Werwölfe

eine Spielerezension von Christoph Brandt - 16.08.2009
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Werwölfe von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

„Ein kleines Dorf im 16. Jahrhundert wird von finsteren Werwölfen bedroht. Unerkannt haben sie sich unter die Dorfbewohner gemischt und wollen diese nach und nach ausschalten. Können die Dorfbewohner sie gemeinsam enttarnen, bevor sie alle gefressen werden?“

Die einleitende Beschreibung lässt bei dem Kartenspiel Werwölfe auf ein spannendes, bedrohliches Spielprinzip hoffen, nur die auf der Verpackung groß angegebene Spielerzahl 5-68 ließ mich etwas stutzen. Ein Kartenspiel für mindestens 5 Spieler, bis zu 68? Wie soll das gehen? Entsprechend neugierig nahm ich mich dem Spiel an.

Das Grundprinzip von Werwölfe ist denkbar einfach. Alle Spieler sitzen in einem Kreis und bekommen verdeckt eine Karte ausgeteilt die angibt, ob man Dorfbewohner oder Werwolf ist. Hinzu kommt ein Spieler der als Moderator fungiert, das Spiel also leitet. Werwölfe wird in Runden gespielt, jeweils abwechselnd eine Nacht- und eine Tagrunde. In der Nachtrunde schließen alle Spieler die Augen, sie „schlafen“. Nach Aufforderung des Moderators öffnen nur die Werwölfe die Augen und bestimmen stumm, welcher „schlafende“ Dorfbewohner getötet wird. Dieser Spieler scheidet aus dem Spiel aus und die Werwölfe schließen wieder die Augen. In der anschließenden Tagrunde öffnen alle Spieler die Augen und diskutieren nun, wer unter Ihnen ein Werwolf sein könnte. Per Mehrheitsentscheid wird schließlich bestimmt, welcher Mitspieler „gelyncht“ wird. Dieser Spieler scheidet dann ebenfalls aus und die nächste Nacht beginnt. So wird die Runde immer kleiner. Als Besonderheit gibt es unter den Dorfbewohnern noch die Seherin. Sie darf in der Nacht-Runde nach den Werwölfen die Augen öffnen und sich einen beliebigen Spieler „ansehen“. Der Moderator teilt ihr dann mit, ob es sich bei dem Spieler um einen Werwolf oder einen Dorfbewohner handelt. Die Dorfbewohner haben schließlich gewonnen, wenn alle Werwölfe gelyncht wurden, die Werwölfe gewinnen hingegen, wenn es mindestens genauso viele Werwölfe wie Dorfbewohner gibt.

Das Spielprinzip ist also angenehm einfach, und es ist für große Gruppen ausgelegt, je mehr Spieler desto besser. Nur die Aufgabe des Moderators wird mit zunehmender Gruppengröße anspruchsvoller. Wer jetzt sagt, das Spielprinzip kenne er von seiner letzten Klassenfahrt oder Gruppenfreizeit, aber unter einer ganz anderen Aufmachung, der könnte Recht haben. Genau das gleiche Spielprinzip findet sich auch in Werwölfe vom Düsterwald oder Mafia wieder. Streng genommen braucht man eigentlich auch gar kein eigenes Kartenspiel. Einfach ein paar Zettelchen vorbereiten, mit Werwolf, Dorfbewohner oder Seherin beschriften, und schon kann losgespielt werden. Wozu also das Kartenspiel?

Zunächst einmal sind die Spielkarten sehr schön illustriert und tragen so zur unheimlichen Grundstimmung des Spiels bei. Zum anderen ist das Kartenspiel noch auf unzählige Varianten ausgelegt, indem es neben der Seherin noch 40 weitere Sondercharaktere bereit hält mit verschiedenen Fähigkeiten. So zum Beispiel der Leibwächter, der einen beliebigen Spieler vor dem Tod schützen kann, oder die Zaubermeisterin, die ihrerseits die Seherin enttarnen kann. Lustig ist auch der Trunkenbold, der erst in der dritten Nacht erfährt welche Identität er hat (Vielleicht ist er doch ein Werwolf?). So lassen sich schier unendliche Kombinationen denken, die jedem Spiel eine andere Note geben. Um bei den verschiedenen Sondercharakteren trotzdem noch ein ausgeglichenes Spielverhältnis zwischen Dorfbewohnern und Werwölfen zu haben, sind den Karten Werte zugeordnet - positive wie negative. Ergeben sie in der Addition aller im Spiel befindlicher Karten eine Null ist das Spielverhältnis zwischen den Gruppen trotzdem weitestgehend ausgeglichen. Hinzu kommen noch eine ganze Reihe vorgefertigter Szenarien mir verschiedenen Charakteren, die das schnelle Losspielen ermöglichen. Allerdings wird das Spiel für den Moderator immer anspruchsvoller, je mehr Sondercharaktere im Spiel sind. Hier sollte man sich nicht überfordern.

Werwölfe ist ein tolles Spiel mit einem fantastisch einfachen Spielprinzip. Es ist fast schon schade, dass man so große Gruppen benötigt, um es spielen zu können (ab zehn Spielern wird es großartig). Es ist ein hervorragendes Spiel, um große Gruppen zusammenzubringen, und sollte auf keiner Klassenfahrt, keiner Gruppenfreizeit und keinem Teambuilding-Seminar fehlen. Natürlich kann man auch auf die Selbstbau-Methode zurückgreifen und mit ein paar Zetteln das Grundspiel selbst basteln. Aber nicht nur die stimmungsvollen Karten, vor allem die unzähligen Sondercharaktere lassen auch nach etlichen Runden den Spielspaß nicht kleiner werden. Aber Vorsicht! Schnell ist die Nach zum Tag gemacht und man hat sich bis zum Morgengrauen auf Werwolfjagd begeben. 

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
5 - 68
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
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