Welt der Türme

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 10.02.2010
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Welt der Türme von Intellego
Lesezeit: ca. 3 Minute

Aus eigener leidvoller Erfahrung werde ich immer hellhörig, wenn Verlage ihre Spiele als Spiele für Ältere oder wie in diesem Fall, als generationsübergreifend vermarkten. Ist dann noch viel über das Material, aber wenig über das Spiel zu erfahren, schrillen meistens die Alarmglocken.

Der Verlag Intellego Holzspiele bietet eine breite Produktpalette von Spielen, sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder. Das hier vorliegende Spiel kann sowohl von Erwachsenen, aber durchaus auch schon von Kindern ab acht Jahren gespielt werden.

In einer Grundplatte aus Holz sind in einem Raster von acht mal acht Feldern insgesamt 64 kreisrunde Vertiefungen eingefräst. In den sich gegenüberliegenden äußeren Reihen bauen die beiden Spieler jeweils ihre Figuren, pardon Türme, auf. Die beiden Größten in der Mitte, flankiert von den zwei Mittleren und auf den Außenpositionen insgesamt vier kleine Türme. Zusätzlich erhält jeder Spieler noch eine Ritterfigur aus Holz.

Ziel des Spieles ist es, einen eigenen Turm in der gegnerischen Startreihe zu platzieren und den Ritter von Turm zu Turm dorthin zu bewegen. Gezogen wird abwechselnd. Natürlich gibt es auch kleinere Hindernisse, denn der Ritter darf jeweils nur so weit „springen“, wie der Turm hoch ist, von dem aus der Ritter springt. Also ein, zwei oder maximal drei Felder weit. Dabei dürfen auch eigene und gegnerische Türme übersprungen werden.

Wechselseitig können eigene Türme auf einem freien Feld des gesamten Spielbrettes platziert werden. Anschließend kann der Ritter bewegt werden. Allerdings ist das kein zwingendes Muss, der Ritter kann auch in seiner Position verharren und später einen, dem Halma Spiel ähnlichen, Mehrfachzug machen.

Was sich hier ein wenig schwierig anhört, ist es in Wirklichkeit nicht. Alle Testpartien waren nach spätestens zehn Minuten zu Ende. Sobald ein Spieler eine Lücke in seiner Startreihe öffnete, wurde dort ein gegnerischer Turm platziert. Der Ritter blieb solange in Lauerstellung, bis die Turmkette vom Zielturm bis zum eigenen Startturm reichte. Dann wurde der Ritter mittels des schon beschriebenen Mehrfachzuges zum Zielturm in der gegnerischen Reihe gebracht und die Partie war zu Ende. Den Ritter zwischenzeitlich zu bewegen, kostet nur zusätzliche Aktionen und macht letztendlich die Sprung-Strecke ausrechen- und blockierbarer.

Welt der Türme ist ein materialtechnisch sehr gut ausgestattetes Spiel. Das Grundbrett und die Figuren sind in einem zeitlosen Design aus Echtholz gefertigt. Leider können Spielwitz und der taktische Anspruch des Spieles da nicht Schritt halten. Knifflige Situationen, in welchen überlegt und taktiert werden muss, waren Mangelware. Es gibt einfach zu wenige Möglichkeiten, gegnerische Züge voraus zu sehen und zu blockieren. Allerdings antwortete der Verlag auf unsere Nachfragen, ob wir vielleicht etwas falsch gespielt oder übersehen hätten, innerhalb von ein paar Stunden. Das ist ein vorbildlicher Service!

Im Endeffekt treffen alle oben genannten Werbeaussagen zu. Welt der Türme ist ein einfaches Spiel mit kurzer Spieldauer und einfachen Regeln für Wenigspieler, aber einem tollen Material für Sammler. Ob sich allerdings diese beiden Zielgruppen vereinigen lassen oder nicht eher ausschließen, bleibt fraglich. Ich persönlich erwarte bei einem Spiel mit schönem Material automatisch auch meistens ebensoviel Spielwitz oder zumindest originelle Ideen. Leider ist hier beides nicht gegeben. Schade!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
15
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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Kommentare

Ich kann mich der negativen Bewertung hinsichtlich des begrenzten Spielspaßes oben nicht anschließen. Wenn ich mit meiner (erwachsenen) Tochter spiele, so dauert das Spiel eher 20 Minuten und ist von vielen raffinierten "Schachzügen" gekennzeichnet. Wenn der eine Spieler in den Angriff geht, lauert der Gegenspieler auf seine Strategie und versucht, dem Angreifer einen Turm in den Weg zu stellen. Meist führen solche "Blockaden" dazu, dass beide Spieler versuchen, heimlich einen weiteren Weg (oder mehrere) anzulegen, indem sie quasi nebenbei Türmchen so verstellen, dass sie etwas anderes vortäuschen, als sie tatsächlich im Sinn haben. So erstellt man zum Beispiel einen Weg auch von hinten nach vorne. Dabei kann es aber auch passieren, dass der Ritter auf seinem Turm festsitzt und nicht mehr wegkommt. In diesem Fall muss der bewegungsunfähige Spieler den Gegner (beispielsweise durch Angriffe) zwingen, einen Turm wieder zurückzunehmen, damit der Ritter wieder weg kann. Da die Anzahl der Türme begrenzt ist, muss man immer wieder auch Türme von guten Plätzen wegsetzen, da sonst die Möglichkeiten zur Vorbereitung eines neuen Weges oder zur Verteidigung/Verhinderung nicht umzusetzen sind. Das Spiel entfaltet seinen Spaß erst, wenn wirklich strategisch vorgegangen wird.Daher wird es wohl erst ab einem bestimmten Spielniveau interessant (eher ab mindestens 12Jahren).

Die Verarbeitung ist sehr hochwertig und das Design ansprechend.