Frosted Blooms von Bruno Cathala und Ludovic Maublanc ist ein gemütliches Plättchenanlegespiel für 1-4 Spielende vom kanadischen Verlag Synapses Games. Auf Deutsch ist das Spiel bei Elznir Games erschienen. Frosted Blooms ist von der Komplexität im gehobenen Familienspielbereich anzusiedeln. Die 12-seitige Spielregel ist reich bebildert und enthält Solo-Regeln, die für diese Rezension aber nicht getestet wurden.
Worum geht es bei Frosted Blooms?
Die so genannten Cozy Games wurden mit Frosted Blooms nicht neu erfunden. Im Gegenteil: Manchmal sieht man vor lauter flauschigen Kätzchen, wahlweise eingerollt in Blumentöpfen oder auf gequilteten Decken, bunten Blumenwiesen, weiten Landschaften, Teezeiten und Kaffeezeremonien, Scones und Sandwiches, sanftem Regen, niedlichen Drachen und knuddeligen Fabelwesen den Wald vor lauter Coziness nicht mehr. Bei Frosted Blooms nun geht es um Tulpen in den Niederlanden. Nicht wie in der Tulpenkrise von 1637, wo die Frühblüher zum beliebten Spekulationsobjekt wurden und eine Art frühen Vorläufer des Börsencrashs hervorriefen. Nein, wie spielen im Hier und Jetzt. Genauer gesagt im letzten Frost des Jahres, wo die Tulpen schon vorsichtig ihre Köpfe aus dem Boden schieben, noch glänzend vor Kälte.
Ob die Entscheidung für genau dieses Thema nur deswegen getroffen wurde, weil Frost die Möglichkeit bietet, aktuell besonders beliebte Glanzeffekte auf Packung und Spielmaterial aufzubringen, bleibt Spekulation, aber zumindest weniger riskant als während der Tulpenkrise. Jedenfalls schimmert alles – bei rechtem Licht betrachtet – ganz zauberlich.
Frosted Blooms: Tulpenanbau mit Poylminos

Nun aber zum eigentlichen Spiel. Wir bauen Tulpen auf niederländischen Polderfeldern an. Das machen wir mit Polyomino-Plättchen, die man mindestens aus Tetris kennt. Spielerfahrene dürfen sich auch an Patchwork und Konsorten erinnert fühlen. Auf diesen Polyomino-Plättchen finden wir Wasser und drei verschiedene Tulpenarten (weiß, violett, und orange/gelb). Anders als bei Patchwork ist die Zusammensetzung aber immer nahezu gleich. Jedes Plättchen besteht aus 5 Feldern (2x Wasser; 3x Tulpen der jeweiligen Farbe, davon insgesamt 6 an der Zahl). Die Form der Plättchen ist jeweils unterschiedlich und reicht von Block über Hufeisen bis hin zu einem gleichschenkligen L.
Unser Ausgangsplättchen ist ein Kreuz. Daran puzzeln die Mitspielenden nach und nach neue Plättchen und versuchen, möglichst viel von einer Sorte aneinander zu legen. Neu angelegte Plättchen werten einen orthogonal zusammenhängenden Block aus gleichen Tulpen oder aus Wasserfeldern, sofern man die dazu passende Wertungskarte hat. Wertungskarten hat jeder 10 Stück und davon immer 3 gleichzeitig auf der Hand. Ist die zehnte Wertungskarte von allen Spielern gespielt, endet Frosted Blooms. Wertungskarten werten entweder eine Sache mit je 2 Punkten oder zwei Dinge (z.B. Wasser und weiße Tulpen) mit je 1 Punkt. Soweit so unspektakulär. Was macht Frosted Blooms nun spannend, dass es beschlagene Recken wie Bruno Cathala und Ludovic Maublanc zu seinen Autoren zählen darf?
Mut zur Lücke
Bei Frosted Blooms geht ist nicht nur darum, möglichst gut zusammenzuführen. Auch geschicktes Lückenlassen wird belohnt. Eine 1×1 Lücke bringt einen Arbeiter und damit nicht nur drei Punkte für die Endwertung, sondern auch wichtiges Geld, mit dem man auf ein späteres Polyomino-Plättchen Zugriff hat. Eine 2×1 Lücke bringt eine Scheune und damit zehn Punkte am Ende. Es gibt auch Kombinationen aus Scheunen und Arbeitern oder zwei Scheunen, je nach Lückenform. Besonders punkteträchtig sind jedoch Mühlen, die sich in 2×2 Lücken wohlfühlen. Diese belohnt das Spiel mit satten 25 Punkten. Wer es dann noch schafft zur richtigen Zeit die passenden Zielplättchen zu beanspruchen, kann sich über einen wahren Punkteregen freuen. Je nach Schwierigkeit bringen auch diese entweder 3, 10 oder 25 Punkte.
Diese Kombination macht Frosted Blooms wirklich zu etwas besonderen, da man sich in einem ständigen Spannungsfeld von Verdichten und Auflockern befindet – fast wie bei der Gartenarbeit! Hier sind gutes Timing und ein waches Auge gefragt.
Frosted Blooms: Also alles perfekt?
Ein paar Kritikpunkte gibt es dennoch anzumerken. Die Anleitung ist nicht immer ganz klar. Der Blumenmarker, der uns vorgibt, welche Plättchen wir zu welchem Preis bekommen können, soll laut Anleitung neben „die dafür vorgesehene Stelle“. Die Markierung unterscheidet sich jedoch nicht von den anderen Markierungen. Im Grunde genommen ist es aber unerheblich, an welcher der sechs markierten Stellen ihr den Blumenmarker platziert, solange ihr ihn danach brav im Uhrzeigersinn weiterwandern lasst. Bei den Landschaftsplättchen ist die Rede davon, dass sie „richtig aneinander ausgerichtet sein“ sollen. Das ist missverständlich. Gemeint ist, sie müssen mit ganzer Kante an ganzer Kante liegen. Die Ausrichtung der Blumendarstellung spielt keine Rolle. Bei den Tulpen hatten wir mehrfach das Problem, dass Personen mit leichter Sehschwäche die einzelnen Sorten schlecht auseinanderhalten konnten.
Ansonsten ist das Material schön gestaltet. Die Holzmühlen, Arbeiter und Scheunen sind eine haptische Freude und sorgen für eine tolle Tischpräsenz.
Empfehlung, denn Frosted Blooms ist mehr als nur ein spielerisches Beet mit Tulpen

Frosted Blooms überzeugt auf den zweiten Blick. Der erste Eindruck „Alles schon einmal gesehen“ täuscht. Die Kombination aus Wertungskarten, Zielkarten und Holzausbauten (im Spiel: Verbesserungen) sorgen für ein äußerst reizvolles Spannungsfeld, das zum Puzzeln und Knobeln animiert. Das Thema ist zugänglich für jung bis alt. Die wechselnde Zielkartenauswahl sorgt für Wiederspielwert. Durch die kleine Box und die kurze Spielzeit darf das Spiel auf der nächsten Reise in die Niederlande auf keinen Fall fehlen. Klare Empfehlung!

1 Kommentar
Ich spiele es ganz gerne. Die Kritikpunkte kann ich nur unterstreichen. Das sind so die „Häh!?“ Momente beim Regellesen. Beim ausrichten habe ich erst an die Ausrichtung der Blumen in die gleiche Richtung gedacht. Beim bewegen des Blumenmarker musste ich überlegen wie das genau gemeint ist. Gibt es für die Zielkarten eine vorgebene Reihenfolge? All das waren die ersten Gedanken beim Regellesen. Im Spiel zu viert dauert es für mich zu lange. Auch ob die Kärtchen zum Ausprobieren in die Hand genommen werden dürfen, sollte vorher geklärt werden. Die Idee mit den Lücken lassen für Gebäude/Arbeiter, ist sehr schön und ein echtes Dilemma. Große Blumenfelder oder viele Lücken? Am besten beides. Aber wie?