Kabaal: Ausschnitt der Illustration des Stichspiels, Foto von Corax Games

Kabaal

von FloKi
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Baal! Oh du mächtiger Dämon, nimm meine Opfergaben und erscheine! Ja, richtig gehört, um nichts geringeres, als die Beschwörung des mächtigen Dämons Baal geht es hier! Damit herzlich Willkommen zu Kabaal, einem Stichspiel aus dem Hause Corax Games. Die Idee zum Spiel stammt von Werner Schmitt, für das Auge ansprechend wurde es durch Maja Wrzosek.

Inhalt von Kabaal

Erst einmal Entwarnung! Sobald der Deckel vom Karton gehoben ist, springt einen nicht (!) direkt Baal an. Puuh! Glück gehabt. Dafür erblickt man viel typisches für ein Stichspiel, nämlich jede Menge Karten. 36 Artefaktkarten (in vier Farben und einer farblosen „Joker-Variante“), 16 Gebietskarten (in vier Farben), zehn Dämonenkarten und eine Amulettkarte. Hinzu kommen 24 Opfer in Form von kleinen Holzfiguren zu vier unterschiedlichen Farben.

Die Spielregeln: Wie wird in Kabaal beschworen?

Soweit ist Kabaal ein typisches Stichspiel. Aber wie bekommen wir nun Baal in unsere Welt beschworen? Zu erst wählen wir Baal von den Dämonenkarten aus. Auf der Rückseite der Karte offenbart sich dann ein Spielaufbau mit den Gebietskarten. Sind diese entsprechend angeordnet wird durch die Amulettkarte eine Person bestimmt, die das Spiel startet. Nun werden je nach Personenzahl die Artefaktkarten gemischt und jeweils acht Karten ausgeteilt. Es folgt der erste kleine Twist. Zwei der Artefaktkarten werden nun nämlich verdeckt abgelegt. Liegen alle Karten wandern sie im Uhrzeigersinn weiter. Anschließend werden sie aufgedeckt und bilden zwei offene Handkarten. Nun hält jede Person sechs Karten verdeckt auf der Hand und hat zusätzlich zwei offen einsehbare vor sich.

Stiche gewinnen

Wer die Amulettkarte hat, beginnt und spielt eine Artefaktkarte aus (von der Hand oder aus der offenen Auslage). Spielen wir eine Karte aus der offenen Auslage, müssen wir diese umgehend mit einer Handkarte auffüllen. Die ausgespielte Farbe der Artefaktkarte gilt es zu bedienen. Ausnahme ist die farblose Variante, diese dürfen wir immer spielen. Allerdings müssen wir auch diese farblose Variante bedienen, sollte sie den Stich eröffnen. Den Stich gewinnt, wer hätte es gedacht, wer die höchste Zahl gelegt hat. Hierbei reichen die Zahlen von Eins bis Acht, die farblosen Joker bringen zusätzlich 5+, 6+, 7+ und 666 als Zahlenwert dazu.

Opfer platzieren

Kabaal: Material des Spiels, Foto von Corax Games

Gewinnen wir den Stich, passieren zwei Dinge. Erstens wandert die Amulettkarte zu uns oder bleibt bei uns. Zweitens verteilen wir bis zu zwei unserer Opferfiguren auf den Gebietskarten. Dabei greift eine simple Mechanik: Die im Stich befindlichen Artefaktkarten bestimmen die Farbe und Ziffer der Gebietskarten, auf denen wir ein Opfer platzieren dürfen. Pro Durchgang platzieren wir maximal ein Opfer auf derselben Farbe. Wenn ein Mitspieler unsere Stichfarbe nicht bedienen kann, erhalten wir die Möglichkeit, doppelt zu platzieren.

Unser Ziel ist es, eine Reihe von drei Opfern zu bilden. Sobald uns das gelingt, führen wir ein Opferritual durch. Eine Figur stellen wir vor uns auf, während alle anderen Opfer von den Gebietskarten zurück in unseren Vorrat wandern. Anschließend versuchen wir, ein weiteres Ritual zu vollziehen. Wer zu Erst drei dieser geheimnisvollen Rituale vollzieht, beschwört den mächtigen Baal!

Bitte nicht schubsen, ich hab‘ Jogurt im Rucksack!

Im Laufe der Partie bleibt es nicht aus, dass wir auf Gebieten platzieren wollen (oder müssen), auf denen bereits Opfer stehen. Immer dann kommt es zur Schubserei. Wer die Schubserei auslöst, darf sie auch abhandeln, es sei denn, eine Person hat eine Karte mit dem Wert 1 gespielt, dann entscheidet diese über die Schubsreihenfolge. Die zugrundeliegende Mechanik ist recht einfach. Sind mehr als ein Opfer auf einer Gebietskarte, schubst das hinzugekommene Opfer die anderen horizontal oder vertikal weiter. Kettenreaktionen entstehen nicht, als Ergebnis einer Schubserei können durchaus mehrere Opfer auf Gebietskarten landen. Ausgeschlossen sind mehrere Opfer derselben Farbe. Kann ein Opfer nur auf ein Feld mit bereits gleichfarbigem Opfer geschubst werden, wird es zurück in den Vorrat gelegt. Durch geschicktes Ausspielen der Artefaktkarten mit Wert Eins kann das Ergebnis einer Schubserei durchaus auch mal ein Opferritual der Konkurrenz bedeuten!

Nach diesem Prinzip wird nun reihum gespielt. Immer wenn nur noch zwei Artefaktkarten im Spiel sind, wird erneut gemischt und der ewige Kreislauf beginnt erneut. Damit auch die kleineren Kulte eine Chance haben, dürfen alle die, die nicht einen Stich im Durchgang gewonnen haben, ein Mitleidopfer platzieren. Danach heißt es wieder, Karten ausspielen, Opfer platzieren, Opfer schubsen, Baal anhimmeln. Und zwar genau so lange, bis eine Person ihr drittes Opferritual durchführen konnte!

Fazit der Rezension: Kabaal ist ein kurzweilig und spaßiges Stichspiel

Kabaal ist ein kurzweiliges aber sehr spaßiges Stichspiel. Durch den Twist mit der offenen Auslage und dem Ziel der Opferrituale, welche dem Prinzip von 4 gewinnt folgen, schafft es sich ein wundervolles Alleinstellungsmerkmal. Dabei ist spannend, das weder das Prinzip, etwas in einer Reihe zu sammeln, noch das Prinzip eines Karten-Stichspiels das Rad neu erfunden hätten, aber beides gemeinsam ergibt in seiner Summe etwas wirklich großartiges.

Schwächen beim Design

Das Design des Spiels schöpft meiner Meinung nach nicht sein Potential aus. Die Dämonen (neben Baal gibt es ja neun weitere) sind stark verniedlicht, die Gebietskarten dafür wieder etwas düsterer, was tatsächlich eine spannende Mischung ergibt. Allerdings hätte ich mir persönlich eine Richtung gewünscht, entweder düster oder verniedlicht. Da der Karton bereits das niedliche Artwork aufgreift, hätte ich mir auch Gebietskarten und Artefaktkarten in diesem Stil gewünscht. Generell sind die Gebietskarten etwas einfallslos, da hier einfach immer die gleichen Symbole mit unterschiedlichen Ziffern zu sehen sind. Schade! Ebenfalls zu überdenken ist die Farbe der Opfer. Zwischen dem Grün (?) und Schwarz lies sich bei gedimmten Licht teilweise nur sehr schwierig unterscheiden. Ein Orange oder ähnliches wäre hier die deutlich bessere Wahl.

Durchaus Wiederspielreiz vorhanden

Kartenspiel Kabaal: Spieleschachtel, Foto von Corax Games

In Bezug auf Variation und Wiederspielwert punktet Kabaal dafür umso mehr. Die zehn Dämonenkarten ändern nicht nur den Aufbau der Gebietskarten (und das teilweise recht immens!), sondern bringen auch Regelanpassungen mit sich. Damit kann Kabaal gut die Brücke schlagen und sowohl Vielspielende als auch Casual-Gamer begeistern, ohne zu langweilen oder zu überfordern.

Gerade die Mechanik des Platzieren und Schubsens gibt Kabaal die richtige Würze.

Zu keinem Zeitpunkt wirkt das Kartenspiel unfair oder glücksbasiert. Mit der richtigen Taktik kann man gut auch ohne Stiche zu gewinnen seine Opferrituale erreichen, gleichzeitig zwing Kabaal einen bei gewonnenen Stichen der Konkurrenz das eine oder andere Mal direkt oder indirekt zu helfen – herrlich!

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