Das Brettspiel Arche Nova hat mich damals total überzeugt und wir sind glücklich vom Tisch gegangen. Leider kam es dann nicht mehr wirklich auf eben diesen Tisch, da es den meisten, trotz des Erfolges das Spiel, zu viel Aufwand war. Nun gibt es mit Artengarten von Mathias Wigge (Feuerland Spiele) den Nachfolger in abgespeckter Version.
Artengarten – so gut wie, aber schneller als Arche Nova?

Ich hatte schon in Essen auf der SPIEL ’25 überlegt, ob ich mir das Spiel hole. Denn es gab da das Promoplättchen „Der Kiosk“ dazu. Und wenn ich ein Spiel kaufe, will ich meistens auch die Promos dazu. Warum auch immer, es ist eine never ending Story. Ich kam aber nicht zum Testen von Artengarten und so ließ ich es trotz der guten Reputation einfach nicht in meinem Kofferraum nach Hause mitfahren. Aber mir blieb im Hinterkopf, es unbedingt mal zu testen. Und dann das: Da fliegt mir ein Rezensionsexemplar ins Haus – wenn auch ohne Promoplättchen. Nun heißt es: Spielen, spielen, spielen und schauen, ob es denn so gut ist wie sein großer Bruder und ob es öfter auf dem Spieltisch landen wird. Denn die kürzere Spieldauer verspricht eine schnellere Spielbarkeit und einen schnelleren Zugang. Oder ist es den meisten auch zu viel Aufwand?
Kleine offensichtliche Unterschiede

Es gibt einige Dinge bei Artengarten, die einem sofort auffallen. Es gibt kein Geld mehr und auch keine Gehegeplättchen. Auch sind es diesmal keine Karten, sondern Sechseckplättchen, die einem alle Informationen zuteil kommen lassen. Da wäre noch so einiges mehr, aber kommen wir zu Artengarten und nehmen Arche Nova etwas raus aus dem Vergleich. Denn nun finden wir ja kein Expertenspiel vor, eher ein leichtes Kennerspiel.
Der Spielablauf

Ein Auslagetableau in der Mitte stellt uns sechs Zooplättchen zur Auswahl , die wir vielleicht bezahlen können. Denn welches Plättchen wir nehmen können, und das ist immer unser erster Zug, entscheidet unser Projektplättchen, das an unserem persönlichen Zootableau anliegt. An diesem Zootableau liegen am Anfang vier verschiedene Aktionsplättchen an, die mit ihren Pfeilen auf bestimmte Nummern zeigen. Diese Nummern geben an, welche Tierarten ich überhaupt in meinen Zoo legen kann.
Da wird am Anfang schon eine Reihenfolge festgegelegt, wer wie weit ins Auslagetableau greifen kann. Wobei das sechste Plättchen nur durch Aktionen erreichbar ist. Also abhängig von der Pfeilposition der Projektplättchen nehmen wir uns immer eine sechseckige Karte aus der Auslage.
Danach haben wir die Möglichkeit, eine Aktion unserer vier ausliegenden Aktionsplättchen auszuführen. Wobei am Anfang meist übrig bleibt, zwei Plättchen vom Nachziehstapel zu nehmen, da uns das nötige Geld (Pfeilpunkte) für andere Aktionen fehlt. Das wird im Laufe des Spiels anders. Wir werden unsere Tiere oder Projekte oder Häuser aus unserer Auslage in den Zoo bauen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Dabei finden wir bei Artengarten viele Elemente wieder, die wir in Arche Nova auch vorfinden wie z. B. Auswilderunsprojekte oder Partnerzoos.
Artengarten und der Artenschutz

Natürlich sind die Auslegeregeln der Tiere, Häuser oder Projekte an bestimmte Regeln gebunden, sodass wir bestimmte Sachen erst sammeln müssen. Denn allein Pärchen von Tieren nebeneinander auszulegen, bringt uns Artenschutzmaker ein, die uns Siegpunkte bringen oder uns beim Artenschutzziel helfen können. Denn es gibt genau dazu ein Tableau, welches uns bestimmte Artenschutzziele vorgibt. Sobald wir eins davon erreichen, können wir sie mit Artenschutzplättchen abdecken und ggf. mit den Makern erhöhen. Das bringt uns eine noch höhere Siegpunktzahl.
Manche Tiere verlangen auch gewissen Freiraum, sodass wir einige Plättchen verkehrt herum auf die Auslage legen müssen, was aber auch Siegpunkte gibt. Auf alle Fälle müssen wir das gelegte Plättchen mit unserem Aktionsplättchen koordinieren, denn das Aktionsplättchen rückt nach der Abhandlung immer an die erste Stelle unseres Tableaus. Damit werden die Aktionenmöglichkeiten wieder geringer, da nun der Pfeilmaker auf die geringste Zahl zeigt.
Vorbereitungen für mehr Bauoptionen

Zu den weiteren Optionen bei Artengarten zählt, dass man auch immer noch zusätzlich ein Gebäude aus seiner Auslage in den Zoo bauen kann. Auch das ist natürlich an Bedingungen gebunden, deswegen Augen auf beim der Plättchenwahl. Denn manche Gebäude lassen sich sonst nie bauen.
Nach all den Optionen, die einem in seiner Aktion zur Verfügung stehen, kann man vielleicht seine Aufwertungsmaker umdrehen, was dazu führt, dass wir auch die Aktionskarten umdrehen können. Dadurch erreichen wir schneller höhere Zahlen auf unserem Zooplan und können höherwertige Plättchen aussuchen.
Das Spielende und die Wertung
Am Zugende sollten nicht mehr als sechs sechseckige Plättchen auf unserem Kartenhalter stehen , die Auslage wird wieder aufgefüllt und die Siegbedingung wird überprüft. Diese tritt ein, wenn jemand alle vier Erfolgsmaker auf dem Artenschutzzableau abgelegt hat, oder der Zooplan vollständig belegt ist. Auch wenn der Nachziehstapel leer ist, tritt das Ende sofort ein. Bei den ersten beiden Fällen wird die Runde noch zu Ende gespielt und es gibt zusätzliche Siegpunkte, wenn ein Mitspieler ebenfalls noch eins dieser beiden Ziele erreicht. Danach geht es an die Punkte, die es durch erreichte Ziele, Tiere, Maker und viele zusätzliche Optionen gibt.
Daumen hoch für das Brettspiel Artengarten

Vieles wird nun doch etwas zufälliger, denn man weiß nie, ob die passenden Plättchen irgendwann auftauchen. Meistens werden nicht alle Plättchen gespielt, da ein Mitspieler die ersten beiden Siegbedingungen schon vor dem Ende der Plättchen erreicht. Ob man die passenden Plättchen immer bekommt, ist auch eher zufällig. Denn der Pfeil muß auf die passende Nummer zeigen und auch darf kein Mitspieler einem das Plättchen vor der Nase wegschnappen.
Eigentlich ist Artengarten ein leicht zu spielendes Kennerspiel, das es seit seinem Einzug bei mir schon öfter auf den Tisch geschafft hat als sein Vorgänger. Es spielt sich flüssig, ist leichter zugänglich und natürlich sprechen einen schon die Grafiken mit den Tieren an. Alles ist proffessionell dargestellt und es macht allein schon Spaß, Artengarten auszupacken. Jeder wurde dabei neugierig und war von der Spieldauer nicht abgeschreckt, die mit 20 Minuten pro Mitspieler doch eher gering angegeben ist. Denn irgendwie haben wir diese Zeit nie geschafft, dazu muss man zu viel beachten. Aber dabei wird es nie langatmig. Nein, allein das Hoffen auf das gewünschte Plättchen lässt den Spannungsbogen im Bauch arbeiten.
Es gibt an Artengarten nicht viel zu kritisieren

Es kann unübersichtlich werden, alle Parameter auf dem Spielplan im Auge zu behalten, da z. B. die Pfeile für benötigte Freiflächen nicht immer eindeutig zu erkennen sind. Aber das ist jammern auf hohem Niveau. Letztendlich ist diese Ausgabe eine tolle Unterhaltung mit bildhübschem Material.
Keiner meiner Mitspieler hatte wirklich Negatives zu Artengarten zu sagen. Alle waren begeistert und spielten gerne noch weitere Partien, wenn auch nicht am selben Abend.
Aber ich denke Artengarten hat das Potenzial, auf bestimmten Kennerspiellisten zu erscheinen, denn es hat von allem etwas. Und es spielt sich eben leichter als der große Bruder. Deswegen: Daumen hoch für die abgespeckte Version. Sie ist zugänglich so ziemlich für jeden Spieler, der nicht nur würfeln will.
Schon zu zweit ist es ein Knaller – auch ohne Kiosk

Die Soloversion habe ich nicht getestet, da ich lieber mit Mitspielern spiele. Für eine Solopartie fehlt mir bei diesem Spiel die Motivation. Schon zu zweit ist es aber ein Knaller und ich würde immer versuchen, einen lieben Mitspieler zu finden.
Das Schlimme daran ist nur: Wo bekomme ich jetzt den Kiosk her? Das Plättchen, welches es als Promo in Essen gab. Denn irgendwie will ich solche Gimmicks gern haben. Ich hätte Artengarten kaufen und nicht lange überlegen sollen. Aber auch ohne das Plättchen ist es ein starker Tip für einen guten Spieleabend!
