Brettspiel Aquaria: Ausschnitt der Titelillustration, Foto von Skellig Games

Aquaria ist eine Aquarium-Simulation von Tomáš Holek, den viele als Macher von SETI kennen. Erschienen ist das Brettspiel in Deutsch bei Skellig Games. Ob Aquaria Spaß macht, verrate ich in dieser Rezension.

Vorab die Zusammenfassung der Rezension

Obwohl die Basisregeln eingängig sind, verliert sich der Ablauf in kleinteiligen Abhängigkeiten. Es scheint fast so, als wenn Tomáš Holek zu viel wollte. Dadurch verliert Aquaria jedoch an Eleganz. Es ist eine schöne Simulation zum Thema Aquarium, aber weniger wäre hier mehr gewesen. Dadurch reduziert sich der Spaß.

Worum geht es bei Aquaria?

Aquaria: Cover des Originals und der deutschen Ausgabe
Aquaria: Cover des Originals und der deutschen Ausgabe

Auf der Schachtel bietet sich ein tolles Bild: Bunte tropische Fische schwimmen umher, eine kleine Schatztruhe liegt am Grund und im Hintergrund ist ein Feuerfisch zu sehen. Dieses Bild gibt es nur für die deutsche Ausgabe, wie Verlagsinhaber Uwe Bursik in unserem Interview zu Aquaria erläutert hat. Die Schachtelillustration steht sinnbildlich für das, was die Spielenden erwartet: eine Aquarium-Simulation. Dass so etwas nicht so einfach und leicht sein muss, ist nicht zuletzt durch den Autor zu erwarten. Und so kommt es dann auch anfangs gleich ganz „dicke“.

Aquaria: Karten im Spiel, Foto von Skellig Games
Karten im Spiel, Foto von Skellig Games

Problem: Die Anleitung ist mäßig

Während die Grundregeln im Prinzip eher einfach sind, entfaltet Aquaria den Spielreiz durch das Ineinandergreifen von unzähligen kleinen Teilmechanismen. Das wäre machbar, wenn die Anleitung nicht äußerst suboptimal aufgebaut wäre.

Worum es eigentlich geht und was die Hauptmechanismen sind, verliert sich im Text in kleinteiligen Anweisungen. Dabei fehlen der grobe Rahmen, wie alles zusammenspielt, und Tipps, worauf die Spielenden für eine gute Punkteausbeute achten sollten.

Diese Spielregel von Aquaria ist nicht dem deutsche Verlag anzulasten. Allerdings ist sie aus meiner Sicht letztlich wenig hilfreich, die einfachen Basisregeln optimal zu vermitteln. Das  kann und muss besser gehen.

Die Aufgabe bei Aquaria: Das eigene Aquarium optimal versorgen

Aquaria: Aquarium wird befüllt, Foto Michael Weber
Aquaria: Aquarium wird befüllt, Foto Michael Weber

Aquaria fordert alle auf, das eigene Aquarium möglichst mit passenden Fischen zu füllen, an ausreichend Futter zu denken sowie Sauerstoff, Filter und Mikroflora im Blick zu behalten. Nebenbei ist es hilfreich, das eigene Wissen aufzufrischen und hin und wieder der Zoohandlung einen Besuch abzustatten. Alle Aktionen sind aber letztlich darauf ausgerichtet, viele Punkte zu sammeln.

Das eigene Aquarium befüllen

Aquaria: Aquarium wächst, Foto Michael Weber
Aquaria: Aquarium wächst, Foto Michael Weber

Das eigene Aquarium steht im Mittelpunkt bei Aquaria. Hier werden Fischkarten platziert, Futterdosen genutzt und der Filter optimiert. Nebenbei gibt es mehrere Stellschrauben für die Mikroflora.

  • Fische und Pflanzen kosten beim Platzieren Sauerstoff und eine passende Aktion. Sie bieten aber sofort Boni und später Punkte sowie eventuell weitere Einkünfte. Das Problem: Viele der Fische müssen am Ende jeder Runde mit passendem Futter versorgt werden.
  • Der Filter besteht aus Filterschwamm und einem Bereich, in den Plättchen gelegt werden können. Sobald der Schwamm komplett ist, werden die Plättchen gewertet, was Punkte (u. a. für Sauerstoff) und Annehmlichkeiten bringen kann.
  • Die Mikroflora wird durch Drehschalter symbolisiert. Wenn diese auf zur Runde passenden Farben stehen, erhält man einen fixen Bonus. Drehen lassen sich diese Knöpfe unter anderem bei neuen Fischen und Pflanzen (häufig an Reihe und Spalte der Platzierung gebunden) sowie durch Fortschritt auf dem Wissenstableau.
Aquaria: Fische, Foto Michael Weber
Aquaria: Fische und Pflanzen, Foto Michael Weber

Einen wichtigen Aspekt verschweigt die Anleitung leider: Der frühe Fisch schnappt den Punkt. Je früher viele Fische im Aquarium umherschwimmen, die viele Punkte generieren, desto besser. Denn es gibt vier Wertungsrunden. Wer Fische schon in der ersten im Wasser hat, bekommt potenziell viele Punkte – muss aber natürlich auch häufiger  füttern.

Der Wissensplan, der Sauerstoff und die Zoohandlung

Aquaria: Wissenspfad, Foto Michael Weber
Aquaria: Wissenspfad, Foto Michael Weber

Ein ausgelagerter Bereich von Aquaria ist dreigeteilt. Zum einen wird auf einer Leiste der Sauerstoff festgehalten. Dieser dient wie erwähnt als „Währung“ beim Platzieren der Fische und Pflanzen und bedeutet mehr oder weniger viele Punkte bei der Filterwertung.  Ziel ist stets, den Sauerstoffgehalt im Wasser möglichst weit oben zu halten.

Aquaria: Wissenspfad und Zoohandlung, Foto Michael Weber
Aquaria: Wissenspfad und Zoohandlung, Foto Michael Weber

Zum anderen sind Wissensplan und Zoohandlung weitere Elemente, mit denen die Spielenden Boni und Punkte generieren können. Eine Taktik kann bei Aquaria sein, den eigenen Wissenstand zu verbessern. Denn es gibt bestimmte Wissenspfade, die eigene Schwerpunkt an potenziellen Boni bieten. Passen diese perfekt zum Leben im Aquarium, gibt es vorteilhafte Effekte für das eigene Punkten.

Besuche bei der Zoohandlung sind dagegen eher ein nettes Beiwerk, wenn gerade keine anderen sinnvollen Aktionen möglich sind. Zu unterschätzen sind diese Vorteile aber nicht.

Der Motor der Runde: Die Aktionsräder

Aquaria: Aktionsräder, Foto Michael Weber
Aquaria: Aktionsräder, Foto Michael Weber

Über den Aktionsplan steuern die Spielenden ihre Aktionen. Es gibt vier Runden mit je vier Aktionen. Jede Aktion wird in Zugreihenfolge ausgeführt. Es gibt dafür fünf Aktionsräder. Diese bieten zum einen die Basisversion sowie gegen Zahlung bestimmter Ressourcen verbesserte Varianten der Aktion und je nach Zeitpunkt der Aktionswahl einen besonderen Bonus.

  • Aquariumkarten spielen: Durch diese Aktion gelangen die Handkarten in das Aquarium – wenn genug Sauerstoffvorrat vorhanden ist.
  • Wissen erhalten: Diese Aktion steuert den Fortschritt auf dem Wissensplan. Dafür gibt es mit Glück Plättchen, die Ressourcen oder Siegpunkte bringen.
  • Sauerstoffgehalt erhöhen: Wie gesagt, Sauerstoff ist wichtig, Fische kosten Sauerstoff. Durch diese Aktion wird er wieder erholt.
  • Karten und Futterdosen nehmen: Um Fische zu platzieren, müssen sie erst einmal als Handkarte vorhanden sind. Diese Aktion bietet Karten und nebenbei Futterdosen, damit die Fische auch Nahrung erhalten.
  • Zoohandlung besuchen: Klar, mit dieser Aktion gibt es eine neue Stufe in der Zoohandlung. Das wiederum bringt Boni, die mit mehr Aktionen stärker werden.

Die Aktionen halten das kleinteilige Ganze zusammen

Aquaria: Drehschalter der Mikroflora, Foto Michael Weber
Aquaria: Drehschalter der Mikroflora, Foto Michael Weber

Über diese Aktionen kommt Aquaria überhaupt erst in den Fluss. Aber: Es gibt nur 16 Aktionen in der gesamten Partie. Das ist verdammt wenig. Aber jede Aktion kann zugleich Anstoß für Teilmechanismen sein. So löst das Platzieren eines Fisches einen Verlust von Sauerstoff aus, bringt die Chance, die Dreher bei der Mikroflora zu verstellenn und liefert zudem möglicherweise einen Sofortbonus. Zukünftig generiert er aber auch Punkte und eventuell wiederkehrende „Einnahmen“. Nicht zu vergessen: Bereits durch die Aktionswahl kann es einen Bonus gegeben haben.

Am Ende zählen bei Aquaria nur die Punkte

Aquaria: Filterschwämme, Foto Michael Weber
Aquaria: Filterschwämme, Foto Michael Weber

Aquaria bietet viele Ansatzpunkte, eigene Strategien auszuprobieren. Dabei kommt es zu geringer Interaktivität durch das Wegschnappen von Plättchen auf dem Wissensplan, das Abgreifen von Aquariumkarten und die Boni bei den Aktionen. Letztlich führen so viele Wege zum perfekten Aquarium, dass alle nach Herzenslust eigene Ansätze ausprobieren können.

Wichtig ist dabei nur eins: Alle müssen sich Punkte erarbeiten. Recht verlässlich funktioniert das über Fische, aber auch Wissen und Filter sind gute Ansätze. Am Ende wird aus Strategie aber Taktik, um aus der aktuellen Situation das Beste zu machen. Aber: Bei so vielen Möglichkeiten, Wechselwirkungen und Symbole entstehen nicht nur bei den bekannten Grübelmenschen immer mal wieder längere Überlegungen.

Aquaria: Filterplättchen, Foto Michael Weber
Aquaria: Filterplättchen, Foto Michael Weber

Aber am Ende zählen eben nur die nackten Punkte. Diese bestimmen, wer Aquaria gewinnt. Der Weg dahin ist völlig egal.

Kritik an Aquaria: Irgendwo da drinnen fehlt Sauerstoff

Ich sage, wie ich es sehe: Aquaria ist eine verpasste Chance. Obwohl die Grundmechanismen einfach sind, ist der Einstieg unnötig kompliziert. Zugleich scheinen alle Aktionen und alle Teilbereiche der Aktionen eine Vielzahl von Plättchen mit Optionen, Boni, Chancen und Kleinstmechanismen zu berühren, sodass Aquaria hier viel Übersicht verlangt.

Das klingt nach einem anspruchsvollen Spiel. Aber dazu sind die Mechanismen nicht fein genug aufeinander abgestimmt. Immer wieder fehlt eine klare Linie, wo eine Weggabelung nach der anderen und dann noch ein Schlenker folgen.

Aquaria: Sauerstoffanzeige, Foto Michael Weber
Aquaria: Sauerstoffanzeige, Foto Michael Weber

Fast wirkt es so, als wenn alle Aspekte des Aquariums unbedingt mit in das Spiel gequetscht werden sollte – egal, ob es spielerisch passt oder nicht. Dadurch ist Aquaria eher überladen als wirklich komplex.

Aquaria ist kein perfektes Spiel, aber dennoch eine gute Simulation

Mit der Hälfte der Teilmechanismen wäre Aquaria vielleicht ein großartiges Familienspiel geworden. So grenzt es an Arbeit, ohne dafür genug Spaß zu bieten. Das ist extrem schade.

Aquaria: Feuerfisch, Foto Michael Weber
Aquaria: Feuerfisch, Foto Michael Weber

Ich muss aber gestehen, dass ich die thematische Umsetzung trotzdem gelungen finde.

Die Idee mit der Sauerstoffleiste und den Platzierungskosten und der Filtermechanismus sind großartig. Die Mikroflora ist passend, aber spielerisch eigentlich komplett überflüssig. Hier hätte man durch Anpassen der Aktionen und Boni mit Weglassen viel Übersichtlichkeit schaffen können. Aber dennoch: Diese Grundmechanismen passen perfekt zum Thema und veranschaulichen die Abhängigkeiten.

Es fehlen Klarheit und Eleganz

Ich hatte mich auf Aquaria gefreut. Zum einen, weil ich das Thema interessant finde, zum anderen weil es eher ein „gehobenes Familienspiel“ sein sollte. Der Spaß hörte aber schnell auf. Der mühsame Einstieg, eher unwillige Mitspielende und die fast schon zwangsweise erforderlichen Grübelphasen haben für mich den Spaß deutlich ausgebremst.

Aquaria: Schachtel, Foto Skellig Games

Obwohl ich Lust auf noch mehr Partien habe, werde ich diese kaum bekommen. Während ich einige Strategieansätze gern ausprobieren möchte, wandert Aquaria meinen Mitspielenden geschuldet auf den „Pack-das-mal-besser-weg-Stapel“.

Ich hätte es so gern geliebt. Aber am Ende fehlt da trotz der guten Ansätze irgendwo etwas Sauerstoff in Aquaria oder aber auch das Reduzieren auf etwas, das so wesentlich wie schwer erklärbar ist: Klarheit und Eleganz.

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