Unglaublich, welche Anziehungskraft die Beasty Bar (Zoch Verlag) ausübt! Sie ist mit Sicherheit das beliebteste Lokal der Stadt. Schon länger versammeln sich immer neue Interessierte in einer Warteschlange, der sogenannten Drängelmeile vor ihren Toren und verlangen nach Einlass. Und dazu ist ihnen nahezu jedes Mittel recht.
Down Under erweitert die Beasty Bar
Als vor gut zehn Jahren das erste Spiel rund um die Rangeleien in der Beasty Bar erschien, gefiel es mir durchaus gut. Es wirkte frisch und interessant, wies jedoch mit all den unterschiedlichen Eigenschaften der diversen Tiere eine recht erhebliche Einstiegshürde auf. Daher verschwand es bald einmal wieder aus den ersten Reihen meiner Spielestapel.
Mein Problem ist halt, dass ich nicht allzu oft in fixen Runden, sondern meist mit immer neuen Leuten und in wechselnden Zusammensetzungen spiele. Und da war der jeweilige Aufwand zum Erläutern und Verstehen des Regelwerks von Beasty Bar halt doch relativ gross. Zudem erschien er dem unterhaltsamen und leichtfüssigen, aber doch auch eher „überblickbaren“ Spielvergnügen nicht unbedingt als angemessen.
Doch die Beasty Bar ließ sich dadurch nicht unterkriegen. Sie entsprach offensichtlich dem Geschmack vieler Leute. Daher sind seit der Erstveröffentlichung in weiteren Spielausgaben laufend neue Tiere aufgetaucht, die mit ihren jeweiligen Mitteln und Tricks den Weg in die Beasty Bar freikämpfen wollen. Und das ist einerseits erstaunlich, andererseits aber durchaus bemerkenswert und ein echter Erfolg.
Und nun verlagern Stefan Kloß und Anna Oppolzer das Geschehen also nach Down Under. Wir haben es da mit allerlei Meeresgetier zu tun, das buchstäblich ins Lokal strömen oder schwimmen oder sonstwie reinkommen will. Teils wird das trickreich angestrebt, beispielsweise durch eine Art Böcklisprünge des Seepferdchens oder wie die Qualle, die still und heimlich unter der Warteschlange durchzutauchen versucht. Teils wird jedoch auch brachialste Gewalt eingesetzt, man denke nur an den Wal oder den Hai, die ihre Konkurrenten einfach wegschwemmen oder gar -fressen wollen.
Was ändert die Erweiterung Beasty Bar: Down Under?
Ausgetragen wird das ganze Spektakel über Tierkarten, von denen wir alle ein komplettes Set aller zwölf Arten und jeweils vier auf der Hand haben. Wir spielen reihum je eine Karte aus und wickeln anschließend alle damit verbundenen Aktionen ab. Primär sind das die individuellen Eigenschaften der eingesetzten Tiere, die normalerweise hinten in der Warteschlange starten müssen, von dort aus im Idealfall aber gleich weiter nach vorne drängen.
Oft endet das an einem grösseren Tier, das der Vorwärtsbewegung ein Ende setzt. Dann wird geschaut, ob sich in der Drängelmeile allenfalls Tiere mit wiederkehrenden Aktionen befinden, die nun jede Runde neu zum Tragen kommen. Das ist die Stunde der Haie oder auch der Einsiedlerkrebse, die jede Runde einen Platz nach vorne drängeln können, falls ihre Position in der Warteschlage und deren Zusammensetzung passt.
Zuletzt folgt der Check, ob in der Warteschlange (immer noch) fünf oder mehr Tierkarten ausliegen. Ist das der Fall, werden die vordersten zwei in die Beasty Bar reingelassen, während die hinterste Karte auf der „Das war’s“-Ablage landet, während die übrigen Wartenden in der Drängelmeile verbleiben und auf spätere Runden und Wertungen hoffen dürfen.
Anarchie am Tresen
Klar, dass da wenig geplant werden kann und innert Kürze ein ziemliches Durcheinander herrscht mit Tendenzen zu Willkür und Anarchie. Alle versuchen, das jeweils Beste aus ihren Handkarten herauszuholen. Je nach Konstellation der Warteschlange können gewisse Tiereigenschaft wunderbar passen oder eben auch nicht. Entscheidend ist halt, welche Karten ich wann auf die Hand bekomme. Und genau das ist eine reine Frage des Zufalls und weder vorherseh- noch steuerbar.
Sind alle Karten ausgespielt und die Warteschlagen nicht mehr voll zu kriegen, gibt es eine Schlusswertung der Tiere, die es in die Beasty Bar geschafft haben. Die Karten und Tierarten sind dazu mit Punktewerten von 2-4 versehen und es gewinnt, wer die höchste Summe aufweist.
Falls gewünscht, kann mit Down Under sogar aus sämtlichen Tieren der inzwischen vier miteinander kompatiblen Ausgaben von Beasty Bar nach Belieben ein eigenes Spielkarten-Deck zusammengestellt und in jeder Partie neu kombiniert werden. Da erreicht dann das Spektakel ein noch höheres Level und überraschende Wendungen und Manöver folgen sich Schlag auf Schlag. Aber selbst da ist weiterhin entscheidend, im idealen Zeitpunkt geeignete Karten auf der Hand zu haben und das Beste daraus zu machen.
Das Partyspiel erhält mehr Regeln und eine noch höhere Einstiegshürde

Ganz grundsätzlich ist Beasty Bar ein wunderbares Spiel für zwischendurch, mit kurzer Dauer und hübscher Optik. Allerdings kann dann trotzdem oft nicht rasch losgespielt werden, da zuerst die Eigenschaften der Tiere erläutert oder in Erinnerung gerufen werden müssen. Das gilt auch für die Erweiterung Down Under. Die Einstiegshürde ist dadurch recht hoch und einigen verleidet es das Ganze schon, bevor das eigentliche Spiel startet. Zudem sind der Ablauf und der Gehalt des Spiels relativ simpel und dem Erkläraufwand irgendwie nicht angemessen.
Das gefällt längst nicht allen. Die anderen aber erhalten ein Spiel mit einer irrwitzigen, aber trotzdem gut nachvollziehbaren Geschichte und vielen Emotionen und auch Gelächter und Spass. Beasty Bar samt Erweiterung Down Under hat so den Charakter eines reinen Partyspiels, und das braucht ja nichts Negatives zu sein. Selbst wenn ich das nicht immer wieder spielen möchte.
