Zoff am Herd

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 21.06.2009
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Zoff am Herd von Nürnberger Spielkartenverlag
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Irgendwann müssen die inflationären auftretenden Kochsendungen auch Auswirkungen auf die Spielwelt zeigen. So oder ähnlich kann man sich die Themavorgabe bei Zoff am Herd vorstellen. Und wie so oft bei Spielentwicklungen ist der Inhalt vom Thema völlig unabhängig, sondern dient nur als Vorgabe für den Grafiker und den Spielregelschreiber. Grafisch lehnt sich Zoff am Herd sehr nahe an populäre Vorlagen aus anderen Medien an.

Das Spiel selbst ist ein Kartenablege- und -sammelspiel mit hektischer Grundstimmung. Die Blechdose als "Schachtelersatz" ist eine nette Idee und zudem mit den restlichen Spielen der Verlagsserie kompatibel. Die Ausstattung ist zweckmäßig, die Anleitung stark verbesserungwürdig.

Von den 108 Karten sind 60 mit je einem Gemüse auf der Vorderseite und einem Koch mit seiner Nummer auf der Rückseite versehen. Diese bilden den Spielstapel. Im Kreis ausgelegt werden die bis zu neun Kochtopf-Karten. Jeder Spieler erhält einen Satz Karten seiner Farbe, bestehend aus drei Kochlöffeln, einem Topfdeckel und seinem Koch mit zugehöriger Nummer. Diese legt der Spieler griffbereit vor sich aus.

In die Mitte kommen die Anfangs-Gemüsekarten in zwei Stapeln, wovon jeder Spieler zwei Handkarten erhält. Der älteste Spieler muss erst einmal mit Punktesammeln aussetzen und wird Chef de cuisine. Ist ein Spieler an der Reihe, legt er eine Karte auf einen der Kochtöpfe und nimmt danach ein Karte aus der Mitte oder aus seiner Auslage. Doch wann ist man an der Reihe? Nun kommt der Chefkoch und der Spielstapel an die Reihe. Dieser nimmt die oberste Karte, ruft laut die dort angegebene Nummer und legt die Karte mit der Gemüseseite nach oben auf einen der beiden Stapel in der Mitte. Der Koch mit der aufgerufenen Nummer ist nun an der Reihe, aber nur solange, bis der Chefkoch eine neue Nummer aufruft. Dann darf der nächste Koch in die Suppe "spucken". Seine eigene Nummer übergeht der Chefkoch beim Ausrufen. Außerdem überwacht er die Regeln.

Grundsätzlich darf jeder Koch jeder Suppe jedes Gemüse beifügen, außer der Topf hat einen Deckel. Dann ist dieser Topf für weitere Ablagen tabu. Sind alle Töpfe bedeckelt oder keine Karten mehr im Spielstapel, endet die Runde. Die Töpfe werden jetzt abgerechnet und zugeordnet. Die Punkte für einen Topf bekommt der Koch, dessen Kochlöffel zuletzt in den Kochtopf kam. Ist kein Löffel im Topf, gehen die Punkte verloren. Pluspunkte erhält man für die Anzahl der am meisten im Topf vorhandenen Genmüsesorte, die Anzahl der zweitmeisten Gemüsesorte wird davon abgezogen. Doppelte Punkte erhält man für einen sortenreine Suppe von drei oder mehr Gemüsekarten. So wird Topf um Topf abgerechnet, nur der Chef de cuisine geht leer aus.

Aber nach Aufschreiben der Punkte kommt alles wieder auf Anfang und der Chefkoch-Posten wandert einen Spieler weiter. Die nächste Runde beginnt. War jeder Spieler einmal Chefkoch, erfolgt die Endabrechnung und der Koch mit den meisten Punkten hat gewonnen.

Bis dahin gibt es jedoch mehr Hektik und Zoff als einer gewöhnlichen Spielrunde im Allgemeinen zuträglich ist. Zu leicht gerät das Spiel außer Kontrolle, und oft wird mehr Zeit mit der Rekonstruktion, wer nun wann dran war, als mit dem eigentlichen Spiel zugebracht. Für den Chef de cuisine besteht zudem keine Motivation seiner Aufgabe als Schiedsrichter nachzukommen oder Tempo aus dem Spiel zu nehmen, da er so nur die Konkurrenz bedenkt. Zeitkritische Spiele wie dieses, Rasende Roboter oder Ubongo sind immer ein zweischneidiges Schwert und bedürfen einer ganz speziellen Balance. Hier ging sie daneben. Wieder ein Spiel dass bei mir einfach nur Staub ansetzen wird; dazu gibt es genügend gute andere Spiele dieser Kategorie.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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