Spiele für zwei sind so beliebt, dass manche Verlage eigene Zwei-Spieler-Reihen haben. Natürlich ist nicht jedes Spiel für zwei gleich ein Duellspiel. Bei Duell um Cardia (Hans im Glück) von Mathieu Rivero und Faouzi Boughida gehen wir aber – wie der Name schon verrät – in die direkte Konfrontation. Und das viele Male nacheinander. Wir kämpfen um Cardia, eine magische Stadt, die von einem mächtigen Djinn erschaffen wurde. Dafür müssen wir die vier Fraktionen gezielt einsetzen und ihre Siegelringe sammeln. Nachdem wir bereits einen Ersteindruck zu Duell um Cardia veröffentlicht haben, hier die Rezension.
Karte gegen Karte: So funktioniert Duell um Cardia
Vom identischen Kartendeck bekommen wir jeweils fünf Handkarten und spielen gleichzeitig eine davon. Nach dem Aufdecken vergleichen wir den Zahlenwert: Der höhere bringt einen Siegelring ein.
Und wenn mein Zahlenwert niedriger ist? Dann bekomme ich sozusagen einen Trostpreis: Ich darf die Fähigkeit meiner Karte aktivieren. Das löst Aktionen aus und kann u. U. auch den Wert einer bestimmten Karte erhöhen oder verringern. Danach prüfen wir, ob sich etwas verändert hat: Falls jetzt mein Zahlenwert der höhere sein sollte, bekomme ich den Siegelring.
Wer zuerst fünf Siegelringe hat, gewinnt das Kartenspiel.
Dynamisches Duell um Cardia: Gezielt verlieren?

Klingt simpel? Ist es auch. Na ja, zumindest auf den ersten Blick. Regeltechnisch ist Duell um Cardia recht zugänglich. Es taktisch zu meistern, ist eine ganz andere Sache … Dabei lebt es von der direkten Konfrontation der jeweiligen Kartenpaare. Das erinnert ein wenig an Kampf um den Olymp, wo sich gegenüberliegende Karten ebenfalls duellieren.
Duell um Cardia lebt aber auch davon, dass sich durch die Fähigkeiten jederzeit alles wieder ändern kann. Das bringt viel Dynamik ins Spiel. Ein besonderer Kniff ist dabei, dass die Fähigkeiten der Karten umso mächtiger sind, je höher der Zahlenwert ist. Ich bin also stets am Abwägen: Setze ich bei dieser Karte den Fokus darauf, direkt ein Siegel zu bekommen? Oder will ich vielleicht gerade die Fähigkeit auslösen? Und wenn ja, wie schaffe ich es, dass mein Gegenüber möglichst eine höhere Karte legt, damit das überhaupt klappt?
So manches Mal entsteht das Paradoxon, dass ich das Einzelkarten-Duell tatsächlich verlieren will. Die hohe Kunst ist es, meine Züge so zu planen, dass passende Kombinationen entstehen. Teils beeinflusst eine Fähigkeit eine vorige oder die nächste Karte. Im Idealfall bringt das dann den gewünschten Effekt in der Auslage und so den nächsten Siegelring.
Wenn ich denke, dass du denkst …

Je nach Situation können die Fähigkeiten mächtiger oder zumindest zielführender sein als der reine Zahlenwert. Hier mal ein Extrembeispiel: Verliert die Karte 16 im direkten Duell (greift also ihre Fähigkeit), gewinne ich sofort – und zwar das Gesamtspiel, nicht die Kartenkonfrontation. Damit das klappt, braucht es aber entweder sehr viel Glück oder entsprechende Vorausplanung. Dabei muss ich auch immer die gegnerischen Züge im Blick behalten und möglichst vorausahnen, was mein Gegenüber vorhat. Bei einer Karte, die den Zahlenwert der kommenden Karte senkt, überlege ich also gleich, was wohl dahintersteht. Wir taktieren viel. Ahne ich, dass mein Gegenüber meine Pläne durchschaut, versuche ich vielleicht, noch umzuschwenken. Und umgekehrt. Die Spielatmosphäre ist daher auch geprägt von einem „Wenn ich denke, dass du denkst …“-Gefühl.
Das kann übrigens durchaus dazu führen, dass beide gleichzeitig ein- und dieselbe Karte spielen. Bei einem solchen Patt bekommt zunächst niemand einen Siegelring, was aber nicht heißt, dass das auf Dauer so bleibt. Schließlich gibt es genug Möglichkeiten, zurückliegende Karten nachträglich noch zu verändern. Und schwupps, schon gewinnt oder verliert eine dieser Karten doch noch.
Varianz und Schwierigkeitsgrad bei Duell um Cardia
Bei nur 16 Karten im Deck könnte man meinen, dass der Spielreiz schnell erschöpft ist und eine gewisse Wiederholung eintritt. Das ist bei Duell um Cardia aber kaum der Fall, da wir die Handkarten ja in immer neuer Reihenfolge bekommen. Haben wir das Deck für uns zufriedenstellend gemeistert, können wir uns außerdem an das zweite Deck machen, das sich nochmals ein klein wenig anders (und schwieriger) spielt als das Erste. Und dann gibt es da noch die Zusatzkarten mit den Schauplätzen. Damit können wir je Partie eine (oder sogar mehrere) Zusatzregeln hinzunehmen. Für Varianz ist also gesorgt.
Das Ganze ist modular aufgebaut, sodass wir den Schwierigkeitsgrad individuell festlegen und uns mit der Zeit steigern können (die Decks und die Schauplätze haben eine Markierung, wie schwierig sie sind). Kombinieren lässt sich fast alles: Deck I, Deck II, Schauplätze … sogar die beiden Decks lassen sich mischen.

Ein Duell zu viert spielen?
Auch die Spielerzahl kann variieren: Auf der Schachtel findet sich der Hinweis „Auch zu viert spielbar“. Wie genau das von statten gehen soll, kommt in der Anleitung selbst aber leider nicht vor. Es gibt nur einen Verweis auf die Homepage von Hans im Glück. Dort findet sich eine separate Anleitung dafür. Genau genommen zwei.
Fans von TCGs (Trading Card Games) wie Magic the Gathering oder Lorcana ahnen es vielleicht schon: Beim Spiel zu viert handelt es sich um die Turniervariante. Dabei spiele ich zweimal gegen jeden, und am Schluss wird ein Gesamtsieg ermittelt. Wir spielen also weiterhin nur zu zweit direkt gegeneinander, nicht alle vier gemeinsam in einer Runde.
Anders ist das bei der Teamvariante. Hier spielen wir ebenfalls zu viert, aber immer in Zweierteams gegeneinander. Das ergibt immer noch ein anderes Spielgefühl als bei einem Spiel, das wir zu dritt oder viert alle gegeneinander spielen, aber wir spielen alle gemeinsam und gleichzeitig dieselbe Partie. Für alle, die Duellkartenspiele mögen und gern in größeren Runden spielen, durchaus einen näheren Blick wert.
Duell um Cardia: Erfahrung hilft

Dadurch, dass wir beide dasselbe Kartendeck haben, weiß ich immer, was für Karten mein Gegenüber hat. Theoretisch. Denn natürlich weiß ich nicht, wann mein Gegenüber welche Karten auf der Hand hat. Eine unbekannte Variable bleibt also. Je besser ich das Spiel kenne, desto eher habe ich Vorteile. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass die Karte mit der Nummer 1 einfach beide Karten eliminiert (ohne dass jemand einen Siegelring bekommt), kann ich mit dem Spielen einer mir wichtigen Karte warten, bis mein Gegenüber die 1 gespielt hat. Im Idealfall sollten daher beide Spielende in etwa denselben Wissens- und Erfahrungsstand zu Duell um Cardia haben. Wie auch bei anderen textlastigen Kartenspielen wie Fantastische Reiche haben Neulinge, die das Deck erst noch kennenlernen müssen, einen gewissen Nachteil.
Und sonst so …
Die Anleitung unterstützt sehr gut dabei, das Spiel und die Karten kennenzulernen. Nach etwa der Hälfte findet sich der Vermerk, dass wir nun losspielen können – was sich in unseren Testrunden so bestätigt hat. In der zweiten Hälfte der Anleitung lassen sich dann im Spielverlauf Details und später auch die Varianten (Schauplätze, Deck II) nachlesen. Besonders hilfreich fanden wir die Liste mit den Schlüsselwörtern, die wir zu Beginn viel bemüht haben. Wermutstropfen ist bei der Anleitung eigentlich lediglich, dass es die Varianten für das Spiel zu viert nur online gibt.
Die Karten sind atmosphärisch illustriert und könnten eine fantastische Welt wie die von Cardia wunderbar unterstützen. Redaktionelles Manko ist aber leider die zugehörige Story, die wenig überzeugt. Was der Abenteurer, der einst den Djinn rettete, damit zu tun hat, dass wir jetzt, offenbar sehr viel später, die Herrschaft über Cardia gewinnen möchten, bleibt unklar (abgesehen davon, dass eine der Fraktionen aus seinen Nachfahren besteht). Hier wären mehr Verknüpfungen schön gewesen. So ergeben die typischen Fantasy-Stichworte (wie Legende, Djinn und Fraktionen) nur eine aufgesetzte, eher vage Hintergrundgeschichte. So oder so braucht es die Geschichte für das Spiel aber auch nicht.
Trotz Kartenauslage ist nicht allzu viel Platz nötig, um Duell um Cardia zu spielen. Erwähnenswert ist außerdem die kleine passgenaue Schachtel, die es zu einem wunderbaren Reisespiel macht (auch wenn sie sogar noch etwas kleiner hätte sein können).
Duell um Cardia – klein, aber oho

Duell um Cardia ist ein kurzweiliges Kartenspiel, bei dem richtiges Duell-Feeling aufkommt. Eines, das vom direkten Schlagabtausch, schnellen taktischen Entscheidungen und der dynamischen Atmosphäre lebt. Durch den modularen Aufbau mit den kleinen Zusatzelementen (Schauplätze und zweites Deck) entsteht viel Varianz. In Kombination damit, dass sich auch der Schwierigkeitsgrad individuell anpassen lässt, sorgt das für einen hohen Wiederspielreiz. Ein Spiel für zwischendurch, das sich aber auch genauso für ganze Duellabende eignet.

1 Kommentar
Gefühlt fliegt Duell um Cardia seit seiner Veröffentlichung unter dem Radar der Spielewelt. Was ich schade finde. Ich mag es es.