Zum Glück hat die Solidaritätsmanie für potenziell schützenswerte Subjekte Haustiere noch nicht wirklich auf dem Radar. Exploding Kittens hätte es sonst wohl schwer, zu überleben. Das etwas skurrile Kartenspiel stünde wohl längst auf dem Index. Und das im Sommer 2025 erschienen Brettspiel gäbe es gleich gar nicht. So aber können sich Fans (und solche, die es werden wollen) zum 10-jährigen Jubiläum des Kartenspiels über eine neue Variante freuen, die spieltechnisch und vor allem thematisch eng mit diesem verbunden ist.
So wird Exploding Kittens: Das Brettspiel gespielt
Bei Exploding Kittens: Das Brettspiel geht es (für 2-6 Spieler ab sieben Jahren) über einen recht kurzen Parcours vom Katzenklo (Start) bis zum Medaillenfeld (Ziel). In seinem Zug darf man zunächst Handkarten ausspielen, die sich häufig auf die nach der Kartenphase folgende Bewegungsphase beziehen. Dann nämlich zieht man eine Bewegungsscheibe, die angibt, wie weit man ziehen muss. Das Zielfeld zeigt auch, wie viele Karten man nachziehen darf. Nicht landen möchte man hingegen auf Explosionsfeldern, die einen auf den letzten Platz oder sogar bis zum Katzenklo zurückwerfen.

Mit der Zeit kommen in den Bewegungsscheibenstapel Gefahrmagnetscheiben, die einen automatisch zum nächsten Explosionsfeld ziehen. Diese will man nicht haben, weil sie einen zurückwerfen. Gut bedient ist daher, wer Karten hat, bei denen man gar keine Bewegungsscheibe ziehen muss. Vor allem dann, wenn man weiß oder ahnt, was kommt. Letztlich will man aber weiterkommen, weshalb stehenbleiben keine Daueroption ist. Also Augen zu und durch.

Erwischt es einen doch auf einem Explosionsfeld, scheidet man, anders als beim Kartenspiel, beim Brettspiel nicht aus. Vielmehr tauscht man mit dem Letzten im Feld den Platz (und muss Handkarten abgeben). Hat man eine Entschärfungkarte auf der Hand, kann man diese Aktion abwehren, aber diese sind rar. Doch der nächste, der „explodiert“, kann einen auf dieselbe Art gleich wieder nach vorne befördern. Je nach Häufigkeit entsteht hier ein turbulentes Hin und Her. Sieger des Spiels ist, wer als Erster mit der genauen Zahl das Medaillenfelderreicht.
Ein Spielfeld zum Umklappen
Etwas Besonderes haben sich die Macher für das Spielfeld einfallen lassen: Es wird aufgeklappt wie ein Buch. Durch das Aufklappen richtet sich auch eine Art Kulisse senkrecht auf, wodurch die Sicht für dahinter sitzende Spieler möglicherweise eingeschränkt wird. Durch bestimmte Aktionen kann man das Spielfeld noch einmal umklappen. Dadurch ändert sich die Kulisse, aber noch viel wichtiger: Die Felder und Aktionen auf dem Laufweg der Figuren ändern sich. Es wird brenzliger für die Spieler, weil mehr Explosionsfelder erscheinen. Wer sich noch gute Karten für alle Fälle zurückgehalten hat, steht nun womöglich glänzend da, um das Siegfeld zu erreichen.
Dieses Umklappen funktioniert ausgezeichnet. Nicht nur, dass die Figuren auf dem Spielfeld stehenbleiben können und sich die Löcher über ihren Köpfen kontaktlos wieder senken. Auch schmiegt sich die umgeklappte Seite wegen des Magnetverschlusses wieder gut an das Spielbrett. Sehr gut gelöst! Der Weg ins Ziel wird dadurch aber nur wenig erschwert. Der spektakuläre Effekt verpufft leider ein bisschen.
Spielspaß (nicht nur) für Fans

Die Spielfiguren (s. Bild) geben den Spielspaß, den verschiedene Spieler mit Exploding Kittens: Das Brettspiel haben, ganz gut wieder. Die einen begeistern sich dafür, andere finden es so lala, während eine Gruppe … Nun ja. Wie auch immer: Die Grundidee von Exploding Kittens findet sich im Brettspiel wieder. Entscheidend sind die Karten, die man spielen kann, um sich selbst Vor- oder den Gegnern Nachteile zu verschaffen. Möglichst will man dem folgenden Spieler eine Bewegungsscheibe aufzwingen, die diesen vorerst nach hinten wirft. Natürlich ist auch das beliebte „Nö“ als Verhinderung einer Aktion des Gegners unter den Karten, woraus mit einem gekonterten „Nö“ ein „Doch“ wird (usw.). Exploding-Kittens-Spieler kennen und lieben das und finden schnell ins Spiel. Doch auch für Neulinge stellt das kein Problem dar; die ohnehin kurze Spielregel ist gut und vollständig.

Exploding Kittens: Das Brettspiel spielt man besser mindestens zu viert, besser noch in Vollbesetzung. Dann kommt es zu mehr Aktionen und Hin und Her in der Reihenfolge. Eine ordentliche Portion Tohuwabohu tut Exploding Kittens auch hier gut, weil es sonst eher dahindröppelt. Nach rund 20 Minuten ist der Spaß auch schon vorbei.
Spaß auch deswegen, weil Exploding Kittens: Das Brettspiel gutmütiger ist. Es scheidet keiner aus, der für den Rest der Partie zusehen muss. Die Spieldauer ist angenehm kurz, sodass auch das ggf. fehlende Kartenglück zu verkraften ist.
Bedauerlicherweise hat Asmodee auf der Spieleschachtel den Namen des Autors nicht angegeben. Eine Unart, die offenbar nicht auszurotten ist.
