Furchtlos: Ausschnitt des Titels, Bild von 2F-Spiele

Furchtlos

von Axel Bungart
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Der Alliterationspapst unter den Spieleautoren, Friedemann Friese, hat es wieder getan. Sprachlich hat er mit dem Kartenstichspiel Furchtlos (2F-Spiele) ein Gegenstück zu seinem 2017 erschienenen Furcht aus der Fast-Forward-Reihe geschaffen. Doch so wenig, wie man damals Furcht in Furcht empfand, spielt man Furchtlos nun furchtlos. Zumindest nicht mehr als andere Stichspiele, bei denen man um Stiche bangt.

Wie wird Furchtlos gespielt?

Je nach Spielerzahl erhält jeder 12 oder 13 Karten auf die Hand. Die Karten gibt es in vier Farben und ihre Werte gehen jeweils von -6 bis +6, inkl. jeweils einer Null. Es gibt keine Trumpffarbe, ansonsten gelten alle üblichen Bedien- und Abwurfregeln eines Stichspiels. Die Null gilt für alle Farben, sodass man sie immer spielen kann und bedient damit die gespielte Farbe.

Furchtlos - Kartenhand | Foto: Axel Bungart
Furchtlos – Kartenhand | Foto: Axel Bungart

Gespielt wird reihum je eine Karte und die höchste Karte gewinnt den Stich. Poff. Fertig. Was passiert dann? Man bildet aus allen (Plus- und Minus-)Karten des Stichs die Summe und wandert mit einem kleinen Geist auf einer Zahlenleiste entsprechend viele Felder weit. Bei einem positiven Wert in die eine Richtung, bei negativem in die andere. Ziel ist es, dass man am Ende der Runde, also nach 12 oder 13 Stichen, möglichst nah an der Null steht. Denn der Betrag des Feldes, auf dem man steht, wird – unabhängig vom Vorzeichen – als Punkte notiert. Wer nach einer selbstfestgelegten Anzahl an Runden die wenigsten Punkte hat, gewinnt.

Die Psychologie der Karten

Furchtlos - Geister auf der Zählleiste | Foto: Axel Bungart
Furchtlos – Geister auf der Zählleiste | Foto: Axel Bungart

2025 war gefühlt die Messe der Stichspiele. Und da waren tatsächlich viele gute dabei. Friedemann Friese erschafft trotzdem immer wieder Ausnahmen. Seine Kartenspiele kommen mit einem Minimum an Regeln aus. So auch Furchtlos. Es ist in drei Minuten erklärt, was auch daran liegt, dass die Spielregel dieses Mal fehlerfrei und lückenlos ist. Das ist nicht immer so bei Spielen von Friese. Es heißt aber nicht, dass man es nach weiteren drei Minuten durchdrungen hat. Schon mit negativen und positiven Karten zu spielen, ist alles andere als gängig. So ist man auch anfangs überrascht, wenn man mit einer 0 oder -1 einen Stich macht. Klar: Weil die anderen Karten noch niedriger sind – obwohl sie doch einen höheren Betrag zeigen. Das ist psychologisch verwirrend, und auch, wenn man nach einer Weile besser in die Logik reinfindet, vertut man sich dennoch immer wieder mal.

Die Null muss stehen

Furchtlos - Spielkarten | Foto: Axel Bungart
Furchtlos – Spielkarten | Foto: Axel Bungart

Das ist komisch, aber witzig-komisch. Und bald rückt auch das Ziel, das einst Huub Stevens beim FC Schalke als Maßgabe diktierte, wieder ins Gedächtnis: „Die Null muss stehen!“ Wandert der Geist auf der Skala in erschreckende Höhen (egal ob plus oder minus), muss man gegensteuern. Und dann merkt man plötzlich, dass man mit hohen Karten zwar Stiche machen kann, das aber nicht unweigerlich auch Punkte bringt. Oder die falschen. Das führt dazu, dass keiner gerne aufspielt, weil es für Mitspieler eine Einladung darstellt, die absehbaren Pläne zu durchkreuzen. Sie sehen ja immer, wo auf der Leiste man gerade steht und wo man hin will. Schwierig ist das und ungewohnt, da man bei Stichspielen auch gerne mal den Ton angibt. Also muss man ein Gefühl dafür bekommen, wie das funktioniert. Tatsächlich bekommt man das mit der Zeit – wenn man ein guter Kartenspieler ist. Erschwerend kommt hinzu, dass man in jedem Fall wenigstens einen Stich machen sollte, weil man ansonsten 15 Punkte erhält. Nur defensiv geht also bei Furchtlos auch nicht.

Nicht ohne Übung

Damit kommen wir dann zum Anspruch. Furchtlos kann – regeltechnisch – jeder Spielen. Man spielt es aber schwerlich gut, wenn man den Taktikanteil bei Stichspielen nicht beherrscht (- den kartenspieltypischen Glücksanteil mal außen vor gelassen.) Für Stichspielanfänger bieten sich vielleicht andere Spiele an. Die Altersangabe bezieht sich m. E. daher auch nur auf Spieler mit Stichspielerfahrung.

Kleine Schönheitsfehler bei Furchtlos

Furchtlos - Zählleiste mit Geistern | Foto: Axel Bungart
Furchtlos – Zählleiste mit Geistern | Foto: Axel Bungart

Die Spielkarten sind von guter Qualität und sie tragen auch Ziffern in allen vier Ecken – prima! Dennoch kann man die Farben nicht immer (gut) erkennen, wenn man die Karten gefächert in der Hand hält, da der untere Teil der Karten schwarz ist. Also muss man sie doch drehen, wenn man keine übersehen will.

Die Zählleiste, die aus aneinandergereihten Karten entsteht, ist so verwunden, dass man genau hingucken muss, um nicht falsch abzubiegen. Mit ein paar kleinen optischen Grafik-Kniffen wie Trennstrichen o. ä. hätten man das besser verdeutlichen können.

Furchtlos: Schachtel des Kartenspiels, Bild von 2F-Spiele

Das sind aber Kleinigkeiten. Uns hat Furchtlos viel Spaß gemacht! Die Spieldauer ist übersichtlich, die Idee mal wieder nahe an genial. Furchtlos ist dazu geeignet, langanhaltend Spaß zu verbreiten. Und ich muss mich in Bezug auf den Autor leider zu einer albernen Alliteration hinreißen lassen: Keiner kann komischere Kartenspiele.

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