Einfach Genial – Kartenspiel

eine Spielerezension von Michael Weber - 20.09.2022
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Einfach Genial – Kartenspiel - Ausschnitt - Foto von Kosmos
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Reiner Knizia ist der Inbegriff für Gesellschaftsspiele mit einer besonderen Wertung. Eines seiner erfolgreichen Spiele ist Einfach Genial. Dabei geht es darum, doppelte Sechseckplättchen auf den Plan zu bringen. Je mehr gleiche Symbole an der Legestelle schon vorhanden sind, umso mehr Punkte gibt es. Dieses Grundprinzip ist auch bei Einfach Genial – Das raffinierte Kartenspiel von Kosmos vorhanden. Allerdings ist die Umsetzung etwas anders. Das gilt auch für die Siegbedingung, die sich geringfügig vom Original unterscheidet. Ein Grund, sich das Kartenspiel zum Brettspiel einmal anzusehen.

Einfach Genial – Kartenspiel: die Unterschiede zum Original

Vorweg gibt es zwei wesentliche Unterschiede zum bekannten Brettspiel, das in abgewandelter Form auch als Axio erschienen ist. Diese kleinen Abweichungen beim Kartenspiel haben einen durchaus relevanten Effekt auf den Ablauf und den Spaß. Kenner von Einfach Genial wissen, mit diesen Unterschieden etwas anzufangen:

  1. Punkte gibt es für ausgespielte Symbole in Höhe der Anzahl bereits auf dem Tisch ausliegender gleicher Symbole.
  2. Die Wertungsleisten gehen nur bis zur 10. Sie sind in vier Bereiche eingeteilt. Ein Wertungsfortschritt in den nächsten Bereich ist nur dann möglich, wenn alle Steine im gleichen Abschnitt liegen. Für den Sieg reicht es zudem aus, mit allen Steinen den letzten Bereich zu erreichen.

So funktioniert das Spiel

Anders als beim Brettspiel erhalten hier anfangs alle sechs Karten verdeckt auf die Hand. Jede Karte zeigt zwei Symbole. Insgesamt gibt es sechs davon, die sich in Form (und zum besseren Erkennen auch in der Farbe) unterscheiden. Danach erhalten alle noch eine Karte offen vor sich auf den Tisch. Alle haben zudem ein Wertungstablaeu mit einer Reihe für jedes Symbol. Die Wertung reicht von 0 – 10. Anfangs stehen alle Wertungssteine auf der 0. Die Bereichslinien liegen nach der 3 und nach der 7.

Wer an der Reihe ist, spielt eine der eigenen Handkarten mit den beiden Symbolen aus. Nun gilt es: Alle bereits liegenden Symbole der gleichen Art zählen je einen Punkt. Folglich rücken im Normalfall zwei eigene Wertungssteine voran. Die ausgespielte Karte ersetzt dann die bereits zuvor liegende, die wiederum auf den Ablagestapel kommt. Eine Karte wird nachgezogen und schon ist die nächste Person an der Reihe.

Das Timing ist wichtiger

Soweit erinnert das an das Original. Allerdings ist das Ausspielen der Karten deutlich stärker vom perfekten Timing abhängig. Lassen sich auf dem Brett Kombos vorbereiten und viele Punkte einsacken, muss bei diesem Kartenspiel die Auslage unbedingt passen. Häufig lässt sich nur ein Punkt pro Symbol holen. Wer Glück hat, kassiert von jeder ausliegenden Karte einen Punkt. Das schränkt etwas ein und erschwert das Ausbremsen von Gegnern.

Die Sache mit der Wertung

Auf die Wertung hat das zudem einen weiteren Effekt. Denn die Regeln verlangen, dass ein neuer Wertungsbereich auf dem Tableau überhaupt nur dann erreicht werden darf, wenn alle anderen Steine im Bereich vor diesem stehen.

Ein Wegpreschen nach vorn mit einzelnen Symbolen ist damit ausgeschlossen. Das hält die Konkurrenz etwas zusammen, beschränkt aber auch das eigene Vorankommen. Denn wer Kartenpech hat, kommt einfach nicht mit den letzten Steinen über die Linie, um alle anderen Steine bereits in den nächsten Bereich ziehen zu dürfen. Wenn es mal richtig eng wird, hilft es nur, zu passen und alle Karten auszutauschen. Das wiederum kostet einen wertvollen Zug, was sich bei dieser recht kompakten Version negativ in der Punkteausbeute bemerkbar machen kann.

Kritik und Lob für Einfach Genial – Kartenspiel

Ich bin zwiegespalten. Diesem Kartenspiel fehlen der haptische Reiz des Materials und die taktischen Komponenten, sich Symbolreihen vorzubereiten und zugleich anderen das Anlegen zu erschweren.

Der Ablauf ist schneller und noch einfacher, aber zugleich wirkt er willkürlicher. Zwar konnte das Brettspiel ebenfalls nervtötend sein, wenn das unbedingt benötigte Symbol einfach nicht in die eigene Auslage kam. Aber beim Kartenspiel haben nicht gezogene Symbole eine viel gravierende Auswirkung. Denn der Fortschritt aller Symbole ist derweil gestoppt.

Der andere Ansatz mit der Wertung ist allerdings interessant. Es reicht nicht mehr aus, die letzten Steine voranzubringen. Hier müssen alle Symbole möglichst weit nach vorn auf dem Tableau. Denn die Siegbedingung lautet: Wer zuerst mit allen Steinen den letzten Wertungsbereich erreicht, gewinnt.

Einfach Genial – Kartenspiel - Schachtel - Foto von Kosmos

Ich fühlte mich insgesamt eher gespielt, als dass ich trotz der Auswahl von sechs Karten wirklich ein aktives Gestalten der Punkteausbeute erfuhr. Das war beim Brettspiel anders. Allerdings gab es Mitspielerinnen und Mitspieler, die genau das schöner und eleganter fanden. Durch die Entscheidung der besten Option aus sechs Karten hatten diese Leute mehr Spaß am Kartenspiel.

Letztlich bietet Einfach Genial – Kartenspiel eine etwas kompakte Version des Brettspiels, die mit leichten Regeländerungen aufwartet. Wer unterwegs ein ähnliches Spielerlebnis haben möchte oder auf den Preis achten muss, greift zu dieser Ausgabe. Alle anderen sind mit dem Original besser bedient.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2022
Spielkategorisierung
Fotos
Einfach Genial – Kartenspiel - Schachtel - Foto von Kosmos

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