5211

Azul - Special Edition

eine Spielerezension von Axel Bungart - 25.09.2022
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5211 Azul - Ausschnitt - Foto Asmodee
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Mit der Wahl auf kurze, prägnante Namen sind schon so manche Designer erfolgreich geworden. Ob Aldi, Bingo oder Catan, 4711 oder 0815. Jeder weiß auf Anhieb, was gemeint ist. Next Move Games konnte also gar nicht viel falsch machen mit dem Titel 5211 Azul, einem Kartenspiel von Tsuyoshi Hashiguchi, dessen Namen sich zu merken diametral schwerer fällt. Dabei sagt einem die Zahlenkombi erst mal so lange nichts, bis man das Spiel wenigstens einmal gespielt hat. Dann klickt‘s auch hier. Mal sehen, wer drauf kommt.

5211 ist gar nicht neu. Es stammt bereits aus 2019 (ebenfalls bei Next Move Games) und hatte damals eine Grafik, die den Spielern wahrscheinlich Kringel vor den Augen erzeugte, was weder für die Spieler noch für den Wiederspielreiz von Vorteil sein konnte. Die Neuauflage hat daher neben gemäßigten Kartenmustern auch den nicht minder einprägsamen Zusatz Azul erhalten, womit man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu erledigen hofft. Oder sogar drei: Der Name ist in Spielerkreisen bekannt (und überwiegend beliebt), er ist kurz und merkfähig und die Grafik ist jetzt auch (fast) nicht mehr gesundheitsgefährdend.

So wird 5211 Azul gespielt

5211 Azul Special Edition - Spielszene - Foto von Axel Bungart

Alles was benötigt wird, sind 100 großformatige Karten in den Farben Sowas-wie-Schwarz, Grün, Türkis, Orange und Ätz-Gelb. Da war sie wieder, die Farbe wie ein Schlag ins Auge. Jeder erhält fünf auf die Hand. Dann spielen alle verdeckt zwei aus, dann noch mal eine und noch mal eine. (Dämmert’s?) Liegen alle Karten offen aus, werden alle gezählt, die ein Hahn-Symbol tragen. Ist es genau eine bestimmte Anzahl Hähne (spieleranzahlabhängig), erhalten alle, die Hähne ausgespielt haben, dafür Punkte. Wenn nicht, sollte man in der eigenen Auslage möglichst viele Karten von der Farbe liegen haben, von der von allen Spielern die meisten Karten ausgelegt wurden.

Das wäre simpel, wenn nicht als Desaster definiert wurde, dass die Farbe mit den meisten ausliegenden Karten nicht gewertet wird, wenn zu viele davon ausliegen. Dann nämlich ist es die zweitmeiste Farbe, mit der gepunktet wird. Oder sogar die drittmeiste. Auch hier hängt es von der Anzahl der Mitspieler ab, wie viele Karten von einer Farbe maximal liegen dürfen. Jede Karte, die man so einsammelt, gibt Siegpunkte entsprechend ihres aufgedruckten Werts. Ist der Kartenstapel durchgespielt, endet die Partie und es gewinnt, wer die meisten Punkte hat.

Klingt öde – ist es aber nicht

5211 Azul Special Edition - Spielszene - Foto von Axel Bungart

Das klingt unspektakulär, und ehrlich gesagt, habe ich mich beim Lesen der Regel gefragt, wo hier der Witz liegt. Auch den Mitspielern war ihre Begeisterung nach der Erklärung der Regeln nur mit etwas Nachdruck zu entlocken.

Doch die kurzen, einprägsamen und dazu vollständigen und eindeutigen Regeln gewähren einen schnellen Einstieg, noch bevor der erste das Weite suchen kann. Und er hätte auch was verpasst. Schon nach der ersten Auslegerunde mit zwei Karten zählt man die Hähne und Kartenfarben. Dann geht die Spekulation los: Was spielen die anderen? Gehen sie auf Hähne oder auf Farben? Kann man sich beides noch offenhalten? Wieder wird eine Karte ausgespielt und aufgedeckt. Und wieder versucht man, die Gedanken und Kartenhand der Gegner zu ergründen, wobei besonders letzteres freilich kaum gelingen mag. Nach der vierten ausgelegten Karte ist es dann klar, was zählt. Oft genug endet die Runde aber anders als gedacht und nicht selten mit der "falschen" Farbmehrheit. Gedankenlesen ist eben doch nicht so leicht.

Bluff, Taktik und Glück

5211 Azul Special Edition - Spielkarten - Foto Asmodee

Aber auch das ist möglich: Man spielt absichtlich eine weitere Karte einer Farbe aus, weil man damit das Limit der Farbe überschreitet und diese gar nicht gewertet wird. Mindestens einem am Tisch hat man damit die Suppe schon versalzen. Und schon ist das Geschrei groß und eine andere Farbe wird gewertet. Das sind wirklich spaßige Moment in 5211 Azul. Es ist genau dieses Bluffen und Taktieren, gemischt mit einer Portion kartenspieltypischem Glück, das schon nach wenigen Minuten die Spieler zu fesseln weiß.

Da die Karten unterschiedliche Kartenwerte aufzeigen und höhere Kartenwerte nur einmal vorkommen, ist man sehr darauf bedacht, seine hohen Karten gezielt und möglichst sicher einzusetzen. Auch das bedarf etwas Glück und taktischen Geschicks.

5211 Azul: eine Mogelpackung?

5211 Azul ist eine ganz andere Art von Stichspiel, ich würde es Multistichspiel nennen, das mit wenigen Regeln viel Spiel bietet. Die Grafik ist bedeutend schöner als die Ursprungsversion, wenn auch das Gelb unangenehm ist. Doch muss die Frage erlaubt sein, was der Begriff Azul, den jeder halbwegs informierte Spieler mit dem Kacheln oder Verglasen von Gebäuden und Pavillons in Verbindung bringt, hier zu bedeuten hat. Das ist ein bisschen Bauernfängerei, denn mit dem Beliebten Spiel des Jahres Azul hat das rein gar nichts zu tun. Daran ändert auch die Musterung der Karten nichts.

5211 Azul Special Edition - Schachtel - Foto Asmodee

Davon abgesehen spielt man 5211 Azul in weniger als 20 Minuten durch und schiebt gleich noch eine Revanche hinterher. Weniger zu zweit, aber schon ab drei Spielern klappt das gut. Den Fragezeichen in den Gesichtern ist dann schon längst ein amüsiertes Lächeln gewichen. Sehr hübsch!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2021
Spielkategorisierung
Fotos
5211 Azul Special Edition - Spielszene - Foto von Axel Bungart
5211 Azul Special Edition - Spielszene - Foto von Axel Bungart
5211 Azul Special Edition - Spielkarten - Foto Asmodee
5211 Azul Special Edition - Schachtel - Foto Asmodee

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