Formidabel ist von Friedemann Friese aus dem 2F-Spiele-Verlag. Formidabel – oder auf Englisch Formidable Farm scheint ein Bauernhof-Spiel zu sein. Gerade habe ich die Rezension zum Bauernhofspiel Landgut erstellt, lockt hier die nächste Farm. Formidabel ist dabei aber ein völlig anderes Spiel.
Was passiert auf der Farm?
Hier hat jeder seinen Bauernhof und versucht, einen Stapel von Aufträgen zu erfüllen. Wer dies als erstes schafft, gewinnt die Partie. Jeder Spieler hat seinen eigenen Stapel an Auftragskarten. Dies ermöglicht es, Formidabel beliebig zwischen den 1-4 Spielern zu skalieren.

Eine Farm oder den eigenen Bauernhof sucht man in der Packung vergeblich. Hier geht es um den Handel und das geschickte Ausspielen der eigenen Handelskarten. Zudem kann jeder zusätzliche Aufträge vom Markt erfüllen. Dabei spiele ich meine Aufträge quasi ohne Interaktion mit den anderen Spielern. Es gibt jede Runde etwas Nachschub aus dem runden Zeltplättchen in der Mitte. Ich wähle ein freies Feld und erhalte das, was draufsteht. Den Rest muss ich mir mit meinen und den fünf freien Marktaufträgen erspielen. Dies erfolgt nach dem Prinzip „Ich habe zwei Tomaten, erfülle den Auftrag und bekomme drei Gurken. Die Gurken zusammen mit dem Getreide aus der Vorrunde erfüllen den nächsten Auftrag und ich erhalte ein Schwein und ein Schaf. Damit …“
So kann ich bis zu drei Aufträge pro Zug erfüllen. Dies reguliert auch gut die Optimierung und das Kartenglück.
Kartenmanagement doppelt im Auge behalten
Nur Auftragskarten, die ich auf der Hand halte, kann ich bei Formidabel auch erfüllen. Weitere Karten, muss ich mir wie Ressourcen über Handelskarten oder Nachschub von meinem eigenen Nachziehstapel holen. Dieses Spielelement darf ich nicht aus den Augen verlieren. Sonst stehe ich mit Ressourcen, aber ohne Aufträge da.
Zum zweiten darf ich mein Ablagesystem nicht durcheinanderbringen. Ich habe meinen eigenen Nachziehstapel und den Stapel mit den erfüllten Aufträgen, die beide die gleiche Rückseite haben. Lege ich die erfüllten Aufträge mit der Vorderseite nach oben, gibt es eine Verwechslungsgefahr mit den Aufträgen aus der aktuellen Runde. Diese darf nicht noch nicht weiter nutzen, sondern muss sie separat halten. Hier ist ein wenig Disziplin gefragt, um im Verlauf des Spiels die kleiner und größer werdenden Stapel nicht zu verwechseln.

Spiellänge variabel anpassbar
Die Spieldauer war in den Testspielen zu lang. Dies kann aber leicht angepasst werden, indem jeder ein paar Auftragskarten weniger nimmt.
Regelbrecher inklusive
Die Regelbrecher genannten Optionen kann ich mir im Spiel erkaufen. Hierfür benötige ich die in früheren Runden erfüllten Aufträge. Jeder zählt als eine Münze. Ich kann z. B. von anderen besetzte Nachschubfelder nutzen oder zusätzliche Ressourcen oder Karten ziehen.
Viele Symbole
Für viele Symbole gibt es eine eigene Seite im Regelheft. Die gilt es gerade am Anfang sich genau anzugucken. Es ist aber alles erklärt. und es macht einen Unterschied, ob die Karten auf oder unter den Nachzugstapel kommen.

Formidabel: Solo-Spiel inklusive
Da sich die Interaktion darauf beschränkt, welche Felder auf dem Nachschubplan belegt sind und vielleicht ein öffentlicher Auftrag schon erfüllt wurde, lässt sich das Solo-Spiel hervorragend integrieren. Das Ziel bleibt gleich und soll in 18 Runden erfüllt werden. Dazu ein paar Anpassungen zu besetzten Feldern im Nachschubbereich und schon kann das Solospiel losgehen.
Jede Runde neu
Formidabel enthält keinen Aufbau- oder Entwicklungsanteil. Jede Runde muss ich neu gucken, was ich handeln kann. Ich kann nur schauen, welche und wie viele Ressourcen ich sammele, die ich für zukünftige Auftragskarten benötige. Somit bleibt bei mir das Thema Farm im Hintergrund. Vielleicht ein Grund, warum dies im deutschen Titel fehlt.
Handel mit mir selbst
Den Handel fechte ich mit mir selbst aus. Aus meinen Handkarten versuche ich, die optimale Handelsstrategie für diese Runde zu finden. Fehlt mir diese oder ich entdecke beim Ausspielen die viel bessere, ist die Geduld meiner Mitspieler gefragt. Beim Rückabwickeln und Nutzen der für mich fantastischeren Kombination, ist zudem die Aufmerksamkeit gefordert, die eigenen Spielzüge richtig umzusetzen.
Mein Fazit zu Formidabel!

Feldfrüchte und Fieh sammeln, um Aufträge zu erfüllen in einem 2F-Spiel. Wenn ich das Kartenmanagement im Fokus behalte, finde ich einen Weg zu einem Formidabel-Sieg. Final ist das Spiel eher ein Handelsspiel als ein Farm-Spiel. Als solches funktioniert es. Auch die Solovariante passt. Für gnadenlosen Optimierer finden sich vielleicht manchmal zu viele Optionen, die den Spielfluss hemmen. Davon abgesehen kann ich meinen nächsten Zug zumindest grob vorplanen und bin somit gefordert.
Das Spiel Formidabel fantastisch zu nennen, ist mir zu viel. Formschön trifft die Sache eher. Und Figuren aus Holz runden das Spiel ab. Fini.
