Zockato

eine Spielerezension von Michael Weber - 24.05.2010
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Zockato von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Zockato ist eines dieser Stichspiele, die irgendwie alt bekannt sind. Wäre die aufwendige und wirklich gute Verpackung in großer Blechdose nicht, würde man Zockato vielleicht übersehen können. Und das wäre dann doch irgendwie schade, weil es sich um eine interessante Kombination von Elementen handelt.

Vorweg ein Wort zum Material. Die Ausstattung ist optisch sehr gut. In der geprägten Blechdose finden alle Materialien ausreichend Platz, das Geld (die Zockaten) ist nett gemacht. Warum die Zockaten unter dem kleinsten Schein (fünf Zockaten) aus „billigen“ Kunststoffchips sein müssen, erschließt sich mir nicht, da wären „Einer-Scheine“ schöner gewesen. Die Karten sind eher von durchschnittlicher Qualität.
Sie biegen sich sehr leicht und finden nicht besonders gut zur alten Form zurück. Insgesamt aber ein Plus für Optik und Material.

Das Spielprinzip selbst ist nicht besonders innovativ. Wie bei Wizard oder Die Sieben Siegel muss darauf gewettet werden, wie viele Stiche man selbst bekommt. Das beinhaltet bei Zockato allerdings zwei grundlegende Probleme: Zum einen gibt es im Spiel eine Reihe von Sonderkarten, die diese Wette noch während der Runde beeinflussen können, zum anderen ist bei den meisten Runden nur eine kleine Anzahl von Karten überhaupt im Spiel. Das bringt anders als bei anderen Spielen einen großen Glücksfaktor ins Spiel, der nur schlecht kalkuliert werden kann.

Wie viele Karten im Spiel sind, hängt von einem Würfelergebnis ab, von einer bis zehn ist alles möglich. Das lässt (zu) viel Freiraum für fehlende Werte … In jeder Runde gibt es aber nicht nur zusätzliche Taktikkarten, die benutzt werden können, sondern auch eine besondere Regelkarte. Diese bestimmen unter anderem, ob die Stichwette offen oder verdeckt platziert wird, welche Farbe Trumpf ist und Zusatzregeln wie offene Karten, Stich an die kleinste Karte und andere.

Für die Stichwetten müssen die Spieler Einsätze zahlen. Jeder, die die anvisierte Zahl von Stichen exakt bekommt, erhält das Doppelte des Einsatzes zurück, rutscht aber nie unter fünf Zockaten. Am Ende der vorher bestimmten Anzahl von Runden gewinnt der Spieler mit dem meisten Geld.

Lohnt sich Zockato? Macht es Spaß? Dazu ein eingeschränktes Ja. Ich mag solche Spiele und kenne eine ganze Reihe davon. Zockato ist anders. Und zwar positiv wie negativ. Das Wetten mit Geld auf die Stichanzahl spricht die Zockerseele an, doch die geringe Anzahl an Karten macht hier einiges kaputt. Mir wäre es lieber gewesen, einen Mechanismus zu finden, der stets alle Karten verteilt. So bleibt es nicht nur ein Zocken um die vermutliche Stichanzahl, es ist ein Blindflug. Auch der Würfel, der maximal zehn Karten zulässt, stört mich. Die Ergebnisse bedeuten häufig eine Kartenhand von zwei, drei Karten. Das senkt zwar die Spieldauer, ist mir aber zu wenig, um ein Stichspiel zu spielen. Wer mag, kann die Kartenzahl – abhängig von der Spielerzahl – verdoppeln. Schön ist dagegen der Mechanismus mit den Regelkarten, die etwas Abwechslung in die Runden bringen. Auch die Taktikkarten haben etwas, zumal sie jeweils nur einmal pro Spiel in die Hand aufgenommen werden dürfen.

Alles in allem ist Zockato ein gut gemachtes Erstlingswerk, das Stichspielern mit den genannten Einschränkungen jede Menge Spaß bringt. Mit ein, zwei Abänderungen wäre dieses redaktionell insgesamt gut gemachte Spiel aber noch besser. Dennoch können sich so manche Stichspiele größerer Verlage strecken, um an die Güte dieses Spiels heranzukommen. Deshalb: Empfehlung, aber mit Bedenken.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
9 - 99
Spieldauer (Minuten): 
90
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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