Catch The Wave, Ausschnitt der Schachtel, Foto von Michael Weber

Catch The Wave

von Michael Weber
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Was schreibe ich über ein Spiel, das in richtiger Runde großen Spaß macht, spielerisch nicht viel bietet, aber eine Art Gesamtkunstwerk ist? Das ist die Frage in dieser Rezension zu Catch The Wave von Thade Precht, das bei Heldbergs erschienen ist.

Worum geht es bei Catch The Wave?

Heldbergs Games ist ein etwas anderer Verlag. Einfache Spiele mit viel Liebe fürs Detail und das halb japanisch in Deutschland gefertigt. Diese Mischung macht auch Catch The Wave zu einem echten Sammlerstück.

Die Geschichte können wir uns fast schenken. Die Menschheit hat sich ausgerottet. Übrig geblieben sind unter anderem Strände mit hohen Wellen, Surfbretter und Tanuki, die nichts anderes als japanische Fabelwesen sind. Das Thema liegt auf der Hand: Die 1 – 4 Spielenden ab 8 Jahren surfen um die Wette und versuchen, die beste, hier längste, Welle zu erwischen. Yeah, Wellenreiten! Das Blöde: Catch The Wave ist ein toxisches Memospiel. Platsch!

Die Spielregeln: Merkfähigkeit trifft auf Störfaktoren

Catch The Wave, Kartenmotive, Bild von Michael Weber
Catch The Wave: ein paar der Kartenmotive, Bild von Michael Weber

Keine Bange, Catch The Wave ist kein Pärchensuchspiel. Okay, es ist eigentlich banaler – und schlimmer. Pro Person liegt ein Satz Pappkärtchen aus, die Zahlen von 1 bis 20 zeigen. Natürlich verdeckt.

Was nun kommt, ist so einfach wie fies. Reihum decken alle ein Kärtchen auf, sagen die Zahl an und legen es verdeckt vor sich ab. Soweit alles kein Problem. Dummerweise darf sich niemand mehr die abgelegten Plättchen ansehen und es geht weiter. Nur, dass jedes weitere Kärtchen so in die verdeckte eigene Auslage kommen soll, dass eine ununterbrochene Reihe von gleichen oder aufsteigenden Zahlen entsteht.

Wer völlig verzweifelt, kann Haifischflossen einsetzen. Diese erlauben es, je eine Karte pro Flosse anzusehen und die Erinnerung aufzufrischen. Ich empfehle, diese Regel je nach Runde zu streichen. Denn das Chaos macht Catch The Wave lustiger.

Die Wertung: Wer die längste hat, reitet am besten …

Catch The Wave, Fehler kommt in die Zahlenreihe, Bild von Michael Weber
Catch The Wave: Jetzt kommt ein Fehler in die Zahlenreihe (die 6 passt zwar, die 4 daneben aber dann nicht mehr) – nur dass diese Karten alle verdeckt liegen würden – Bild von Michael Weber

Surfen ist Wellenreiten. Also: Wer am Ende der Runde beim Aufdecken der eigenen Reihe die meisten nacheinander passenden Zahlen liegen hat, gewinnt bei Catch The Wave. Ich muss gestehen, ich habe desolate Niederlagen mit wenigen Punkten und grandiose Siege mit glatt 20 Punkten erlebt.  …

Profiregel: Jetzt wird es wild oder: Wer Memo nicht kann, verliert hier haushoch

An dieser Stelle höre ich schon das Stöhnen einiger Interessierter. Aber, keine Panik. Es wird schlimmer. Denn das war der leichte Teil. Die unbedingt empfehlenswerte Profiregel gibt es ja auch noch. Dabei werden in die Auslage Karten gemischt, die Zahlenfolgen (und teilweise Störwörter) enthalten.

Lasst uns die Merkfähigkeit zu Grabe tragen …

Memospiel Catch The Wave, Schachtel, Bild von Heldbergs Games

Wer diese Karten zieht, unterbricht den Ablauf. Dann lesen alle reihum die Angaben auf der Karte vor und es geht weiter. Klingt langweilig? Ist es auch. Allerdings … Während sich alle schön ihre Zahlenfolgen merken, um die nächste Karte passend zu legen, kommt dann so etwas. Vorlesen! Zahlen! Wörter! Und dann weiter. Wo war noch mal welche Zahl? Genau! Diese Störkarten sind der Sargnagel für die eigene Merkfähigkeit, die nun endgültig zu Grabe getragen wird. Lästereien, Stöhnen und Jubel sind spätestens jetzt Teil des Spiels.

Catch The Wave ist ein kleines Juwel

Catch The Wave, Aufkleber und Schlüsselanhänger, Bild von Michael Weber

Ganz klar: Memospiele spalten. Auch dieses. Aber es ist so einfach und zugleich so fies, dass es in richtiger Runde super unterhält und für Lacher sorgt. Als Trinkspiel könnte es übrigens auch gut funktionieren. Für mich ist es ein Tipp für Leute, die schon „alle“ Spiele haben und etwas Besonderes suchen. Das liegt aber nicht am Ablauf, sondern an der Ausstattung.

Da war noch was: liebevoll gestaltetes Gesamtkunstwerk

Denn Catch The Wave ist mehr als nur ein Merkspiel. Es ist ein kleines Kunstwerk und das noch „made in Germany“. Zumindest in der (ersten) limitierten Auflage. Karton und Packpapier als Hauptbestandteile machen zunächst nicht viel her und wirken sogar etwas anfällig für Feuchtigkeitsprobleme und Fettfinger. Aber!

Enthalten sind neben Regel und Kärtchen ein paar Goodies. Aufkleber, ein Schlüsselanhänger und ein Papier mit Infos zu Autor Thade Precht und Illustrator Christian Bögle – beides handsigniert.

Catch The Wave, Inhalt der Schachtel, Bild von Michael Weber

Wow! Das ist mal eine Ausstattung.

Von daher steckt in Catch The Wave nicht nur überraschend viel Spaß, sondern die kleine Schachtel ist in dieser Form ein echtes Geschenk. Nebenbei frage ich mich, warum so etwas nicht mehr Verlage hinbekommen. Für mich ist Catch The Wave anders, es ist eine mit Liebe gestaltete Perle und hat „Seele“.

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