Exit – Das Spiel: Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde

eine Spielerezension von Michael Weber - 07.03.2022
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Exit – Das Spiel: Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde - Ausschnitt - Foto von Kosmos
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Exit – Das Spiel steht sinnbildlich für die wahre Flut der Escape-Room-Spiele. In den letzten Jahren sind davon Dutzende erschienen. Allein die Exit-Reihe hat eine unglaubliche Zahl von Titeln hervorgebracht. Nebenbei ist das Konzept von Inka und Markus Brand das wohl erfolgreichste System in Deutschland und für den Verlag Kosmos eine Umsatzmaschine. Der Titel Exit – Das Spiel: Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde bietet also erstklassige Voraussetzungen für ein tolles Vergnügen. Die Kombination der Rätselmechanismen mit der Story von Der Herr der Ringe lässt die Erwartungen zwangsläufig hochkochen. Das Ergebnis ist allerdings ernüchternd.

Das Setting: Fantasy-Roman trifft auf Rätsel

Leider kann diese Ausgabe gleich zwei Dinge nicht. Sie überzeugt mich weder als Fantasy-Fan noch als Escape-Room-Spieler.

Denn das Potenzial dieser Kombination wird nicht annähernd ausgeschöpft. Im Gegenteil: Die Rätselaufgaben bleiben hinter vielen Titeln der Reihe zurück, die thematische Einbettung ist zwar gegeben, verkommt aber zum schmucklosen Beiwerk. Die Story hetzt durch den Roman, ohne Wert auf Stimmung und Faszination für Mittelerde zu setzen.

Worum geht es bei dieser Ausgabe?

Escape-Room-Spiele bedeuten, dass die Gruppe – hier 1 – 4 Personen ab 10 Jahren – gemeinsam In eine ausweglose Situation verfrachtet wird. Alle müssen sich gemeinsam aus diesem Schlamassel befreien und dazu Rätsel lösen, Aufgaben erfüllen und letztlich Zahlencodes finden. Die Codes sind das Tor zu weiteren Aufgaben, bis irgendwann die Freiheit winkt.

Bei Exit – Das Spiel: Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde bedeutet das leider keinen Adrenalinschub. Die Gruppe übernimmt die Aufgabe, als Hobbits durch die Lande zu ziehen und mehr oder weniger obskure Aufträge für Gandalf zu erfüllen. Ziel ist es, der Ringgemeinschaft Zeit zu verschaffen, um den Einen in den Feuern von Mount Doom zu vernichten.

Exit – Das Spiel: Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde - Material - Foto von Kosmos

Die Rätsel: banal und manchmal fast unlösbar

Okay, es ist eine Ausgabe, die sich an Einsteiger richtet. Aber dennoch: Die Rätsel sind überwiegend sehr leicht. Mal werden die Leuchtfeuer aufgestellt, mal müssen die Bruchstücke von Narsil zusammengefügt werden. So geht es im Galopp vom Auenland nach Bree, nach Bruchtal, über Rohans Weiten bis zu Kankras Lauer. Streicher und Gollum tauchen als Figuren ebenfalls auf.

Das ist rätseltechnisch alles andere als eine Kopfnuss, sondern lässt sich sogar durch herumprobieren lösen. Schwieriger sind zwei andere Rätsel, die ich hier nicht näher nenne. Das eine ist aus meiner Sicht gerade noch mit einem Geistesblitz zu lösen, das andere ist schon arg an den Haaren herbeigezogen. Da dürften selbst hartgesottene Escape-Room-Fans graue Haare bekommen.

Die Hilfe ist nahe!

Wie bei allen Exit-Spielen hat die Gruppe die Möglichkeit, Hilfekarten zu nutzen. Das hat den Vorteil, auf den richtigen Denkweg zur Lösung einzelner Aufgaben zurückzukommen. Warum neben Gandalf ausgerechnet Saruman einige Tipps gibt, erschließt sich mir nicht. Aber gut. Wer also Unterstützung braucht, findet diese in dreistufigen Hilfen pro Aufgabe. Wobei die letzte Stufe die Lösung ist, sollte die Gruppe komplett versagen.

Die Codes und die Scheibe

Wie immer sind bei allen Aufgaben dreiteilige Codes zu finden. Durch die Lösungen und Hinweise ergeben sich so Kombinationen, die auf einer Decodierscheibe einzustellen sind. Ob die Lösung stimmt, gibt eine Lösungskarte an. Diese wird beim Einstellen des Codes auf der Scheibe sichtbar. Damit schließt sich der Kreis, denn dieses Prinzip ist seit der ersten Ausgabe der Reihe unverändert.

Es geht besser!

Bei aller Kritik: Natürlich bietet Exit – Das Spiel: Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde gute Unterhaltung. Speziell Einsteiger finden hier eine Ausgabe, die Sie behutsam an beide Welten heranführt.

Aber ein Teil der Aufgaben ist eben auch eher durch Zufall als durch Logik zu lösen.

Dennoch fehlt dieser Ausgabe eigentlich alles, was ein modernes, gutes Escape-Room-Spiel ausmacht. Es fehlen frische Ideen, es mangelt an Aha-Momenten und die Geschichte verläuft recht gradlinig durch Mittelerde. Immerhin sind die Aufgaben mit der Geschichte verknüpft, sodass der Roman hier nicht nur als Schriftzug auf der Packung zu finden ist. Das ist aber zu wenig. Ausgaben wie Exit – Das Spiel: Die Burg oder die Konkurrenztitel von Unlock, Deckscape, Escape Room – Das Spiel und Trapped bieten deutlich mehr Escape-Gefühl.

Exit – Das Spiel: Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde - Schachtel - Foto von Kosmos

Leider nur nett

Bei dieser Ausgabe fehlt einfach der Druck, sich aus einer ausweglosen Situation befreien zu müssen.

Es fehlt der Nervenkitzel, der gerade zum Mittelerde-Thema gut passen würde. Die Abläufe wirken geradezu klinisch und leider altbacken. Schade, das geht besser. Dennoch ist die Hatz durch Mittelerde eine gute Stunde lang ein netter Zeitvertreib. Nett reicht aber heute bei dieser Art von Gesellschaftsspielen einfach nicht mehr. Da hilft auch das Übersetzungskärtchen nicht, mit dem sich Texte aus dem Abenteuer aus dem „Kryptischen“ ins Deutsche übersetzen lassen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45-90
Jahrgang: 
2022
Spielkategorisierung
Fotos
Exit – Das Spiel: Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde - Schachtel - Foto von Kosmos
Exit – Das Spiel: Der Herr der Ringe – Schatten über Mittelerde - Material - Foto von Kosmos

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