Hof-Verrat: Schriftzug des Spiel, Abbildung von HUCH

Treue und Verrat kommen oft als Zwillinge daher, denen man nicht gleich ansieht, mit welcher Gesinnung sie einem begegnen. Im Spiel, zumindest im konfrontativen, kann man fast ausschließen, dass großzügige Geschenke dazu angedacht sind, dem Gegenspieler Freude zu bereiten. Noch dazu, wenn man weiß, dass die Spielregel es verlangt, großzügig zu sein.

Wie spielt man Hof-Verrat?

So wie in Hof-Verrat von Romaric Galonnier und Anthony Perone (Huch!, 2025). Hier erhalten 2-5 Spieler ab acht Jahren in jeder Runde drei Karten auf die Hand, die sie verteilen müssen: eine an sich, eine an einen Gegner und eine an die Tafel. Die Tafel ist in diesem Fall nicht etwa das caritative Versorgungswerk für Bedürftige, sondern ein länglicher Tisch, an dem sechs Familien Platz genommen haben, um am Bankett der Königin teilzunehmen. Er ist quasi das Spielbrett – wobei von Brett keine Rede sein kann: Die Tafel ist aus Stoff und wird auf dem Tisch ausgerollt.

Hof-Verrat - Die Tafel mit Karten | Foto: Axewl Bungart
Hof-Verrat – Die Tafel mit Karten | Foto: Axel Bungart

Die Karten zeigen Mitglieder der sechs Familien und können oberhalb oder unterhalb der Tafel an den betreffenden Sitzplätzen der Familien angelegt werden. Das entscheidet am Ende darüber, ob die Familie angesehen (oberhalb) oder etwa in Ungnade gefallen ist. Entscheidend ist, auf welcher Seite der Tafel mehr Karten liegen.

Für jeden etwas

Und da die Karten auch an die Spieler verteilt werden, ergibt sich daraus am Spielende eine einfache Rechnung. Ist eine Familie angesehen (mehr Karten liegen oberhalb der Tafel), erhalten alle Spieler mit Karten dieser Familie in ihrer Auslage einen Punkt je Karte. Ist es andersherum, bringt jede eigene Karte einen Minuspunkt. Also bedenkt man Mitspieler besonders großzügig mit Karten aus Familien, die mutmaßlich in Ungnade fallen werden.

Dazu kommt noch, dass jeder Spieler bis zu sechs Bonuspunkte erhalten kann, wenn er zwei ihm zugewiesene Aufträge am Spielende erfüllt. Es gewinnt, wer (je nach Spieleranzahl) nach 6-10 Runden die meisten Punkte erzielt hat.

Hof-Verrat - Missionskarten | Foto: Axewl Bungart
Hof-Verrat – Missionskarten | Foto: Axel Bungart

Einfach und gut

Hof-Verrat erzielt mit einfachen Mitteln eine nette Stimmung, ist schnell erklärt und gespielt. Die Spielregel umfasst wenige Seiten, ist eindeutig formuliert und ebenso gut illustriert. Neben den „normalen“ Familienkarten ohne weitere Funktion gibt es vier Kartenarten mit Sonderfunktionen, die aber ebenso schnell erfasst sind, wie der übrige Spielablauf. Sie sind es, die für die besonderen Momente im Spiel sorgen. So zählt eine Adelskarte zweifach bei der Mehrheiten- und Punktewertung, ein Assassine eliminiert beim Ausspielen eine andere Karte – außer dem Wächter, der vor solchen Angriffen geschützt ist. Und zu guter Letzt der Spion: Er wird verdeckt ausgespielt und sorgt am Schluss noch für Überraschungen. Sowohl bei der Mehrheitsfindung an der Tafel als auch in der Auslage der Spieler. Und das nicht nur, weil er dort für zusätzliche Plus-oder Minuspunkte sorgt, sondern auch, weil sich die Geheimmissionen, von denen jeder Spieler zwei erhält, auf die Auslage der Mitspieler beziehen können. Da kommt so ein Spion am Ende manchmal sehr ungelegen.

Hof-Verrat - Spielkarten | Foto: Axewl Bungart
Hof-Verrat – Spielkarten | Foto: Axel Bungart

Goldlack und Dauerwellen

Die Spielkarten sind zwar wegen ihres Formats etwas unhandlich beim Mischen, aber sehr hübsch gestaltet. Goldlack an manchen Stellen hebt das Design hervor und mutet ein bisschen royal an. In der kleinen Schachtel findet sich neben den Spiel- und Geheimmissionskarten auch besagter Spielplan. Man hat hier ein Gewebe genommen, was sicher ungewöhnlich, leider aber auch etwas misslungen ist. Zum einen geht die Grafik etwas unter, insbesondere die Tiere in den Wappen, die den Familien ihre Namen verleihen. Zum anderen lässt sich dieses Stück Stoff in keiner Weise halbwegs plan auf dem Tisch auslegen, schon gar nicht, wenn die Tischoberfläche rutschig ist. Ein Stück Neopren hätte sicher keine Wellen geworfen und wäre wohl die bessere Wahl gewesen.

Hof-Verrat - Die Tafel | Foto: Axewl Bungart
Hof-Verrat – Die Tafel | Foto: Axewl Bungart

Am Ende ist der Teppich selbst funktionslos, und somit lässt sich der Kosmetik-Bug verkraften.

Je mehr, desto besser

Hof-Verrat: Spielschachtel, Abbildung von HUCH

Hof-Verrat ist ein unterhaltsames Spielchen, das man in 20-30 Minuten durchspielt. Der Moment, in dem man die Spione aufdeckt, ist immer der spannendste Moment im Spiel, besonders dann, wenn bei manchen Familien die Mehrheitenfrage noch auf der Kippe steht. Die Aufmachung der Karten tut das ihre, um Hof-Verrat nicht gleich in Vergessenheit geraten zu lassen. Schon ab drei Spielern läuft eine Partie rund. Zu zweit unterliegt man dem Zwang, dem einzigen Gegner eine der Karten zuzuteilen, was die Spielidee m. E. ein Stück weit aushebelt. Am besten funktioniert es zu viert und fünft. Dann hat man genügend Alternativen, um Karten zu verteilen, und es entwickelt sich ein lebhafter Austausch von Nettigkeiten.

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