Dan Dan Dan von Autor Thade Precht, erschienen bei Heldbergs Games, entführt uns in die Welt der japanischen Straßenverkäufer, den so genannten Tekiya. Angeblich eine große Familie, missgönnt jeder dem anderen dennoch Erfolg. Und wenn dann auch noch einer meint, sich öffentlich über die anderen zu stellen, dann wird das im Park schnell mit ein paar Kugeln geklärt. Ja, es wird scharf geschossen in Dan Dan Dan. Und nur, wer schnell und richtig reagiert, überlebt den Zwist. Freunde von Reaktionsspielen wie Avocado Smash, Taco Ziege Käse Pizza oder Dodelido müssen weiterlesen. Reaktionsarme, besonnene und friedliebende Menschen können an dieser Stelle abbrechen.
Der Weg zum Shootout
In Dan Dan Dan hat jeder Spieler eine identische Anzahl an Karten als Stapel vor sich liegen. Reihum decken die Spieler Karten von diesem Stapel auf und legen sie in die Tischmitte. Die Karten haben eins gemeinsam: Sie zeigen 1-2 Knarren. Sie unterscheiden sich lediglich in Grifffarbe und Ausrichtung. Knarren mit schwarzem Griff sind geladen, Knarren mit weißem Griff nicht.
Es kann zu folgenden Situationen kommen:
- die Karte zeigt eine Knarre mit weißem Griff: nichts passiert.
- die Karte zeigt zwei Knarren mit schwarzen Griffen: nichts passiert.
- die Karte zeigt eine Knarre mit schwarzem Griff und evtl. eine Knarre mit weißem Griff: Es droht ein Shootout.

Wenn dann in Dan Dan Dan die Kugeln fliegen
Wenn ein Shootout droht, ist die Person, auf welche der Griff zeigt, der Schütze. Die Person, auf welche der Lauf zeigt, die Zielperson. Beide Spieler müssen nun reagieren. Der Schütze formt mit seinen Händen eine Pistolen-Geste und ruft laut “Dan!”. Die Zielperson reißt abwehrend ihre Hände hoch.
War der Schütze schneller, wird die Zielperson bestraft. War die Zielperson schneller oder beide gleich schnell, passiert nichts.
Wann und wie wird in Dan Dan Dan bestraft?

Bestraft wird man in Dan Dan Dan zum einen, wenn man als Zielperson erfolgreich erschossen wird, oder wenn man falsch reagiert, z. B. wenn man auf die falsche Person schießt. Oder fälschlicherweise schießt oder sich ergibt. Außerdem wird man bestraft, wenn man gegen die Regeln verstößt. Also die Karten falsch aufdeckt. Die bestrafte Person nimmt bis auf die oberste Karten alle Karten aus der Tischmitte. Die oberste Karte wird unter die Figur des Polizisten gelegt, damit dieser ein Auge zudrückt. Also … wegen der Schießerei.
Das Spiel endet, wenn ein Spieler seine letzte Karte ablegen kann. Dieser Spieler gewinnt Dan Dan Dan. Und storytechnisch auch die Buden der anderen Straßenhändler.
Feige Ficker und Karl Arsch
Für alle, die beim Grundspiel noch keine Hirnschmelze erleben, bietet Dan Dan Dan noch Sonderkarten. Unter anderem gibt es die Razzia, die Snack Pause und den langen Atem. Aber auch den Feigen Ficker und Karl Arsch. Diese Kartenstapel können nach Belieben mit den Karten des Grundspiels vermischt werden und weisen zusätzliche Symbole auf den Karten auf. Und diese Symbole ändern bzw. erweitern die Grundregeln.
Nehmen wir den langen Atem: Die Karten enthalten zusätzlich ein Blitzsymbol. Wird eine Karte mit einem solchen Symbol aufgedeckt, wird der letzte erfolgreich verteidigte Shootout wiederholt. Aber auch nur, wenn die entsprechende Karte noch im Kartenstapel in der Tischmitte liegt. 100 % Brainfog. Bei solchen Karten dreht sich das Hirn auf Links oder knipst sich direkt aus.
Der Feige Ficker ist hierbei schlichter. Ist auf dem Griff ein Pimmel abgebildet und Griff und Lauf zeigen auf Personen, dann kommt es zum Shootout. Egal, wie die restliche Konstellation auf der Karte aussieht.
Unser Merksatz: Der Pimmel schießt immer!

Alles aus einer Hand
Wenn man tagelang auf der Messe in Essen an den Ständen vorbei flaniert, erinnert man sich nicht immer an jeden Stand. Selbst wenn man dort etwas gespielt oder gekauft hat. Heldbergs Games ist mir aber auch nach Jahren in Erinnerung geblieben. 2022 spielten wir dort am Stand Tokyo Poo Divers mit dem poetischen Titel Die Kacketaucher von Tokyo. Das Spiel war zum Vergessen, aber die – ich nenn es mal – Produktlinie des Verlags sprang ins Auge. Jedes Spiel sah aus, als hätte man es in Pizzakartons verpackt. Hinzukamen noch die eigenwilligen Illustrationen, die – wie ich gelernt habe – inspiriert von japanischen Designs sind. Das kann man gut oder schlecht finden, aber es hebt sich vom Einheitsbrei ab und bleibt im Gedächtnis.

Dan Dan Dan macht keine Ausnahme. Das Spielmaterial ist in einer kleinen Pizzaschachtel, die 100 % aus biologisch abbaubarem Karton ist. Das gesamte Spielmaterial ist möglichst umweltfreundlich in Deutschland produziert. Und alles wird irgendwie von der Idee bis zum fertigen Produkt im eigenen Haus gemacht. Tja, irgendwie sympathisch. Das merkt man dem finalen Produkt dann auch an. Da ist schon viel Liebe in der kleinen Schachtel.
Dennoch hat man ein wenig Angst um die Spielkarten. Diese sind aus Kraftpapier, das nur darauf giert, mit Feuchtigkeit Kontakt aufzunehmen. Das hemmt ein wenig. Gerade bei Dan Dan Dan.

Ein Spiel, das geradezu nach Bierlaune schreit. So ein Ding für das Sommerfestival, welches man morgens mit wenig Schlaf in den Knochen beim Frühstücksbier mit tauben Kopf zum Wachwerden drescht.
Aber ich befürchte, dass es das nicht überleben wird. Und dafür ist es dann nicht nur zu schade, sondern auch zu teuer. Und die Karten zu sleeven … passt irgendwie nicht zur Philosophie hinter dem Produkt.
Komm zum Punkt, Sabbelkopp!

Bleiben wir beim Spielspaß. Wenn man solche Reaktionsspiele mag wie die zu Beginn genannten. Und wenn man skurrile Geschichten mag. Und über sich und die anderen am Tisch lachen kann, dann ist Dan Dan Dan eine klare Empfehlung. Nur mit einem Herrengedeck im Leib hatten wir schon ordentlich Knoten in Hand und Hirn. Und zahlreiche witzige Situationen, bei denen wir lachend über der Reling hingen. Wie häufig irgendwer “Peng”, “Dan” oder einfach nur “Ängööäär” schrie und dabei wild durch die Gegend ballerte, ohne dass wirklich ein Grund dafür vorliegt, ist schon erschreckend. Genauso wie der eigene Kryoschlaf, wenn das Gehirn nach einigen Runden versucht, die “Karten zu lesen”. Besonders wenn männliche Genitalien zugemischt werden. Das Ding macht einfach Laune, sorgt aber bei längerer Spieldauer wirklich für Kopfschmerzen. Trotz der Nebenwirkungen wird es bleiben und ich bin gespannt, wie es sich in anderen Runden bewährt. Bis dahin: Dan Dan Dan!!!!
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