Falsche Schlangen, Ausschnitt des des Titels, Bild von Edition Spielwiese
Reich der Spiele RezensionFalsche Schlangen

Das Erfinden von Spielen liegt bei der Familie Brand in den Genen. Während Inka und Markus Brand sich mit Rajas of the Ganges, Village und gefühlt Billionen von Titeln der Exit-Reihe ihren Stern auf dem Walk of Game gesichert haben, versuchen Emely und Lukas Brand in die großen Fußstapfen ihrer Eltern zu treten. Die Erfolge, die sie mit Schummel Hummel und Mogel Motte eingefahren haben, wollen die Kinder mit Falsche Schlangen fortsetzen. Und die “alten Brands” sind auch dabei.  Falsche Schlangen von Edition Spielwiese ist somit das erste Spiel aus dem Brand-Imperium, an dem alle Brands beteiligt waren. Aber keine Angst: Es ist kein Monster aus vielen verschiedenen Zutaten geworden.

Kooperatives Schlangenzähmen

Vollständige Auslage beim Kartenspiel Falsche Schlangen, Bild von Dirk Janßen
Vollständige Auslage beim Kartenspiel Falsche Schlangen, Bild von Dirk Janßen

Falsche Schlangen ist ein “mehr oder weniger kooperatives Bluffspiel, in dem zu viel (aber auch zu wenig) Vertrauen zur Falle werden kann”. Und das beschreibt es ganz gut. Denn bei Falsche Schlangen gibt es zwei Parteien: die falschen Schlangen und die Anderen. Ob man zu der einen oder anderen Partei gehört, hängt davon ab, ob man eine Schlangenkarte auf der Hand hält. So weit, so einfach. Schauen wir uns einmal an, wie das Spiel funktioniert.

Spielaufbau von Falsche Schlangen

In der Tischmitte liegen abhängig von der Spielerzahl 5-9 Karten mit Zahlenwerten, die bspw. in einem 4 Personenspiel von 1-6 reichen. Zu Spielbeginn liegen diese doppelseitigen Karten auf der dunklen Nachtseite.

Außerdem gibt es ebenfalls abhängig von der Anzahl der Spieler 6-10 Handkarten mit den zu den Karten in der Tischmitte identischen Zahlenwerten plus eine Zahlenkarte mit dem Wert Null. Außerdem werden abhängig von der Anzahl der Spieler 1-3 Schlangenkarten in den Handkartenstapel gemischt.

Drei Spieler erhalten zu Spielbeginn jeweils 2 Handkarten, ein Spieler erhält 3 Handkarten. Dieser Spieler beginnt das Spiel.

Zentrale Kartenauslage beim Spiel Falsche Schlangen, Bild von Dirk Janßen
Die Anderen sind noch nicht weit gekommen. Bisher liegen nur zwei Karten auf der Sonnenseite. Aber die Falschen Schlangen haben auch noch keine Karten aus der Auslage entfernt, Bild von Dirk Janßen

Ziel des Spiels bei Falsche Schlangen

Das Spielziel hängt davon ab, ob man eine Schlangenkarte besitzt (und somit eine Falsche Schlange ist) oder nicht:

  • Die Schlangen wollen, dass am Ende nur noch eine einzige Karte in der Tischmitte liegt. Und diese Karte muss auf der dunklen Nachtseite liegen.
  • Die Anderen wollen, dass alle verbliebenen Karten in der Tischmitte auf der hellen Tagseite liegen.

Spielregeln: der Ablauf der Partie

Reihum bietet eine Person einer anderen Person, die in dieser Runde noch kein Angebot erhalten hat, verdeckt eine Handkarte an und nennt dazu einen beliebigen Wert oder eine Schlange – dabei darf geblufft werden. Die angebotene Karte kann bis zu zweimal abgelehnt werden, die dritte muss angenommen werden. Danach zählt allein, was tatsächlich auf der Karte zu sehen ist: Zeigt sie eine Zahl, die in der Mitte noch auf der Nachtseite liegt, wird diese Karte auf die Tagseite gedreht; liegt sie dort schon auf der Tagseite, wird sie aus der Mitte entfernt. Erhält man dagegen eine Null, eine Schlange oder eine Zahl, die nicht mehr in der Mitte liegt, passiert nichts.

Kartenhand beim Spiel Falsche Schlangen, Bild von Dirk Janßen
Die Kartenhand weist neben Zahlen auch eine Schlangenkarte auf. Der Spieler ist somit im Team der Falschen Schlangen, Bild von Dirk Janßen

Fazit: Der Spaß beim Kartenspiel Falsche Schlangen

Eine Partie Falsche Schlangen ist kurzweiliges Tohuwabohu. Gerade in den ersten Partien hat man kein Gespür dafür, wann man eine Karte nehmen oder ablehnen sollte. Es lässt sich zu Beginn auch schwer einschätzen, wer zu welcher Partei gehören könnte. Dies legt sich mit steigender Anzahl an Partien. Dennoch spielt der Zufall bei Falsche Schlangen eine große Rolle.

Um diesen Zufall zu mildern, übt man sich Partie um Partie im Lesen seiner Mitspieler. Wippt der Kartengeber mit dem Fuß, zucken seine Mutwinkel oder werden die Schweißflecken in den Achseln größer? Veränderte Stimmlage, Stammeln, Stottern, erhöhter Speichelfluss, ein hastiger Griff nach dem Bier, Blickausweichen, Zittern, Zappeln oder Zähneknirschen sind alles Indizien, dass der Gegenüber es mit der Wahrheit nicht genau nimmt. Oder ein Meister seines Fachs ist und einen wahrlich famosen Bluff getätigt hat.

Natürlich erkennt man eine Lüge auch daran, dass eine Karte angeboten wird, die sich auf der eigenen Hand befindet. Oder eben erst von der eigenen Hand auf die eines anderen Mitspielers gewechselt ist.

Vermutungen über Falsche Schlangen lassen sich auch anstellen, wenn ein Mitspieler partout nicht dazu beiträgt, Nachtkarten auf ihre sonnige Seite zu drehen. Was natürlich auch ein Zeichen von mangelnder Begabung oder fehlendem Verstehen des Spiels sein kann.

Kartenspiel Falsche Schlangen, Bild von Edition Spielwiese

Der Reiz von Falsche Schlangen liegt im Überlisten des Zufalls und im Deduzieren eines flüchtigen Zustands. Denn wer gerade noch eine Schlange war, kann im nächsten Moment schon zu den Anderen gehören. Wer das Kartenspiel meistern will, muss vor allen Dingen wissen, wann es sinnvoll ist, die Seiten zu wechseln. Wenn man denn die Wahl hat.

In  Summe bleibt ein Spiel für Freunde von Wundertüten und Überraschungseiern, die kein Problem damit haben, wenn sie die Kontrolle über ihr Leben und andere Dinge verlieren. Bei all der Schwere, die uns gerne im Alltag begleitet, ist Falsche Schlangen für einen Moment samtiges Chaos, das nicht weh tut, aber nach den meisten Partien auch schnell wieder vergessen ist.

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