Das Gesellschaftsspiel Gnomenparlament ist von Channing Jones aus dem Verlag Fobs Games. Nach dem Gesetz zur Erlaubnis einer Rezension schreibe ich genau diese.
Gnome in Selbstverwaltung

Eine schöne Persiflage mancher Parlamente: Gesetze, die Gesetze beeinflussen, die den Präsidenten oder die Parlamentarier stärken und die Lobbyabteilung auf Trab halten. Und kein Gesetz mit Auswirkung außerhalb des Parlaments. Aber so hält es bereits die Spielanleitung: „Ähnlichkeiten mit der Realität sind rein zufällig.“ Dem schließe ich mich natürlich vollumfänglich an.
Präsidenten und Lobbyisten

Präsident zu sein, hört sich gut an. Ist aber nicht so einfach. Selbst hier am Spieltisch im Gnomenparlament muss sich der Präsident gut überlegen, welches der drei möglichen Gesetze er zur Abstimmung vorschlägt. Der Präsident entscheidet dies alleine, aber was sagen die Gnomenparlamentarier mit den vielen Lobbystimmen dazu? Das Gesetz zur Stärkung des Präsidenten hört sich sehr verlockend an, aber wird es eine Mehrheit hierfür im Gnomen Parlament geben?

Gnomenparlament: Einmal-Gesetze und permanente Gesetze
Es gibt Einmalgesetze, die nur eine Runde gelten und maximal drei permanente Gesetze gleichzeitig. Wird ein viertes permanentes Gesetz beschlossen, verliert das erste seine Gültigkeit. Die Reihenfolge der Gesetze ist genauso bedeutsam. So könnte ich z. B. erst Lobbystimmen erhalten, weil ich als Einziger dagegen gestimmt habe, bekomme dann aber keine weiteren Lobbystimmen, weil ich dann nicht mehr der Gnom mit den wenigsten Lobbystimmen bin. Hätten die Gesetze in anderer Reihenfolge gegolten, hätte ich mehr gehabt. Um sich diese Abhängigkeiten zu überlegen, die in jeder Partie Gnomenparlament neu gemischt werden, benötige ich zum Glück kein Jurastudium.

Taktisches und geheimes Abstimmen als Grundlage für lustige Politik am heimischen Spieltisch
Jeder Gnom inkl. Präsident darf sowohl offen als auch danach noch geheim seine Stimmen für oder gegen das Gesetz verteilen. Erst dann wird offenbart, wer sich wofür entschieden hat.
Inkl. Bestechung, Nebenabsprachen und nicht eingehaltene Versprechen ist bei Gnomenparlament alles dabei. Oder kann zumindest dabei sein. „Wenn ich für dein Gesetz stimme, bekomme ich dann Lobbyisten zugeteilt?“ Teilweise fühlt es sich wie richtige Politik an. Genau das ist hier positiv umgesetzt. Und dann darf am Spieltisch verhandelt, taktiert und nachgedacht werden.
Die Mehrheit gewinnt
Gnomenparlament bietet ein schönes Prinzip und das ist gut umgesetzt. Die Gnome, die inkl. ihrer Lobbystimmen zur Mehrheit gehören, bekommen einen Siegpunkt. So erhalte ich einen großen Teil oder sogar alle meine Siegpunkte (hier Ehrenpunkte). Halte dich an die Mehrheit und du bist vorne dabei, aber …
Warum stimmst Du denn dafür?
Stimme ich für das vom Präsidenten vorgeschlagene Gesetz, gehöre ich wahrscheinlich zur Mehrheit und erhalte Ehrenpunkte (= Siegpunkte). Aber ich weiß auch, dass der Präsident dann noch mehr Ehrenpunkte erhält. Wenn ich dagegen stimme, bekommt der Präsident weniger Ehrenpunkte, ich aber gar keine, außer von den anderen Gnomen stimmen auch viele dagegen. Dann gehören wir wieder zu Mehrheit und erhalten für die Ablehnung Siegpunkte. Der einen Hälfte der Gnome bringt das Gesetz aber dann doch ein bisschen was. Also, wie soll ich mich entscheiden?
Dies war nur ein kleiner Gedankengang im Rahmen der Abstimmung. Hier muss ich meine Mitspieler richtig einschätzen und im richtigen Moment dann wieder egoistisch sein.
Überraschende Ergebnisse

So wurden schon Gesetze verabschiedet, die nur von einem Parlamentariergnom gewählt wurden. Dieser konnte aber soviele Lobbystimmen sein Eigen nennen, dass er das Gesetz im Alleingang beschlossen (oder abgelehnt) hat. Und auch jetzt fühlt sich das Spiel wieder sehr realistisch an.
Gesetz zur Vermeidung unnötiger Gesetze oder auch:c Mehrheiten sind besser – egal ob dafür oder dagegen
Dann war da noch das Gesetz zur Vermeidung unnötiger Gesetze. Besser kann es nicht ausgedrückt werden. Mein Humor.
Vom Gesetz zur Tröstung der Verlierer über das Gesetz zur Reduzierung der Nein-Sager hofft jeder Gnom, für sich die meisten Punkte abstauben zu können. Dann noch im Auge behalten, in welcher Reihenfolge die Gesetze durchgeführt werden, und schon gibt es Ehrenpunkte und Lobbyisten (weiße Steine).
Gnomenparlament: Erweiterung mit Agenda und Misstrauensvotum

Als Option kann jeder Spieler noch geheim eine Agenda haben und damit einer bestimmten Fraktion angehören. Hier erhält ein Gnom weitere Siegpunkte am Ende des Spiels, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, z. B. es wurden mehr Gesetze der einen Fraktion als einer anderen Fraktion beschlossen.
Ein Misstrauensvotum ermöglicht das aktive Abwählen des Präsidenten. Ansonsten bleibt der Präsident solange im Amt, bis er freiwillig zurücktritt oder eine Abstimmung verliert. Hier kann es durch die zufällige Verteilung der Gesetze, die zur Auswahl stehen, zu sehr dynamischen oder eher statischen Präsidentschaften führen. In einer weiteren Partie wird aber alles neu gemischt und ich kann erneut an meiner eigenen Präsidentschaft arbeiten.
Drumherum: Wie ist es denn nun so, das Spiel Gnomenparlament?
Das Spiel Gnomenparlament ist gut balanciert und bietet einiges an Abwechslung. Die vorgeschlagene Spieleranzahl von vier bis acht funktioniert gut. Auch ein neunter Mitspieler lässt sich integrieren, wenn Abstimmungsmünzen dazu gegeben werden. Die Spieldauer passt und hängt natürlich stark von der Diskussionsfreudigkeit der Einzelnen ab.
Die Darstellung ist schön und gelungen. Acht gezeichnete Gnome mit Namen stehen zur Auswahl. Die Gesetze sind stimmig als Pergament dargestellt. Die Ehrenpunktmarker sind der Größe nach passend für die Gnomensitze sortiert. Die Abstimmungsscheiben aus Holz ebenso wie die Lobbystimmen liegen gut in der Hand. Besonders wichtig für die geheimen Abstimmungen.
Ja – Nein – kein Vielleicht

Ein Spiel mit klaren Entscheidungen. Ja oder Nein. Dafür oder Dagegen. Das Gesetz wird angenommen oder nicht.
Es könnte so einfach sein, wenn die anderen Gnome auch so abstimmen, wie ich es gerne hätte. Aber hier liegt der Reiz. Das Spiel Gnomenparlament ist ein lustiger Zeitvertreib, der nicht allzu ernst genommen werden sollte. Der Spielmechanismus ist gut durchdacht und die Fülle von Gesetzen und deren möglichen Kombinationen in einer Partie, laden zum Wiederspielen ein. Und solange die getroffenen Entscheidungen im Spiel verbleiben, hält auch die Hauspolitik. Um es einem bekannten Spruch gleich zu tun: Was im Gnomenparlament passiert, bleibt im Gnomenparlament.
So erhält das Gnomen Parlament meine Stimme

Dann bleibt nur noch das Gesetz zur Aufhebung eines Gesetzes. Und damit schließe ich die heutige Sitzung, diese Rezension und erhalte dafür einen Ehrenpunkt.

1 Kommentar
Ich konnte erst neulich endlich ein Exemplar des schon lange vergriffenen Verlags-Debuts „Tiefe Taschen“ ergattern – scheint mir leichter zugänglich als Gnomen-Parlament, was für eine grosse Runde mE ein Vorteil ist. Halte es aber mal im Auge.