Kokopelli

eine Spielerezension von Axel Bungart - 13.07.2022
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Kokopelli - Ausschnitt - Foto von Queen Games
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Auf die Frage „Was ist ein Kokopelli?“ hätte ich bei drei möglichen Antworten auf ein pelziges Tierchen mit Puschelohren getippt. Der Name hat was Drolliges. Der Preis für die richtige Antwort wäre aber an den gegangen, der sich für ein menschenähnliches, religiöses Symbol prähistorischer Indianervölker entschieden hätte. Da lag ich mit meiner Antwort also dicht daneben. Autor Stefan Feld und/oder Queen Games als Verlag haben dem Spiel dann auch eine entsprechende Startspielerfigur mitgegeben. Wohl auch um Eltern nicht in Erklärungsnot zu bringen, verzichteten sie aber doch bei dem wegen seiner Symbolik für Fruchtbarkeit häufig mit einem überdimensionalen Phallus versehen Männlein auf dieses pikante Detail.

Worum geht es bei Kokopelli?

2-4 Spieler eröffnen mittels identischer Kartensätze Zeremonien, um sie kurz darauf wieder zu schließen. In der Zwischenzeit nutzen sie deren Funktion, die ihnen Vorteile bei der Kartenauslage, im besten Fall aber Punkte bringen.

Kokopelli - Spielsituation - Foto von Axel Bungart

Wie spielt man Kokopelli?

Zu Spielbeginn werden aus 16 Zeremoniearten zufällig zehn herausgesucht. Für diese zehn besitzen alle Spieler je drei Karten, die sie zu ihrem persönlichen Kartenstapel mischen. Fortan haben die Spieler in ihrem Zug zwei Aktionen, von denen die wichtigste das Auslegen von Karten im eigenen Spielbereich ist. Das Besondere: Die Spielbereiche der Spieler überschneiden sich, sodass in einem Spielbereich bis zu drei Spieler auslegen können. Der wichtigste Bereich allerdings sind die eigenen vier Felder, auf denen Zeremonien eröffnet werden können; nur diese bringen dem Besitzer auch den auf den Karten aufgedruckten Vorteil.

Kokopelli - Symbolik auf den Karten - Foto von Axel Bungart

Im weiteren Verlauf werden immer wieder Zeremonien geschlossen, was demjenigen, der sie schließt, meist drei oder vier Siegpunkte bringt. Hat er selbst noch bestimmte Zeremonien geöffnet, erhält er ggf. Extrapunkte. Im Wesentlichen ist es das. An manchen Stellen gibt es weitere einzelne Sonderpunkte zu holen und derjenige, der am Ende die wenigsten Karten in seinem Kartenstapel hat, erhält einen Bonus, der sich durchaus lohnt. Ist der Kartenstapel eines Spielers leer, endet die Partie und es gewinnt, wer die meisten Punkte hat.

Was ist das Besondere an Kokopelli?

Kokopelli sticht zunächst mal grafisch heraus. Das Design des gesamten Spielmaterials ist auf altertümliche Schriftenmalerei abgestimmt – ganz im Sinne des echten Kokopelli-Hintergrunds. So gesehen ist das nicht mal schlecht gemacht. Auch wenn sich das Spiel damit abhebt, sind die teils quietschige Farbenfreude und die Garfikelemente gewöhnungsbedürftig.

Kokopelli - Kartenfächer - Foto von Axel Bungart

Hat man alle Karten für eine Partie herausgesucht, weiß man aufgrund der vollständigen Spielregel, was man tun soll. Die Funktionstexte auf den Zeremoniekarten sind in manchen Fällen verkürzt, sodass man wenigstens einmal die vollständige Regel im Heft gelesen haben muss.

Die Symbolik auf den Karten soll das Verständnis für deren Funktion erleichtern. Doch muss man die Symbole auch erst verstehen lernen, was nicht der Sinn der Sache sein kann. Das gipfelt in der Beschreibung der „Vase“, wo ein ganzer Satz symbolisch dargestellt wird. Damit ist man bei dem, was Symbolik leisten kann und soll, etwas over the top.

Aufmerksamkeit ist gefragt

Spielerisch gibt es Aufs und Abs. Hat man seine Auslage mit möglichst vielen Zeremonien belegt, muss man diese bei seinen, aber auch bei den Zügen der Gegner stets im Auge behalten. Denn man bekommt möglicherweise auch Punkte, wenn Gegner in der eigenen Auslage anlegen: mal einen Punkt für einen angelegten Kokopelli (Joker), mal einen für eine geschlossene Zeremonie. Es läppert sich, und man sollte das keinesfalls übersehen.

Das ist wunderbar interaktiv, und jeder ist zu jedem Zeitpunkt gefordert. Downtime = 0.

Im Spiel zu zweit hapert es leider genau da. Da wird der Vorteil der erweiterten Auslage zum Nachteil. Der Grund liegt darin, dass man in seiner eigenen Auslage keine Zeremonien eröffnen darf, die der Gegner bereits in seiner Auslage liegen hat. Damit blockiert man im Duell seinen Gegner, bis dieser endlich die richtigen Karten nachgezogen hat.

Kokopelli - Schachteleinsatz - Foto von Axel Bungart

Aber schon zu dritt läuft das Spiel rund und je nach Zusammenstellung der Zeremonien entstehen lukrative Kombinationen in der Auslage, was aber ein bisschen davon abhängt, wie die Karten fallen. Der Ablauf ist simpel und über die Spielzüge braucht man nicht lange zu grübeln, womit eine Partie nach einer guten halben Stunde vorbei sein kann.

(K)ein Feld für Kenner?

Stefan Feld stand in den letzten Jahren eher für Spiele mit deutlich gehobenem Anspruch. Mit Kokopelli liegt er eher im gemäßigten Bereich wie einige seiner etwas älteren Spiele. Der Spielreiz besteht in der Auswahl und Kombination der verschiedenen Zeremonien, wodurch sich reizvolle Wechselwirkungen ergeben. Das dürfte eine gute Zeit lang tragen, auch wenn der Ablauf sich nicht groß ändert.

Schachteleinsatz für die Tonne

Kokopelli - nicht geeignetes Inlay - Foto von Axel Bungart

Kopfzerbrechen hat mir dafür der Schachteleinsatz gemacht. Man muss sich ernsthaft fragen, was dieser Einsatz mit dem Spielmaterial zu tun hat. Die Münzen sind ein Millimeterchen zu groß für den Münzslot. Die Spielertableaus sind das einzige, das – rein optisch – in die vorgestanzte Fassung passt. Aber hier ist die Plastikwulst, die die Tableauteile arretieren soll, so wulstig, dass man höllisch aufpassen muss, die obersten Tableaus nicht beim Hineinschieben einzudellen. Die Kartenfächer bieten den Karten kaum Halt. Ehrlich: Das ist ärgerlicher als gar kein Einsatz.

Brettspiel Kokopelli - Schachtel - Foto von Queen Games

Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich insgesamt von Kokopelli einen positiven Eindruck habe, auch wenn es bei niemandem Gefühlsstürme entfacht hat. Es ist wegen seines nicht alltäglichen Designs optisch ansprechend. Die gute Materialqualtität lädt zum Spielen ein; es lässt sich schnell erklären und ist mit einer recht kurzen Spieldauer immer mal eine Partie wert.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2021
Spielkategorisierung
Fotos
Kokopelli - Spielsituation - Foto von Axel Bungart
Kokopelli - Symbolik auf den Karten - Foto von Axel Bungart
Kokopelli - Kartenfächer - Foto von Axel Bungart
Kokopelli - Schachteleinsatz - Foto von Axel Bungart
Kokopelli - nicht geeignetes Inlay - Foto von Axel Bungart
Brettspiel Kokopelli - Schachtel - Foto von Queen Games

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