Nach einem langen Messetag auf der Spiel 2025, zurück im Hotel, sah ich eine Spielergruppe in der Lobby ein Spiel testen, dass ich bis dahin noch nicht auf dem Schirm hatte. Optisch machte es auf mich keinen großen Eindruck, aber die vier Spieler waren begeistert und empfahlen mir Kavango von Schmidt Spiele. Auf der Messe hatte ich leider keine Gelegenheit mehr, das Spiel zu testen und die beiden Autoren Matt Brown und Zara Reid sagten mir auch nichts, daher geriet es zunächst in Vergessenheit. Einige Monate später landete es aber zufällig in meinen Rezensionsexemplaren und ich musste mich intensiver damit auseinandersetzen und siehe da: Manchmal muss man Spielen eine zweite Chance geben und wird sogar positiv überrascht.
Kavango ist ein Erstlingswerk

Matt und Zara waren mir deshalb kein Begriff, weil Kavango ihr Erstlingswerk ist. Die beiden Schotten verschlug es nach der Hochzeit nach Botswana, wo Zara als Naturschutzexpertin den illegalen Wildtierhandel zu bekämpfen half. Sie hatten gemeinsam die Idee, ihre gesammelten Erlebnisse in der Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area in Form eines Spiels herauszubringen , um damit das Bewusstsein für Naturschutz und Biodiversität zu stärken. Da das ein etwas sperriger Name für ein Spiel wäre, kürzten sie es zu Kavango ab. Soviel zur Hintergrundstory, aber wie spielt es sich?
Auf nach Afrika!
Jeder der vier Spieler erhält zunächst ein großes Reservat mit 24 Plätzen für Tierkarten. Jedes Reservat steht dabei für ein anderes Ökosystem der Kavango-Region und daher sind auf den farblich dazu passenden Spielertableaus am oberen Rand unterschiedliche „Produzenten“ vorgedruckt. Das sind neben Gräsern und Bäumen auch Wirbellose und Fische, die ganz unten in der Nahrungskette stehen und daher als Basisnahrung für die höheren Arten dienen. Darunter findet man zwei Leisten mit Aussparungen für je vier Habitatschutz- und Wildtierschutzmarker.

Das sind die Aktionen bei Kavango
Der Spielplan von Kavango mit der Siegpunktleiste außen herum beinhaltet Platz für vier Forschungsaufgaben-Karten und Aussparungen für Klimaschutzmarker. Jeder Spieler erhält eine bestimmte Anzahl von Handkarten, abhängig von der Spieleranzahl. Bei 3-4 Spielern hat jeder 12 Handkarten aus drei verschiedenen Kartenstapeln. Über die drei Runden, die das Spiel läuft, ändern sich die Kartenaufteilungen und werden tendenziell herausfordernder. Zusätzlich zu den Handkarten erhält jeder noch eine Karte, die die Spielerreihenfolge vorgibt. Und dann geht es auch endlich los.
- Erste Phase: Auswahl einer Handkarte.
- Zweite Phase: Auspielen derselben.
- Dritte Phase: Prüfen, ob man damit eine Forschungsaufgabe erfüllt.
- Vierte Phase: Restkartensatz weitergeben. Das macht man so lange, bis jeder 10 Züge gemacht und somit (bei 3-4 Spielern) noch 2 Karten auf der Hand hat und dann endet die Runde.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen …
Eine gute Taktik bei Kavango ist, am Anfang erstmal in Produzenten zu investieren. Viele Tierkarten, die ich gerne später in mein Reservat spielen möchte, benötigen nämlich mehrere davon als Nahrung. Will ich unbedingt ein Tier ausspielen, für das ich nur unzureichend Nahrung besitze, kann ich es übergangsweise in meine Auffangstation neben dem Tableau ablegen. Dort ist aber nur Platz für drei Karten. Auf diese Weise draftet sich jeder sein optimales Reservat zusammen. Neben den Tieren gibt es auch Aktionskarten, die man einsetzen kann. Für das Ausspielen der Karte „Klimaschutzfonds“ erhalte ich einfach so 2 Millionen aus dem Vorrat und muss diese dann aber konsequenterweise auch für den Klimaschutz ausgeben. Das Geld besteht hier aus Holzwürfeln in der jeweiligen Spielerfarbe. Jedes Würfelchen ist 1 Million wert und ich kann es bei Erhalt in Habitat-, Wildtier- und Klimaschutz investieren. Manche Tiere lassen sich nämlich nur dann in mein Reservat locken, wenn ich bestimmte Schutzstufen gekauft habe.

Umweltschutz wird belohnt
Kann ich durch bestimmte Tierkarten Forschungsaufgaben erfüllen, winkt neben Siegpunkten auch noch eine weitere Finanzspritze. Wobei man auch dort warten kann, bis man durch Erfüllen von höheren Zielwerten mehr aus der Aufgabe herausholt. Aber Achtung: Man kann jede Aufgabe nur einmal erfüllen und am Ende der Runde werden die Karten abgeräumt und durch neue ersetzt. Aufgaben können z. B. darin bestehen, eine bestimmte Anzahl von Tieren im Reservat zu haben, die alle nur bis 150 cm groß sind oder bis zu 5 kg wiegen. Die Angaben dazu werden, neben weiteren Erläuterungen zu der abgebildeten Tierart, auf den Karten abgedruckt. Man lernt also nebenbei auch noch etwas. Dann gibt es auch noch Spezialistenkarten, die jeder zu Beginn zufällig zugeteilt bekommt. Durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten unterstützen sie uns Spieler in bestimmten Phasen. Nach drei Runden ist das Ganze vorbei und es wird abgerechnet. Neben den während des Spiels erarbeiteten Punkten kommen jetzt noch die Punkte auf den Tierkarten dazu. Zusätzlich gibt es noch drei Preise für Umweltschutzmaßnahmen zu gewinnen. Es lohnt sich also auch deswegen, in die drei Schutzstufen investiert zu haben.
Kavango ist thematisch sehr gut gelungen
Die Mechanismen des Spiels sind einfach und greifen gut ineinander und alles ist sehr thematisch umgesetzt. Man merkt, dass das Autorenpaar sehr viel Know-How und Herzblut in das Spiel gesteckt hat. Ob es diese gigantischen Papp-Reservate wirklich gebraucht hätte, sei mal dahingestellt. Wer über keinen großen Tisch verfügt, kann die Karten auch einfach so ablegen. Eine Limitierung auf die vorhandenen 24 Plätze gibt es nämlich nicht. Weitere Komplexitätssteigerungen kann man über Einsatz von bestimmten Spezialistenkarten oder Zielkarten erreichen. Und auch einen Solomodus mit eigenen Regeln gibt es, wobei ich fand, dass der Gegner „Oppo“ auch in der einfachsten Stufe sehr stark und daher kaum zu schlagen ist.
Alles in allem ist Kavango ein gelungenes Familienspiel. Wem Arche Nova zu komplex ist und zu lange dauert, ist mit Kavango bestens bedient. Die Regel ist klar und geht auf jede Spielphase mit zahlreichen Beispielen ein. Als Anhang gibt es noch vertiefende Informationen zu den Spielinhalten. Zudem wird das ganze Spiel umweltfreundlich in Deutschland produziert. Auch das trägt zum runden Gesamteindruck bei.
