Krimi- und Rätselspiele haben mich schon immer fasziniert. Und eine besondere Vorliebe habe ich für die Art von Krimispielen, bei der jede Menge Material vorhanden ist und irgendwie geordnet und in Zusammenhang gebracht werden muss. Wenn es gut läuft, jagt ein AHA!-Moment den nächsten. Und unsere freitägliche Ermittlungsgruppe sieht das ganz genauso. Feuerfest, aus dem Gmeiner Verlag, von Mona Dengler und Tobias Kühnlein, ist der zweite Kriminalfall aus der Reihe Dark Cases und genau so ein kooperatives Ermittlungsspiel. Also: Bleistift gespitzt, Lupe poliert, Schachtel auf – los geht’s.
Dark Cases: Feuerfest – 30 Hinweise und ein Auftrag
Kurz nach dem Öffnen der kleinen Spielbox liegen 30 Papierstücke in allen möglichen Größen auf dem Spieltisch. Protokolle, Flyer, Ortskarten, eine Tageszeitung vom fiktiven Ort Hagenbeck und so einiges mehr. Die Hintergrundgeschichte wird digital mitgeliefert. Als erfahrenes Ermittlerteam werden wir gebeten, uns dem Fall anzunehmen und durch unsere überragenden Kompetenzen (ganz genau!) möglichst zügig Licht in diesen verworrenen Fall zu bringen. Also machen wir uns an die „Arbeit“, stellen uns die Indizien gegenseitig vor und spinnen Theorien, bis wir die ersten Verknüpfungen machen können und die Fragezeichen in unseren Köpfen langsam weichen. Leider wird ein recht großes auch nach der Auflösung noch bleiben, aber dazu später mehr.
Analoge und digitale Spuren
Das Material ist realistisch gestaltet. Es macht Spaß, sich hier einzuarbeiten und auf kleinste Hinweise zu achten. Einige Poster, zum Beispiel mit den Verdächtigen, können am Spieltisch aufgehängt werden, das sorgt für Atmosphäre und einen guten Überblick. Außerdem werden unsere Ermittlungen digital ergänzt, hier finden sich neben der Einführung auch weitere Indizien. Wenn man zum Beispiel die passende PIN auftreibt, erhält man dort Zugriff auf das Handy der Verschwundenen.
Die Spielgruppe sollte idealerweise am Tisch über einen Laptop verfügen, denn so lassen sich diese internen Dokumente erheblich besser inspizieren.

Tatort Hagenbeck
Die Story von Dark Cases: Feuerfest wirkt wie eine klassische Tatort-Folge aus der bayerischen Provinz. Bürgermeisterin Barbara Christ-Kümmersbeck soll beim jährlichen Johannisfeuer des örtlichen Burschenvereins ein Grußwort halten. Das Feuer lodert, doch Christ-Kümmersbeck taucht nicht auf. Stattdessen brennt fast zeitgleich einige Kilometer weiter eine Scheune ab und es wird eine Leiche gefunden – allerdings eine männliche. Was ist hier passiert und wo liegt der Zusammenhang? Die Verdächtigen sind herrlich klischeehaft: Ein lokaler Politiker, eine Aktivistin, ein Landwirt, ein Bauunternehmer und einige weitere zwielichtige Bewohner der Kleinstadt bringen allesamt mögliche Motive mit.
Der Schwierigkeitsgrad von Dark Cases: Feuerfest ist eher mittel. Mit einer einfachen Übersicht „Person – Motiv – Gelegenheit“ lässt sich – wie bei den meisten Krimispielen – das Personengeflecht entwirren. An einer Stelle stockten wir länger, aber auf der schön gestalteten Homepage von Hagenbeck konnte ein entscheidender Hinweis gefunden werden, der unsere Ermittlungsgruppe wieder auf den richtigen Weg brachte.
Dark Cases: Feuerfest – wenn das Motiv wackelt
Es fällt schwer, hier Kritik am Spiel zu üben, ohne zu spoilern. Aber wir hatten Probleme mit dem Motiv, weil es unserer Meinung nach etwas ungenau ist. In der Auflösungs-Audio war dann auch noch genau zu diesem Punkt zu hören „Hinterfragen Sie das nicht, das ist so!“. Im ersten Moment ein versöhnlicher Lacher, aber im schlimmsten Fall geht das Spiel hier das Risiko ein, dass ein Ermittlungsteam durch ein ungenaues Motiv nicht zur Lösung gelangt, weil der Fall, hart ausgedrückt, logisch inkonsistent ist. Es gibt allerdings zu jeder Spielsituation zusätzliche Hinweise, die online auf der Spielseite abgerufen werden können. So steckt keine Ermittlungsgruppe dauerhaft fest.
Für mich ist bei Krimigames der gemeinsame Weg das Ziel, und wir hatten insbesondere durch das stimmige Material eine gute Zeit.
Es gab aber auch Mitglieder unseres Ermittlungsteams, die mit der Auflösung, in der auch noch einige merkwürdige Zufälle eine Rolle spielen, eher unzufrieden waren. Unterm Strich bleibt „Feuerfest“ ein atmosphärisches Ermittlungsabenteuer, das vor allem vom Material und dem gemeinsamen Tüfteln lebt. Wer Freude daran hat, Dokumente zu durchforsten, Zusammenhänge zu diskutieren und am Tisch Theorien zu spinnen, wird hier viele schöne Momente erleben. Nicht jede Wendung wirkt völlig wasserdicht, aber für mich überwiegt das, was solche Spiele eigentlich ausmacht: Das gemeinsame Grübeln, die kleinen Entdeckungen und das Gefühl, als Team Stück für Stück Ordnung ins Chaos zu bringen. Dark Cases: Feuerfest bietet einen unterhaltsamen Abend für Ermittlungsgruppen, die genau diese Art von kooperativer Detektivarbeit lieben.
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1 Kommentar
Hallo Kevin! Vielen Dank für das positive Review. Dass du dich am Motiv gestört hast, ist natürlich schade – wir haben versucht, das Ganze so schlüssig und nachvollziehbar, wie möglich zu machen. Unser „Hinterfragen Sie das nicht!“ war eher augenzwinkernd gedacht. Ob die betreffende Person am Ende auf diese Weise wirklich ihr Ziel erreicht hätte, steht auf einem anderen Blatt 😉 Dennoch: Danke für den schönen Text