Mein Haus, mein Auto, mein Boot und natürlich mein Garten. Wären da doch nur nicht diese fiesen Gnome. Gnome? Ja, richtig gelesen, Gnome – in meinem Garten, ist das zu fassen? Zum Glück stellen die Gardlings eine mächtige Gegenposition dar – und damit herzlich Willkommen zu einem Einblick in das Brettspiel Gardlings von Kristian A. Østby und Maria Østby (Schmidt Spiele).
Was ist Gardlings für ein Spiel?
Lüftet man den Karton, zeigt sich sogleich ein vielversprechender Inhalt des Spiels. Damit alles seinen Platz findet, gibt es „Butterbrottütchen“ für die einzelnen Materialien. Nicht nur die 131 farbenfrohen Plättchen, 32 Münzen, fünf Stoffbeutel und sieben Missionsplättchen, sondern auch das Markttableau sind hochwertig verarbeitet und wecken direkt die Neugier. Recht schnell wird außerdem deutlich, was Gardlings eigentlich ist – nämlich ein Legespiel, gepaart mit dem Element des Deckbuildings. Daher nennt es sich selbst auch liebevoll ein Bag-Building-Spiel. Dank der tollen Illustrationen der Plättchen kribbelt es zudem in den Fingern und man möchte direkt losspielen.
Zum Glück ist Gardlings sehr einstiegsfreundlich. Es gibt drei Variationen: das Grundspiel, die Solo-Variante und die Erweiterung durch Missionsplättchen. Ich beziehe mich im Folgenden auf das Grundspiel.
Regelkunde zusammengefasst: Der Ablauf des Spiels Gardlings
Wir legen das Markttableau in die Mitte des Tischs. Die farblich sortierten Plättchen mischen wir und teilen jeden Stapel in zwei gleichgroße – an der dazugehörigen Anlegestelle am Markt finden sie ihren Platz. Zu Blau, Rosa und Gold legen wir zusätzlich je eine Münze pro Stapel. Auf der rechten Seite wartet das schwarze Siegplättchen, ihm gegenüber auf die linke Seite kommt der verdeckte Stapel der zuckersüßen Glücksschweinchen. Wir schnappen uns jeweils einen Stoffbeutel, befüllen ihn mit vier Einzel- und zwei Doppelgnomen, lassen noch zwei Glücksschweinchen hineingleiten, schütteln einmal gut durch – fertig. Wir sind bereit zum Loslegen.

Gardlings wird in zwei Phasen gespielt. Gartenbau und Gardlings anheuern.
Phase 1: der Gartenbau
Diese Phase spielen alle gleichzeitig. Aus dem Stoffbeutel ziehen wir ein Plättchen. Das erste Plättchen ist zwar relativ unspektakulär, aber fortan gilt es, wie für ein Legespiel zu erwarten, die weiteren Plättchen passend anzulegen. Ob man sie senkrecht oder waagerecht platziert, ist dabei frei wählbar. Entscheidend sind jedoch die Edelsteine, denn diese sind an den Plättchenkanten stets halbiert und müssen folglich durch das Anlegen wieder vervollständigt werden. Die Edelsteine wiederum generieren Münzen.
Der Clou: Wir dürfen solange ziehen, wie wir möchten. Der Haken: Gnome! Kleine, fiese Gnome. Diese schleichen sich durch die Gnomplättchen allzu gerne mit in den Garten. Haben wir einmal sechs oder mehr Gnome im Garten, endet die Runde für uns sofort. Als wäre das nicht schlimm genug, stehlen die Gnome uns direkt drei der wertvoll erschlossenen Edelsteine. Egal ob wir freiwillig aufhören zu ziehen oder die Gnome unsere Runde vorzeitig beenden. Es folgt die zweite Phase.
Phase 2: Gardlings anheuern

Wenn wir unseren Gartenbau in Phase 1 abschließen wollen oder müssen (verdammte Gnome), zählen wir all unsere Edelsteine zusammen. Gnome zwingen uns eine kleine Subtraktion von 3 vorzunehmen. Die Anzahl der Edelsteine stellt nun unsere Münzen dar, mit ihnen können wir am Markttableau in der Mitte nun genau ein neues Plättchen kaufen. Für den ersten Kauf jeder Kategorie gibt es direkt eine Münze geschenkt. Haben wir Pech und weniger als vier Münzen zur Verfügung, dürfen wir uns ein Glücksschweinchen nehmen. Egal welche Art, am Ende jeder Runde haben wir ein Plättchen mehr in unserem Stoffbeutel.
Alle Plättchen kommen hinein, wir mischen ordentlich durch und fangen direkt an, einen neuen Garten zu bauen. Münzen dürfen wir behalten und uns damit eventuell fehlende Edelsteine ersetzen. Je teurer ein Plättchen, desto eher kommen Gardlings drauf vor. Diese bringen weitere Bonuseffekte oder erhöhen die Möglichkeit, Edelsteine zu vervollständigen. Wer nun zuerst 17 Edelsteine zusammenbauen kann, kann den Siegpokal kaufen und gewinnt (Münzen dürfen hier nicht eingesetzt werden!).
Fazit: Macht Gardlings Spaß?
Mir hat Gardlings wirklich Spaß gemacht!
Der Mix aus Legespiel und Deckbuilding geht mechanisch gut ineinander über und bringt eine schöne Abwechslung gegenüber einem reinen Legespiel. Auch den Reiz durch das „Zocken“ fand ich sehr gut dosiert. Natürlich bringt es automatisch eine Glückskomponente ins Spiel, wirkt aber eben zu keinem Zeitpunkt unfair. Ich kann mit dem sprichwörtlichen „Kleinvieh“ auch meinen Garten aufbauen oder eben das Risiko suchen und hoffen, so schnell höherwertigere Plättchen kaufen zu können. Beide Strategien haben zum Sieg bzw. zur Niederlage geführt und so weniger das Gefühl vermittelt, in einem Glücksspiel gefangen zu sein. Für mich hat das wirklich super funktioniert. Ein gewisses Taktikverständnis sollte natürlich vorhanden sein, aber es gibt eben nicht die eine 100 %ige Erfolgstaktik!

Die „Butterbrottütchen“ zur Aufbewahrung des Materials wirken etwas billig. Ein schön im Karton integriertes System zur ordentlichen Sortierung hätte mein Ordnungsherz höherschlagen lassen. Dafür ist die Wertigkeit des Materials großartig. Die Anleitung ist mehrsprachig, überschaubar und herrlich präzise, kein Rätselraten oder deuten der Regeln, sondern schnelle überschaubare Klarheit. Das Artwork ist irgendwo zwischen ganz okay, niedlich und „Coinmaster“, die kräftigen Farben wiederum sprechen mich direkt an.
Variationen und Effekte
Durch die Varianten Solo, Basis und Missionserweiterung gibt es drei Möglichkeiten, Gardlings zu spielen. Die Missionen sind in erster Linie Vorgaben, wie der Garten gebaut werden muss, um Bonuspunkte zu erhalten. Die Effekte der Gardlings sind ehrlicherweise ein bisschen enttäuschend. Da gibt es zum Beispiel den Gärtner. Mit zwei Gärtnern kann man einen mächtigen Trippel-Edelstein bauen. Klingt toll, ist es auch, faktisch hätte es aber auch ein Plättchen mit drei Edelsteinen an der Seite getan. Denn genau das ist es, nur dass zusätzlich ein kleiner Gärtner auf der Mitte des Plättchens zu sehen ist.

Für jüngere Spieler ist das eine gute Navigation durchs Spiel. So richtige Effektpower strahlt es dadurch für mich allerdings nicht aus. Der Paradiesvogel ist beispielsweise einfach ein bunter „Joker“-Edelstein. Die Drachen zünden immerhin ein wenig, sodass sich mit ihnen Gnome vergraulen lassen. Dennoch haben wir im Spiel manchmal schlicht vergessen, die Effekte zu beachten, einfach weil sie keine wirkliche Präsenz ausstrahlen.
Gardlings ist ein wirklich spaßiges Erlebnis aus Lege-, Deckbuilding- und Risikoelementen. Seine schnelle Zugänglichkeit und überschaubare Rundenlänge machen es zu einem hervorragenden Spiel, um auch jüngere Kinder an etwas komplexere Spielmechaniken heranzuführen. Auch uns Erwachsenen hat es wirklich Spaß gemacht. Insbesondere das „Zocken“ und die Schadenfreude, wenn die Gnome im Nachbargarten eingezogen sind.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen