Es wird bunt! Blumen und Co. sind im Gesellschaftsspiel ja irgendwie ein Dauerbrenner. Da brummt und summt es bei Ambrosia, wir legen Ziergärten an wie in Seikatsu, gestalten einen Schlossgarten oder bewundern den Wildwuchs. Oft sind das dann Legespiele, besonders wenn Gärten involviert sind. Mit Floral von James Newman (Edition Spielwiese) kommt ein handliches kleines Kartenspiel, das zugleich auch ein Legespiel ist. Es geht es vor allem um Gebietsmehrheiten. Und um schöne Beete. Aber der Reihe nach.
So funktioniert das Kartenspiel Floral
Die kleine Schachtel täuscht: Für Floral ist vergleichsweise viel Tischplatz erforderlich. Denn alle pflanzen ihren eigenen Blumengarten an. Dabei geht es darum, möglichst große gleichfarbige Flächen zu legen. Oder besser gesagt: größere als in den Gärten der Mitspielenden.
In meinem Garten lege ich die Karten einfach überlappend aufeinander. Die neue Karte muss immer mindestens zwei Blumenfelder bereits liegender Karten verdecken. Das erinnert stark an Atua, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass hier alles gerade ausgerichtet wird.
Zugmöglichkeiten und Kartenfunktionen
Ein Zug besteht aus drei Phasen:
- Blumen pflanzen: Ich lege eine Handkarte in meine persönliche Auslage (meinen Garten)
- Einen Auftrag erfüllen (optional): Ich nehme eine Karte aus der allgemeinen Auslage, um Punkte zu bekommen.
- Einen Auftrag planen: Ich lege eine Handkarte in die allgemeine Auslage, in der Hoffnung, sie später selbst als Punktekarte nehmen zu können.
Die Karten haben also zwei Funktionen: einmal die verschiedenfarbigen Blumenbeete für die Gärten, einmal die Punktemarkierungen für die Aufträge. Nehme ich eine Karte als Punktekarte (Auftrag) aus der Auslage, zählen die mit kleinen Blumensymbolen markierten Blumenfelder. Das sind immer ein bis drei Felder derselben Farbe. Der Auftrag dazu lautet, ein möglichst großes Beet in dieser Farbe anzulegen. Nehmen darf ich die Punktekarte daher nur, wenn sich das größte Beet dieser Farbe in meinem Garten befindet (und nicht in einem Garten der Mitspielenden).
Ist der Nachziehstapel leer, werden die restlichen Karten aus der Auslage verteilt, abhängig davon, wer jeweils das größte zugehörige Beet hat. Und ich darf von meinen Handkarten noch eine aussuchen, die ich zu meiner Wertung hinzuzähle. Aber auch hier gilt: Das darf ich nur tun, wenn ich auch das größte Beet dieser Farbe habe. Wer dann die meisten Punkte (in Form der Blumensymbole auf den Punktekarten) hat, gewinnt Floral.

Blumen gehen immer
So thematisch das jetzt alles vielleicht klingt, so aufgesetzt ist das Thema. Floral ist ein abstraktes Spiel. Trotzdem hat es seinen Sinn, dass es um schön angelegte Blumenbeete geht, denn das macht die Regeln greifbarer und verständlicher. Auch wenn es genauso gut Schiffe, Planeten oder Regenschirme sein könnten. Blumen gehen immer.
Florale Muster beim Kartenlegespiel Floral
Der Einstieg gelingt denn auch relativ einfach, die Anleitung ist kompakt und gut verständlich. Teils dauert es aber ein bisschen, bis alle das mit der Doppelfunktion der Karten verstanden haben, und was genau jetzt gewertet wird. Hilfreich sind die Übersichtskarten (besonders was die Reihenfolge der Phasen angeht). Sie sind in ausreichender Zahl vorhanden, sodass alle das Wichtigste vor sich haben.
Der Knackpunkt bei Floral ist, dass ich nicht nur einen Auftrag erfüllen darf, sondern auch immer einen neuen Auftrag in die Mitte legen muss. Und das sogar dann, wenn ich mit meinem Garten gar keinen Auftrag erfüllen kann (die Auslage wird mit der Zeit also ggf. immer größer). Das Gemeine daran ist, dass alle auf den Auftragspool zugreifen können. Bei nur drei Handkarten ist die Auswahl begrenzt. Da kommt es durchaus vor, dass ich meinen Mitspielenden unfreiwillig Aufträge hinlege(n muss), die sie vielleicht sogar schon erfüllt haben oder in ihrem nächsten Zug leicht erfüllen können. Und bis ich wieder an der Reihe bin, ist – schwupps – der schöne Auftrag schon weg.
Manchmal ist es dann auch ein Abwägen: Lege ich die hohe Punktekarte hin, für deren Farbe ich zwar schon ein großes Beet habe, aber eben auch jemand von meinen Mitspielenden? Oder nehme ich lieber eine niedrige Punktekarte, die mir gar nichts bringt (weil ich die Farbe vielleicht noch gar nicht im Garten habe), aber die dafür auch den anderen nur wenig Punkte bringt?
Die richtigen Blumen zum richtigen Zeitpunkt
Bei Floral kommt es auf die richtige Farbe zum richtigen Zeitpunkt an: Wenn ich an der Reihe bin, habe ich im Idealfall das größte Beet einer Farbe (oder eines, das ich mit meinen Karten dazu machen kann) und gleichzeitig liegt ein lukrativer Auftrag zu dieser Farbe aus. Übrigens muss das Beet dafür gar nicht immer groß sein, riesig schon gar nicht. Manchmal reicht ein einzelnes Blumenfeld, besonders zu Beginn oder im Spiel zu zweit. Denn mein Beet muss ja nur größer sein als die der anderen.
Das erfordert einerseits Vorausdenken (nicht umsonst ist bei der zweiten Phase die Rede davon, einen Auftrag zu planen). Andererseits braucht es aber auch Flexibilität und taktisches Reaktionsvermögen, denn ich weiß nie, wie meine Kartenhand im nächsten Zug aussieht oder was meine Mitspielenden in die Auslage legen. Schließlich tausche ich von drei Handkarten zwei in jedem Zug aus (eine „pflanze“ ich als Beet in meinen Garten, eine lege ich als geplanten Auftrag in die Mitte – beide ersetze ich mit Karten vom Nachziehstapel).
Wie viele Leute gärtnern bei Floral?
Floral ist mit bis zu fünf Personen spielbar. Besonders in größeren Runden ist der Glücksfaktor aber recht hoch: Je mehr mitspielen, desto mehr passiert zwischen meiner Auftragsplanung und dem nächsten Zug.
Da freue ich mich schon, dass mein geplanter Auftrag kurz vor meinem Zug noch immer liegt. Oder dass jemand einen Auftrag legt, für den ich das größte Beet habe. Und plötzlich legt die Person vor mir eine Karte mit drei Farbfeldern an ihr bisher winziges Beet dazu, und das war’s mit meiner Gebietsmehrheit. Und dem Auftrag …
Durch geschicktes Legen kann ich auch zwei kleine Farbbeete zu einem großen verbinden. Das klappt nur mit Kartenglück, überrascht die Mitspielenden aber umso mehr. Dann hat Floral auch Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Feeling. Und kann sich je nach Situation triumphierend-beschwingt oder sehr frustrierend anfühlen.
Zu zweit spielt sich Floral für mich am besten. Dann ist es taktischer und auch etwas planbarer.
Blumen im Urlaub: perfekte Schachtelgröße
Positiv anmerken möchte ich unbedingt noch die Schachtelgröße. Die ist nämlich nicht nur schön handlich, sondern auch genauso groß wie die Karten (na ja, genau genommen minimal größer). Liebe Spieleverlage, gerne mehr solche passgenauen Schachteln! Ein schöner Nebeneffekt im Fall von Floral ist, dass es durch die kleine Schachtel auch ein wunderbares Urlaubsspiel ist. Zwar eignet es sich weniger für unterwegs (dafür braucht die Auslage zu viel Platz), aber dafür umso mehr als Urlaubsspiel am Zielort.

Ist Floral ein gutes Kartenspiel?
Die floralen Muster sind schön, tragen thematisch aber kaum. Das müssen sie aber auch nicht – Floral ist ein abstraktes, taktisches Kartenspiel. Eines, bei dem ich gut planen muss und bei dem trotzdem auch viel Glück mitspielt. In größeren Runden wirken Taktik und Glück nicht ganz ausgewogen; es gehört dazu, dass meine schöne Planung öfter mal nicht funktioniert. Das muss man mögen. Für das viele Planen und Denken ist der Glücksfaktor aber fast zu hoch.
Ein locker-leichtes Spielgefühl stellt sich denn auch nur bedingt ein, besonders wenn Leute dabei sind, die zum Grübeln neigen. Zu zweit ist Floral ein schönes taktisches Duellspiel für zwischendurch: schnell gespielt und handlich. Auch mal mit mehreren Runden nacheinander. Langfristig lässt der Wiederspielreiz aber nach.
