Bone Wars ist ein Spiel von Wim Goossens für 1-4 Spieler. Die deutsche Version ist bei Giant Roc erschienen. Das Thema: Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche spektakuläre Entdeckungen von Fossilien diverser Dinosaurier gemacht. Im Zentrum standen die beiden Paläontologen Marsh und Cope, die eine Vielzahl neuer Sauriergattungen beschrieben.
Worum genau geht es bei Bone Wars?

Anfangs fand ich den Namen Bone Wars für das Spiel unglücklich gewählt, doch sehr reißerisch, möglicherweise falsche Erwartungen weckend und für den Spontankauf im Spieleladen vielleicht nicht sehr einladend. Aber tatsächlich ist dieser Name ein fester Begriff und wurde in der Zeit von der amerikanischen Presse geprägt für die Rivalität der beiden genannten Paläontologen. Wie stark ist das Thema im Spiel eingefangen und wie abwechslungsreich ist es für spielende Menschen, diesen Fragen will ich in dieser Rezension nachgehen.
Grabungserlebnisse bestimmen die Aktionen
Das Auffinden verschiedener Knochen an unterschiedlichen Grabungsstätten und das anschließende Veröffentlichen neuer Gattungen von Sauriern im Namen der beiden Paläontologen Marsh und Cope nimmt einen großen Teil der Aktionsmöglichkeiten ein. Über Handkarten gesteuert können auf dem zentralen Spielplan an sechs verschiedenen Orten acht unterschiedliche Knochenarten ausgegraben werden. Diese liegen als Marker zufällig gezogen offen aus. Dem Spielmechanismus geschuldet, zäumen die Spieler das Pferd von hinten auf: Welche Knochen in welcher der drei Grabungstiefen liegen, ist für alle bekannt und welche Saurier mit welchen Knochenvoraussetzungen es zu entdecken gibt, ist in Form von Auftragskarten auch klar. Das tut dem ganzen allerdings keinen Abbruch oder fühlt sich merkwürdig beim Spiel an.

Der Mangel treibt Bone Wars an
Es gibt einen Berg an Einschränkungen, die Bone Wars somit natürlich spannend machen. Die Aktionen sind immer zu wenige, für das was geplant ist. Das Geld reicht auch selten aus, der Platz für die ausgegrabenen Knochen sowieso und die Mitspieler schnappen zu guter Letzt alles interessante vorher weg.
Mit den Teamkarten können neben den Grabungen noch eine Handvoll Bonusaktionen getätigt werden. Die Paläontologenkarten ermöglichen die Veröffentlichung. Je mehr passende Knochen dazu präsentiert sind, umso mehr Boni gibt es und der eigene Multiplikator steigt beim aktuellen Auftraggeber. Es ist durchaus möglich, mehrfach im Spiel, die Seiten zu wechseln. Mitunter ist man dazu auch gezwungen, da am Rundenende diese wieder neu gewählt werden und nur begrenzt Platz vorhanden ist.
Weiterhin ist auch die Widerlegung der Arbeiten des Kontrahenten möglich. Dafür steigt der Multiplikator sogar noch stärker. Gattungskarten sind die dritte Kartengruppe und besonders vielseitig. Diese stellen die Auftragskarten der zu entdeckenden Saurier dar, können aber auch als Team- oder Paläontologenkarten eingesetzt werden.
In den vier Runden des Spiels sind fünf oder sogar auch mehr Züge möglich mit bis zu vier Aktionen jeweils. Das Maximum auszuschöpfen, scheitert oft am Fehlen bestimmter Voraussetzungen. Am eigenen Tableau werden die Aktionen festgehalten, gesammelte Knochen gelagert und veröffentlichte Gattungskarten vorgehalten.
Bone Wars ist eine Perle, die ausgegraben werden will

Bone Wars wirkt erst einmal erschlagend von den Aktionsmöglichkeiten und Verzahnungen derselben her. Wer aber die dicke Schale des Verstehens der Zusammenhänge geknackt hat, den erwartet eine besondere Perle von Spiel! Natürlich wurde das Rad des Ressourcenmanagements nicht neu erfunden. Wir sind im Wettlauf um selbige, wollen die Boni optimal nutzen und erreichen, Zwischenetappen zuerst schaffen. Hierbei gibt es immer wieder viel auszuprobieren oder zu kombinieren. An Abwechslung fehlt es nicht in Bone Wars!
Was mir sehr gefällt, das ist die Möglichkeit, bis zum Schluss an der Wertigkeit zu schrauben. Es geht nicht nur in die eine Richtung des Immer-mehr-an-Punkten, sondern mit der Widerlegung der Veröffentlichungen des Rivalen des aktuellen Auftraggebers können vermeintlich sich dem Spielsieg sichere Mitspieler wieder eingeholt werden, da sich dadurch der Multiplikator verringert. So blieb bei mir jede Partie bis zum Ende spannend!
Zu viele Leute und zu wenig Zeit verderben das Ergebnis
Bone Wars spielt sich in jeder Konstellation gut. Allerdings zu zweit geht es an den Ausgrabungsstätten entspannter zu, bei vier Spielern kann alles deutlich zügiger abgeräumt sein. Für die Erstpartie kann locker mit einer Stunde mehr Spielzeit, als in den Folgepartien gerechnet werden. Davon bitte nicht abschrecken lassen! Es sind enorm viele Feinheiten zu beachten und ob sie tatsächlich alle notwendig sind, das steht auf einem anderen Blatt. Sie sind eingängig und nach der zweiten Partie sitzen sie auch. Das Spiel ist dicht am Thema dran. Von der Ausgrabung der Knochen bis zur Veröffentlichung der Forschung über den neu entdeckten Saurier sind es klare Schritte. Von den gekoppelten Boni hätten es auch ein paar weniger sein können.
Im Solospiel kommen eine Vielzahl von „Wenn“-„Dann“-Regeln dazu. Aber diese sind gut eingeflochten im Regelwerk. Der Solomechanismus bietet zwei Schwierigkeitsgrade, funktioniert solide und stellt eine interessante Herausforderung dar.
Bone Wars ist eine klare Empfehlung

Ich kann Bone Wars empfehlen für Spieler, die anspruchsvolle Kost suchen!
Das Spielmaterial ist einfach Klasse! Es ist schön gestaltet und allein die Gattungskarten sind eine Augenweide! Sehr stimmungsvoll und gelungen. Wobei die Symbolik anfangs einen wie das Schwein ins Uhrwerk blicken lässt, es ist viel an Bedeutungswerk, aber nicht verzagen, es ist eingängig in der Darstellung! Was mir tatsächlich fehlt, das ist ein Hilfsmittel, womit ich meine aktuelle Aktionsanzahl und meine kostenlosen Bewegungen festhalten und somit nachvollziehen kann, da nach jeder Bewegung eine oder auch mehrere Aktionen möglich sind.
