde der Modulkarten. Während die Bewegungsoptionen bei Volt durchaus übersichtlich sind (zwei Züge pro Runde), machen es am Ende die Modulkarten, mit denen jeder Roboter ausgestattet ist, überraschend, kreativ und witzig zugleich. Sie ermöglichen andere Bewegungszüge, lassen Bomben werfen und Minen verteilen, schützen vor Treffern u. ä.. Aber selbst wenn es einen mal erwischt: Fliegt man in einer Runde raus, wartet man drei Minuten und steigt dann mit einem frisch polierten Roboter und ggf. einem neuen Modul wieder ein. Während man bei RR seine Schadenpunkte u. U. rundenlang mit sich herumbuckelt.

Gesellschaftsspiel Volt - Foto von Heidelbär GamesAm besten spielt sich Volt zu viert, da es ansonsten zu wenig Reibereien untereinander gibt. Doch hier hat man vorgesorgt: Man kann bis zu zwei sog. Killbots mitlaufen lassen, die vom Spiel gesteuert werden. Das funktioniert gut, ist aber lange nicht so unberechenbar wie ein echter Gegner.

Nach einigen Partien macht Volt mir mindestens so viel Spaß wie Robo Rally. Ich spiele auch letzteres wirklich gerne, jedoch ist Volt eben einfach mal schnell gespielt. Die vier Spielpläne bieten zwar ein wenig Abwechslung, hier hat aber tatsächlich RR die Nase vorn, weil dessen Spielpläne variabel gestaltet werden können. Wenn es also irgendwann mal neue Pläne für Volt gäbe, wäre das auch nicht schlecht.

Insgesamt ist Volt für mich ein tolles Spiel mit sehr gutem Material, hohem Wiederspielreiz und Unterhaltungswert, das (trotz kleiner Regelschwächen) zum Spielen einlädt. So muss das sein.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Fotos
Volt - Spielaufbau - Foto von Heidelbär Games
Volt - Karten - Foto von Heidelbär Games
Volt - Figur der Schnitter - Foto von Heidelbär Games
Gesellschaftsspiel Volt - Foto von Heidelbär Games
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