Flatiron: Ausschnitt der Titelillustration, Foto von Pegasus

Das berühmte Flatiron-Building in New York hat bestimmt jeder schon einmal zumindest auf Fotos gesehen. Es wurde 1902 in der ungewöhnlichen Keilform errichtet, die entfernt an ein Bügel- oder Plätteisen erinnert und steht an der Kreuzung Broadway, 5th Avenue und 23. Straße.

Auf der Spiel 2024 erregte das dort gezeigte Flatiron am Stand des spanischen Verlags Ludonova sofort unsere Aufmerksamkeit, da das 2 Personen-Spiel der Autoren Sheila Santos und Israel Cendrero (Die rote Kathedrale/Die weiße Burg) die Architektur des Originals optisch gelungen auf den Spieletisch überträgt. Für die deutsche Lokalisation hat sich Pegasus die Rechte gesichert, bis auf die Regelübersetzung aber alles 1:1 vom Original übernommen.

Worum geht es bei Flatiron?

Das Spielprinzip ist einfach: Wir bauen zwar gemeinsam an dem Gebäude, konkurrieren dabei aber um den Ruf des besten Architekten und müssen dazu unsere Firmenpläne sinnvoll mit Karten bestücken, um diese dann möglichst effizient zu nutzen. Wie läuft das jetzt genau ab?

Zunächst ein Blick auf den Spielplan. Der besteht eigentlich aus drei kleinen Plänen. Da hätten wir einmal den Bauplatz des Gebäudes, der von vier Straßen eingerahmt wird. Hier hat man sich die Freiheit genommen, zu den drei oben genannten noch die 22. Straße dazu zunehmen. An jeder dieser Straßen liegt ein Stapel mit acht zugehörigen Karten.  Dann gibt es den Spielplan der City Hall, auf dem die noch zu verbauenden Etagen unseres Gebäudes warten. Die nächste an der Reihe ist dabei immer offen sichtbar. Und zuletzt noch der Wertungsplan mit der Siegpunktleiste, auf deren Weg alle 10 Punkte ein Rastplatz für einen Zeitungsjungen vorgesehen ist.

Flatiron: die Partie beginnt, Foto von Markus Nußbaum

Aktionsmöglichkeiten bei Flatiron

Bin ich am Zug, setze ich meinen Architekten entweder auf eine der vier Straßen oder die City Hall. Dabei darf meine Figur normalerweise nie mit der meines Gegners an einem Ort stehen. Dort wo ich bin, kann ich dann Aktionen ausführen. Entweder, ich kaufe die offene Karte an der Straße, an der ist stehe, oder ich löse deren Effekte auf meinem Firmenplan aus, oder ich nehme mir einfach 2 Dollar. Bin ich in der City Hall, kann ich dort eine der ausliegenden Zielkarten kaufen, 2 Dollar nehmen, oder die momentan aktive Zeitungsaktion auslösen.

Kaufe ich eine Karte, muss ich sie an die passende Straße auf meinem Firmenplan anlegen. Für jede der vier vorhandenen Straßen gibt es dort eine Spalte, die aber auf allen Plänen unterschiedlich gestaltet ist. Allen gemeinsam sind die Bauplätze für die vier verschiedenfarbigen Säulen, allerdings sind auch dort die Farben und die Kosten pro Säule je Tableau unterschiedlich angeordnet. Hinzu kommt pro Spalte immer eine feste Basisaktion. Meine gekauften Karten kann ich nun entweder oberhalb oder unter die entsprechende Straße schieben, sodass nur die obere oder untere Hälfte mit der jeweiligen Aktion sichtbar ist. Gleichzeitig sind auch Daumensymbole auf den Karten aufgedruckt, die entweder für positiven (Daumen nach oben) oder negativen (Daumen nach unten) Ruf sorgen. Je besser eine Aktion auf der Karte  für mich als Spieler ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Daumen bis zu zwei Werte nach unten zeigt.

Es geht um den guten Ruf

Flatiron: Material, Foto von Pegasus

Am Spielende wird der Ruf je Spalte zusammengerechnet und man sollte tunlichst einen positiven Wert  erzielen, sonst hagelt es Minuspunkte. Das Ganze wird noch dadurch erschwert, dass man je Spalte insgesamt nur drei Karten anlegen darf. Da muss schon gut überlegt werden, welche Karte ich wohin schiebe, um die besten Effekte zu erzielen. Es benötigt einige Partien, um die Symbole auf den Karten korrekt zu deuten und die besten Kombinationen herauszubekommen. Und natürlich steht meistens der Gegner genau an der Straße mit den Karten, die man gerade am dringendsten benötigt.

Weitere Effekte

Wenn ich keine Karte kaufen möchte oder kann, entschließe ich mich vielleicht dazu, die Effekte der gewählten Straße auf meinem Firmenplan zu aktivieren und zwar immer von oben nach unten. Auch hier bedeutet das, die Karten im Vorfeld weise unter das Tableau zu schieben. Die Effekte sind vielfältig. Die auf dem Firmenplan aufgedruckten lassen mich immer eine Säule kaufen oder verkaufen und einen weiteren Effekt auslösen. Das kann einfach ein Geldbetrag sein, den ich erhalte oder die Möglichkeit, eine oder zwei Säulen auf die aktuelle Etage zu bauen, bzw. eine weitere Etage aufzustocken. Das geht aber nur, wenn ich über 5 Dollar verfüge und auf der vorherigen Etage bereits drei Säulen stehen. Und die müssen in der Regel auch noch verschiedenfarbig sein.

Jede Etage verfügt über drei Bauplätze für Säulen, auf denen meist noch Boni aufgedruckt sind, die ich beim Bauen erhalte. Und jede Etage verfügt noch über einen besonderen Effekt, der solange gilt, bis die nächste Etage gebaut wird.

Da den Überblick zu behalten, ist nicht ohne, weswegen Flatiron auch als Kennerspiel ausgewiesen ist.

Stelle ich den Architekten in die City Hall, kann ich eine der sechs ausliegenden Zielkarten kaufen, die sich erst am Spielende auswirken, mir aber die Spalten meines Firmenplans verstopfen, denn auch diese Karten sind zweigeteilt und ich muss sie dort entweder oben oder unten anlegen. Die aktuell ausliegende Zeitung in der City Hall kann ich auch nutzen, denn auch diese zeigt einen Effekt an. Schreitet man auf der Siegpunktleiste voran, kommt man irgendwann unweigerlich an dem ersten Zehnerwert vorbei, auf dem der Zeitungsjunge steht. Dann erhält man zwei Zeitungen, sucht sich eine davon aus und gibt die andere dem Gegner. Der Zeitungsjunge wandert weiter auf den nächsten Zehnerwert. Die Zeitung, bzw. deren Effekt kann man immer in seinem Zug einsetzen. Tut man das, wandert sie in die City Hall und ersetzt die dort liegende. Das sorgt für ständige Abwechslung auf dem Plan.

Das Spielende bei Flatiron

Eine Partie Flatiron endet, wenn mit dem Dach die fünfte Etage des Flatiron-Buildings errichtet wird. Dann werden noch Zielkarten und der Ruf, den man in jeder Straße erreicht hat, ausgewertet. Das ist meist nach ca. 40 Minuten der Fall. Spielt man Flatiron zum ersten Mal, wird man aber länger brauchen, da man ständig die Regel zur Hand nehmen muss, um die verschiedenen Boni und Effektsymbole nachzuschlagen.

Flatiron: das Gebäude steht, Foto von Markus Nußbaum

Abwechslungsreiche Abläufe und optisch ansprechend

Durch die insgesamt 14 verschiedenen Etagen und die vier doppelseitigen Firmenpläne für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade entstehen immer andere Spielverläufe, was Flatiron sehr abwechslungsreich macht. Es gibt auch eine Solovariante, in der man gegen den Architekten des Originalgebäudes, Daniel Burnham, antritt. Das Material des Spiels ist sehr schön gestaltet, die Grafik von Weberson Santiago im Art-déco-Stil gehalten.

Als große Einstieghürde bei Flatiron empfinde ich aber die zahlreichen Symbole auf den diversen Karten, Plänen, Zeitungen, die in der ansonsten gut strukturierten Regel auf fünf Seiten erklärt werden. Zusätzlich verwirren kann die Tatsache, dass man auf dem Broadway steht, die dort gekaufte Karte sich aber z. B. auf die 5th Avenue bezieht. Das überforderte manchen Mitspieler. Daher empfinde ich die Altersangabe ab 10 Jahren auch etwas optimistisch. Ich würde die Empfehlung eher ab 12 Jahre geben.

Flatiron: Spielschachtel, Foto von Pegasus

Ärgerlich ist ein kleiner Regel-/Grafikfehler bei der Erläuterung einer der Effekte auf dem Firmenplan. Pegasus hat auf der Homepage allerdings schon nachgebessert und eine Korrektur veröffentlicht, die hoffentlich bei weiteren Auflagen auch in der gedruckten Regel berücksichtigt wird.

Wer also ein optisch wie spielerisch anspruchsvolles 2-Personen-Spiel sucht, ist bei Flatiron richtig aufgehoben.

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