Dewan war nicht nur einer der Geheimtipps der SPIEL 2025 in Essen, sondern wurde auch immer mal wieder als möglicher Nominee für das Spiel des Jahres 2026 genannt. Das Spiel von Johannes Goupy und Yoann Levet (Space Cowboys) wurde dann allerdings doch nicht bedacht, obwohl es neben der wie immer schönen Space-Cowboys-Optik auch spielerisch einiges mitbringt, was für eine Nominierung gesprochen hätte. Außer die fade Hintergrundgeschichte.
Die fade Hintergrundgeschichte
In Dewan spielt jeder ein Volk, das aufgrund von Ressourcenknappheit im eigenen Lande aufbricht zu neuen Ufern, Wäldern, Gebirgen und Wüsten, um sich dort niederzulassen und neue Gefilde zu erschließen. Da nicht nur das eigene Volk, sondern auch andere Völker auf diese brillante Idee gekommen sind, kracht es dann schon mal an der einen oder anderen Stelle. Tausendmal gehört, tausendmal gespielt, tut nicht weh, heimst sich aber auch keinen Preis für das originellste Thema ein.

Area Control für die Familie
Dewan ist nicht nur ein klassisches Familienspiel, sondern auch ein klassisches Area-Control-Spiel. Auf einer Landschaft bestehend aus zahlreichen sechseckigen Feldern platzieren wir dabei Runde für Runde neue Lager, um Vorgaben der eigenen Zielplättchen zu erfüllen. Die imaginäre Bewegung unseres Volkes erfolgt dabei über Landschaftskarten, die ich für jeden Schritt beginnend beim Startfeld bis hin zum Zielfeld ausgeben muss. Die Karten müssen dabei mit den Feldern, die ich in meinem Zug nutze, übereinstimmen. Das ist die eine Aktion, die ich in meinem Zug vornehmen kann: Karten ausspielen, Lager platzieren.
Bei der anderen Aktion wähle ich zwei benachbarte Landschaftskarten aus der offenen Auslage und nehme sie auf meine Hand. That’s it.
Platziere ich ein Lager, schalte ich damit immer einen “Bonus” frei. Entweder darf ich ein weiteres Zielplättchen ziehen oder eine meiner Handkarten unter mein Spielertableau schieben. Die darauf abgebildete Landschaft darf ich nun ebenfalls zum Erfüllen meiner Zielplättchen nutzen.

Eine gut gewürzte Spielerfahrung
Die Würze bekommt Dewan dadurch, dass die Landschaft recht klein ist und sich die Spieler über kurz oder lang in die Quere kommen. Es passiert schnell, dass ein Mitspieler ein Lager auf einem Feld platziert, das wichtig für das Erfüllen der eigenen Ziele ist. Das kann man durch das zuvor erwähnte Schieben von Handkarten unter das Spielertableau ausgleichen, braucht dafür aber die passenden Karten. Hier ist wie im gesamten Spiel Timing gefragt: Wann ziehe ich Karten auf die Hand und wann mache ich mich auf die Reise.
Überhaupt verlangt Dewan einem einiges an Planung ab, denn eine Partie ist immer ein schnelles Rennen darum, wer zuerst alle seine Lager platziert und dabei möglichst auch noch seine Ziele erfüllt. Will man die Nase vorne haben, sollte man weder Karten noch Züge unnötig verschwenden. Nach neun Lagern ist nämlich Schluss. Boni durch Beeren und Feuer sind auch nicht zu verachten und häufig am Ende der Partie das Element, das über Sieg und Niederlage entscheidet.
Die Wertung bei Dewan ist recht einfach. Es gibt
- Punkte für das Erfüllen von Zielplättchen,
- Punkte für Feuersymbole und 4 Zusatzpunkte, wenn man die meisten hat,
- 4 Punkte pro Gruppe aus mindestens zwei zusammenhängenden eigenen Lagern,
- 2 Punkte pro Beere.
Es gewinnt wie immer der Spieler mit den meisten Punkten.
Augen- und Fingerschmaus
Das Material ist, wie von Space Cowboys gewohnt, hübsch anzusehen und hochwertig. Die Pappe, aus denen die Elemente der Spiellandschaft sind, ist dick und stabil. Anleitung und Symbole verständlich. Auf den Spielertableaus verrutscht nichts. Und auch im Karton bleibt dank Inlay alles an seinem Platz. Familien können das Spiel täglich durchknüppeln, ohne dass das Spielmaterial nach ein paar Wochen wie aus dem nassen Keller hervorgezaubert ausschaut.

Der Spieler mit der Spielfarbe Orange hat zwei Zielplättchen in seiner Auslage, wovon er aber bisher noch keins erfüllen konnte. Dies ist wenig verwunderlich, da er neben seinem Startlager bisher nur zwei Lager gebaut hat.
Wem das Grundspiel irgendwann zu langweilig wird, kann sich auch an der Teamvariante oder den Szenarien versuchen. Diese bringen zusätzliche Elemente wie Flut und Lava ins Spiel, die die Landschaft während einer Partie verändern.
Ein als Cozy Game getarntes Taktikmonster
Dewan weiß durchaus zu gefallen. Die Regeln sind überschaubar und auch für Gelegenheitsspieler schnell zu verstehen. Dennoch fordert Dewan einen, denn man kann sich nicht ausschließlich auf seine eigenen Spielzüge fokussieren, sondern muss auch die Taten seiner Mitspieler im Auge behalten und bestenfalls antizipieren.
Hinzu kommt die Geschwindigkeit des Spiels. Spieler, die aus ihren Zügen alles herausholen und Karten und Ziele optimal abstimmen, führen das Spiel dann zu einem Ende, wenn ungeübte oder unkonzentrierte Spieler einen Teil ihrer Ziele noch nicht erfüllt haben. Und auch die Boni aus dem Blick verlieren. Das kann schon frustrieren.

Dabei sieht Dewan durch seine farbenfrohe Optik nach einem Cozy Spiel aus. Aber unter dem bunten Treiben verbirgt sich dann doch ein kleines Taktikmonster, dass durchaus auch Vielspieler für einige Partien an den Tisch fesseln kann. Zumal eine Partie Dewan mit einer durchschnittlichen Spielzeit von einer halben Stunde kein Zeitfresser ist. Da lässt man gerne eine zweite oder dritte Partie folgen. Dass das Spiel dabei gerne mit Zug um Zug aufgrund des Kartenmechanismus verglichen wird, halte ich übrigens für Blödsinn. Denn mehr haben beide Spiele nicht gemeinsam.
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