Zug um Zug - Frankreich

Ticket To Ride - France

eine Spielerezension von Axel Bungart - 29.09.2018
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Zug um Zug - Frankreich - Foto von Axel Bungart
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Die im Herbst 2017 erschienene Spielplanerweiterung für Zug um Zug (Days of Wonder/Asmodee) von Alan R. Moon bereichert das Spieleregal gleich um zwei Spielpläne: um die bereits im Namen genannte Frankreichkarte und eine - natürlich neue - Amerikakarte. Da der Spielplan beidseitig bedruckt ist, nimmt auch die Spieleschachtel nicht mehr Platz ein als sie muss. Wie auch die bisherigen Spielplanerweiterungen kann auch diese Version nur mit Teilen des Materials aus einer der Vollversionen gespielt werden.

Was ist neu an Zug um Zug Frankreich?

Beide Varianten bringen grundlegende Neuerungen mit. Die Frankreichkarte fällt gleich dadurch auf, dass sie sehr wenige Strecken zeigt, deren Farbe für die Nutzung bereits vorgegeben ist. Nur die Gleise der Einer-Strecken sind in den bekannten Farben vorgegeben. Alle anderen sind also nur Gleisbetten, die noch grau sind und von den Spielern erst farblich bestimmt werden müssen. Dazu muss sich jeder Spieler immer wenn er Waggonkarten zieht ein Gleisplättchen in der von ihm gewünschten Farbe und Länge nehmen und es irgendwo auf dem Spielplan platzieren. Die Gleisplättchen sind nichts anderes als Verbindungen zwischen zwei Städten in Plättchenform: Länge 2-6 in den bekannten Farben. Damit bestimmt ein Spieler also die Farbe, in der eine bestimmte Strecke genutzt werden muss.

Hinzukommt, dass manche Strecken sich kreuzen. Das heißt, dass von zwei sich kreuzenden Gleisbetten nur das genutzt werden kann, welches zuerst mit einem Gleisplättchen belegt wird. Das andere steht danach nicht mehr zur Verfügung.

Wie gut ist die Frankreichkarte?

Das Legen der Gleisplättchen ist besonders in der ersten Spielphase ein Hinweis für die Mitspieler, welche Strecke man zu nutzen plant. In den meisten Fällen wird ein Spieler ein Gleisplättchen legen, das er selber nutzen will (und kann). Dabei kommt es durchaus vor, dass man sich ein Gleis baut, welches ein Gegner dann für sich nutzt. Andersherum kann man ihm damit auch eine Streckenfarbe gleich mal versauen. Beides ist ein gehöriger Ärgerfaktor.

Da man in der letzten Spielphase zwar immer noch Karten und damit auch Gleisplättchen zieht, aber gar nicht mehr so viele Strecken nutzen möchte und kann, entwickelt sich das Ziehen der Gleisplättchen in dieser Phase eher zu einem Hindernislauf: Man versucht, den Gegnern die gezogenen Plättchen möglichst ungünstig in den Weg zu legen.

Auch ein Ärgernis kann es bedeuten, wenn man ein Gleis baut, das andere Gleisbetten kreuzt. Manchmal sind damit sogar gleich zwei andere Verbindungen abgetrennt, was Umwege nach sich zieht.

Das Ganze ist durchaus reizvoll: Während man bei der herkömmlichen Variante mit seiner Bauweise zwar auch Ausblicke darauf gibt, wohin die Reise gehen soll, ist dies durch das Bauen der Gleise hier nicht nur eindeutig zu erkennen, es lädt sozusagen fast zum Sabotieren ein. Wer Gleise baut, ohne die benötigten Karten bereits auf der Hand zu haben, riskiert u. U. den Verlust von Spielzügen und Waggons durch Umwege.

Zug um Zug - Der Wilde Westen

Die zweite Variante, die Amerikakarte, hat mit der Urversion Zug um Zug Amerika nicht viel gemein (außer dass Amerika eben Amerika ist). Sie heißt demnach auch Der Wilde Westen.

Auch hier gibt es zwei Neuerungen: Alle Spieler suchen sich eine Startstadt aus, von der aus sie die Nutzung der Verbindungen beginnen. Auf seine Startstadt stellt jeder Spieler einen Stadtmarker. Es ist nun nur erlaubt, Strecken zu nutzen, die von einer an das eigene Streckennetz angeschlossenen Stadt ausgehen. Man darf also weder dort bauen, wo noch keiner gebaut hat, noch darf man Strecken nutzen, die an das Netz von Mitspielern grenzen (ohne dass ein eigener Anschluss besteht). Hat man eine Strecke genutzt, darf man einen weitere (von drei) Stadtmarkern setzen. Dies hat zur Folge, dass man für Strecken, die mit dieser Stadt verbunden sind und von anderen Spielern genutzt werden, die dafür fälligen Punkte kassiert. Der andere geht leer aus.

Wie gut ist Zug um Zug - Der Wilde Westen?

Trotz des vergleichsweise kämpferischeren Namens läuft Der Wilde Westen deutlich friedlicher ab, als das Spiel auf der Frankreichkarte. Je nachdem, wie nah oder weit entfernt voneinander die Spieler ihre Startposition wählen, kommt es erst mal zu keinerlei Berührungspunkten. In dieser Spielphase ergeben auch die Stadtmarker kaum Sinn, denn erst, wenn man der Meinung ist, mit dem Stadtmarker Punkte abzugreifen, wird man ihn sinnvollerweise einsetzen. Gehen sich die Spieler mehr oder weniger aus dem Weg, wirkt das erst recht spät im Spiel und ist dann weniger lukrativ. Das wirkt sich besonders in kleineren Besetzungen aus. Kann man aber eine Kreuzung mit mehreren längeren Strecken mit einem Marker besetzen, setzt man damit vielleicht die entscheidenden Spitzen.

Diese Spielweise ergibt schon einen größeren Unterschied als man denkt. Die Praxis, sich schnell mal vorab hier und da eine kurze aber wichtige Verbindung auf der geplanten Route zu sichern, entfällt komplett. Auch der Auswahl der Zielkarten kommt damit eine wichtigere Rolle zu.

Das Material ist in gewohnter Qualität; es liegt noch eine sechste Spielerfarbe (Weiß) bei, da Der Wilde Westen (im Gegensatz zu Frankreich) auch zu sechst spielbar ist. Die Spielregeln sind für beide Varianten mit jeweils einer Seite übersichtlich.

Alles in allem haben mir beide Varianten gut gefallen und bieten schöne neue Anreize. Der Wilde Westen bietet sich aber eher in größerer Besetzung an, was bei Zug um Zug immer sehr turbulent verläuft.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-5 (6)
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
60-90
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
Fotos
Zug um Zug - Der Wilde Westen - Foto von Axel Bungart
Viele Verbindungen bei Zug um Zug - Frankreich - Foto von Axel Bungart
Nordteil der Karte von Zug um Zug - Frankreich - Foto von Axel Bungart
Situation bei Zug um Zug - Der Wilde Westen - Foto von Axel Bungart
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