Das Spiel Catch Me Aho ist von Thade Precht aus dem Verlag Heldbergs Games. Diese Rezension starte ich mal anders.
Wieso ist Catch Me Aho ab 16 Jahren?
Die Einstufung verstehe ich nicht. Es gibt statische, lose zusammenhängende Comicbilder von einem brennenden Polizeiwagen, von Leuten, die einen Polizeiwagen zerstören, einen Totenschädel und Krawalldarstellung in einer Wolke mit daraus hervorlugenden Fäusten, Schläger und einem Auge.
Dahingegen ist ein Film über einen Hobbit, der eine Reise antritt mit deutlichen martialischen Kampf- und Schlachtszenen ab 12 Jahren. Ich denke, wer die Bilder auf der Verpackung verträgt, verträgt auch den Inhalt.
Catch Me Aho – in der Zukunft
Eine hanebüchene Story. In Tokyo im Jahr 1982 plant eine Gangstertruppe (Bosozokus), wo und wann sie auf die Cops treffen werden. Und gewinnen aufgrund des Planungsvorteils. Wer die Fahrten der Bosozokus (rosa Motorrad) und der Cops (blauer Wagen) richtig vorausberechnet, gewinnt. Dabei versuchen alle Mitspieler, die gleiche Aufgabe zu lösen. Der Krawall an sich spielt hier keine Rolle, es geht nur darum die Treffpunkte und den Zeitpunkt herauszufinden.
Vorspiel, Hauptspiel und was für Profis

Beim Vorspiel von Catch Me Aho geht es darum, den eigenen Kartenstapel möglichst schnell abzuwerfen. Der Kartenwert muss um 1 niedriger oder höher sein als die offene Karte vom Vorgänger. Wer hier gewinnt, verschafft sich zusätzliche Karten beim Hauptspiel. Schnell erklärt und schnell gespielt. Bei weniger Mitspieler muss zwischendurch auf den Würfel zurückgegriffen werden, weil keiner eine passende Karte hat. Das anschließende Hauptspiel kann mehr oder weniger einfach gestaltet werden mit drei bis sechs Stadtteilen, die angefahren werden können.

Wenn sich alles in Kreisen bewegt, fährst du links, fahr ich rechts
Rasant passt bei Catch Me Aho, Katz- und Mausspiel trifft es auch. Eine Verfolgungsjagd ist es nicht, da es um den zukünftigen Standort des Krawalls geht.

Die Kontrahenten auf dem Spielbrett bewegen sich in einem Kreis, einer fährt links herum, einer rechts herum. Jeder bewegt sich dabei eine zufällige, gewürfelte Anzahl von Feldern weiter. Nun müssen die Spieler vorausberechnen oder schnell zählen, ob sich die beiden Figuren auf einem Feld treffen. Wenn ja, ist das entsprechende Plättchen aus der Mitte zu greifen. Auch hier gilt es, schneller zu sein, als die Mitspieler, weil das Plättchen nur einmal vorhanden ist.

Treffen sich die Figuren nicht, fahren sie bis zu zweimal weiter. Dabei ist die neue Anzahl an Feldern, die weitergezogen wird, abhängig vom Standort, wo sie zuletzt gestoppt hatten. So bleibt auch der zweite und dritte Teil der Fahrt dynamisch.

Treffen sich die Figuren auch beim dritten Teil der Fahrt nicht, so gilt es das Unendlichkeitsplättchen zu schnappen. Laut Erklärung heißt es, dass sich die Fahrzeuge dann gar nicht treffen. Ein weiterer Stopp wird dann nicht mehr gewertet.
Größere Stadt
Der Mini-Straßenplan, also alle Teile des Kreises, sind doppelseitig bedruckt. Somit können beliebig nach Bedarf die Anzahl der Stopps ergänzt werden. Zwischen drei und sechs Stopps/Felder für die beiden Figuren sind möglich. Alle Felder ohne Stadtteilmarkierung sind irrelevant und formen nur den Kreis. Dabei ist Tokyo auf ein Minimum reduziert. Dies macht das Spielprinzip erst möglich und fördert die Schnelligkeit. Somit passend für dieses eher kurze Spiel.

Mehr Stopps – Mehr Komplexität
Wem die Zukunftsberechnungen mit drei Stopps zu wenig ist, kann Catch Me Aho auf bis zu sechs Stopps aufstocken. In einzelnen Spielrunden haben wir auch zwischendurch die Anzahl relevanter Stadtteile variiert. Dadurch musste umgedacht werden, was einen vollen Kreis ausmacht oder mit wievielen Schritten die Fahrzeuge eigentlich nur ein Schritt zurück fahren.
Die Bewertung: Gezählt – gejagt
Bei Catch Me Aho können die Fähigkeiten des kleinen 1×1 oder Rechnen im Zahlenraum bis 10 trainiert werden. Und hier macht es auch den Erwachsenen Spaß. Eine Partie am Spielabend lockt. Das Spiel ist grundlegend so einfach, dass hier doch wieder der Reiz des „Ich-liege-richtig“ und Gewinnens greift.
Als kleines Spiel funktioniert Catch Me Aho für mich gut. Und in einer U16-Variante kann es auch für jüngere Schüler funktionieren, da die Komplexität mit der Anzahl von Stopps und der veränderlichen Anzahl von Stadtteilen angepasst werden kann.
Ist Catch Me Aho für Nerds?
Die Selbst-Einstufung für Superbrains und Nerds auf der Packung, ist für mich ein Hinweis darauf, gleichstarke Spieler an den Tisch zu bringen. Mitspieler, die diese Rechenaufgaben einfach sehr schnell lösen können, sind deutlich im Vorteil.
Grundsätzlich kann die richtige Lösung mit ein oder zwei Plättchen aus der Mitte genommen werden. Dabei darf nur ein Plättchen auf einmal gezogen werden, so haben auch andere noch eine Chance.
Limited Edition, Extras und Design

Catch Me Aho wurde in einer limited Edition von 999 Exemplaren herausgebracht mit handsignierten Karten und Artwork. Als Extra gibt es einen Duftanhänger fürs Auto. Details sind bei Heldbergs Games genannt.
Das Spiel ist in einem kartonähnlichem Versandpäckchen veröffentlicht. Die Größe passt, das Design hat seinen eigenen Stil und ist comicartig. Die Gestaltung der Karten mit den Würfelaugen in Reisform passen zu Catch Me Aho.
Auf die beiden kleinen Marker in Rosa und Blau aufpassen! Die gehören zum Spiel. In anderen Spielen wären dies Stanzteile, die übrig sind, hier sind es die Startmarkierungen.
Das mit dem Japanisch
Mit meinen begrenzten Fähigkeiten auf Japanisch und beim Zurückgreifen auf Japanisch sprechende Leute ergibt sich für mich Folgendes: „Catch Me Aho!“ ist wohl eine unfreundliche Ansprache ala „Fang mich, Trottel!“ Die Spielmarken sind mit den Namen von Stadtteilen Tokyos beschriftet und die Zeitplättchen sind mit eins bis sechs zweisprachig betitelt. Die Nummernwertsymbole auf den Karten erinnern an kleine Reissnacks. Die rundet für mich das Japan-Thema ab.
Das Fazit zu Catch Me Aho

Das Spiel Catch Me Aho! ist für mich eine Abwechslung, aber kein Spiel für den ganzen Abend. Die Nerd-Einstufung bzw. die Spielmechanik im Hauptspiel macht es auch nicht für alle zu einem guten Spiel. Es polarisiert mehr, wenn ich einzelne Spieler habe, für die das Spiel deutlich nicht in Frage kommt. Dafür würde ich es aber mit Kindern unter 16 Jahren spielen. Die Variabilität lässt sich hier gut anpassen.
