Zug um Zug: United Kingdom

eine Spielerezension von Axel Bungart - 10.03.2016
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Zug um Zug United Kingdom + Pennsylvania - Fototeile von Days Of Wonder

Ist es eine Mogelpackung, wenn man etwas kauft, wo nicht ganz das drin ist, was drauf steht? Ok, wo Zug um Zug drauf steht, ist auch Zug um Zug drin. Aber in Zug um Zug Indien fanden wir auch die Karte der Schweiz, was bekanntermaßen mit Indien so viel zu tun hat wie Käse mit Curry.

Zug um Zug - Pennsylvania-Karte

Und im jüngsten Ableger der Reihe, Zug um Zug United Kingdom (Alan R. Moon/Days Of Wonder) , findet man außer der namensgebenden Karte der Briten auch die von Pennsylvania.

Beides sind neue Erweiterungen, von Days of Wonder verheißungsvoll Spielplansammlung (Nr. 5) genannt und somit nur mit dem Material einer der Vollversionen (USA oder Europa) spielbar. So erhält man also erneut zwei neue Spielpläne unter einem Namen, worüber sich wohl kaum einer beschweren dürfte. Also, gut gemogelt, Los Altos.

Wie spielt man Zug um Zug?

Wie man Zug um Zug spielt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Und wenn nicht, wird man in einer Reihe von Rezensionen im Spieleverzeichnis dieser Seite schlau. Das gilt zunächst insbesondere für die Pennsylvania-Karte. Hier hat man seine Aufträge und die bekannten Optionen, diese zu erledigen. Hinzukommt, dass man, wenn man bestimmte Strecken nutzt, einen Anteilsschein einer Eisenbahngesellschaft erhält, die an der genutzten Strecke beteiligt ist. Im Zweifel hat man noch die Wahl aus mehreren Anteilsscheinen, die man generell sogar kostenlos erhält. Am Ende einer Partie gibt es dann Punkte für Mehrheiten an den Anteilsscheinen.

Das ist schon alles, worin sich die Pennsylvania-Variante von den übrigen unterscheidet, und ist nicht sonderlich spektakulär in Bezug auf den Ablauf. Umso spektakulärer wird es aber möglichweise bei der Auszählung der Mehrheiten. Hier wird das bis dahin mit Aufträgen erzielte Ergebnis ggf. komplett auf den Kopf gestellt. Für eine Mehrheit kann man – je nach Gesellschaft – bis zu 30 Punkte erzielen, was mindestens zwei mittelgroßen Aufträgen entspricht. Wer also den Schwerpunkt seiner Strategie auf Strecken gelegt hat, bei denen er lukrative Anteilsscheine einsammeln konnte, düpiert damit die fleißigen Auftragserfüller. Das kann Spaß machen, erfüllt aber bei einseitigen Strategien nicht alle Mitspieler mit Freunde. Es konterkariert in zu hohem Maße die eigentliche Idee von Zug um Zug. Zwar muss jeder Spieler wenigstens drei Aufträge erfüllen, will er sich keinen Minuspunkte einhandeln, aber das lässt sich meist mit kleineren Aufträge abhandeln.

Zug um Zug Pennsylvania-Karte - extreme Strategien schlagen durch

Aber auch anders herum wird noch kein Schuh draus. Spielt man Zug um Zug Pennsylvania „normal“, passiert es eher zufällig, dass man die eigenen Aufträge sinnvoll mit lukrativen Anteilsscheinen ergänzt. Man sammelt dann eher das, was halt an der Strecke liegt. Dementsprechend beliebig wird dadurch das Ergebnis bei den Mehrheiten. Eine gute Mischung wäre wohl eine Lösung. Doch die Aufträge müssen dazu passen, was glücksabhängig ist und somit gezielt nicht unbedingt funktioniert.

Insgesamt gefällt mir dieser Spielplan daher nur bedingt. Ich halte die Durchschlagskraft extremer Strategien für eine handwerkliche Schwäche, die das Spiel (erstaunlich) unausgewogen machen können.

Der neuerliche Lernaufwand für die Regelergänzungen hält sich im kleinen Rahmen (eine DIN A4-Seite), sodass man in das Spiel auch nach längerer Pause schnell wieder einsteigen kann. Aber dennoch: Nicht die stärkste Erweiterung.

Zug um Zug - der United-Kingdom-Spielplan

Ziemlich anders sieht es da schon beim Spielplan auf der Nachbarinsel aus. Das fängt schon beim Material an. Hier gibt es eigene Wagon- und zusätzlich Technologiekarten, mit denen man diverse Vorteile bei der Nutzung von Strecken oder bei der Abrechnung erhalten kann.

Wie immer leicht stilisiert liegt die britische Insel mit ihren vier Ländern (England, Wales, Irland, Schottland) sowie einem kleinen Zipfel Frankreichs vor uns. Allerdings starten alle Spieler in England und dürfen auch nur dort Strecken nutzen, solange sie sich nicht Konzessionen gekauft haben, die ihnen die Nutzung in einem der anderen Länder erlaubt.

So weitet sich das Streckennetz etwas gebremst aus, denn für jede Konzession ist eine Lokomotive zu zahlen. Außerdem muss man erst das Recht erwerben, längere Strecken zu nutzen, da man anfangs nur Zweierstrecken (!) nutzen darf. Besonders hilfreiche Technologien können sogar bis zu vier Lokomotivkarten kosten.

Wie gut ist Zug um Zug United Kingdom?

Auf einer halben Seite sind die zusätzlichen Regeln und Regeländerungen erklärt, auf weiteren eineinhalb Seiten werden die Technologien und Konzessionen erläutert. Obwohl man anfangs von der üppigen Kartenauslage ein bisschen erschlagen wird, erschließen sich einem die Zusatzoptionen bald, zumindest was die Gesamtheit der Karten angeht. Nimmt man noch die Technologien für Fortgeschrittene dazu, wird’s allerdings doch ein bisschen unübersichtlich. Die sich damit eröffnenden Möglichkeiten sind ebenso wenig überschaubar, da sich einige Technologien auch noch wunderbar miteinander kombinieren lassen.

Zug um Zug United Kingdom wartet mit vielen neuen Ideen auf. Erstmals hat man eine Art Entwicklung im Spiel, die sich durch die Konzessionen für die anderen Länder aber auch durch die Technologien darstellt. Das Eisenbahnspiel wird vielseitiger und abwechslungsreicher, da die Technologien in verschiedene Spielmechanismen eingreifen. Allerdings muss man das erst ausprobieren, ja lernen. Daher richtet sich diese Variante auch sicher an erfahrene Zug-um-Zug-Spieler, die mit den Regeln und Spielmechanismen bestens vertraut sind. Eine durchaus zu empfehlende Variante des Originals!

Mit den beiden neuen Plänen erhält man ein gute Mischung zwischen Anspruch und Unterhaltung. Während Pennsylvania (2-5 Spieler) eher die klassischen Zug-um-Zug-Spieler anspricht, werden mit United Kingdom (2-4 Spieler) höhere Erwartungen erfüllt. Da man wegen des Materials ja auch schon eine der anderen Vollversionen haben muss, ergänzen sich diese ggf. gut.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30-60
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
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