Das Spiel Landgut stammt von Peter Prinz aus dem Verlag Nanox Games. Ich beseitze darin einen Hof mit Ländereien und bestücke und erweitere diesen. Für erfüllte öffentliche und eigene Aufträge gibt es dann Siegpunkte. Wer zuerst 30 Siegpunkte erreicht, läutet das Spielende ein. Wer dann die meisten Siegpunkte hat, gewinnt. Diese Reduktion auf Siegpunkte wird dem Spiel aber nicht gerecht, also noch ein paar Details.
Mein Hof und mein Landgut

Auf meinem Hof bestimme ich, was passiert. Hier kann mir keiner reinmischen, was ich ganz angenehm finde. Wie ich meine vier Arbeiter einsetze (Worker-Placement), bleibt mir überlassen. Alle Spieler haben hierfür auf ihrem Hof die gleichen Möglichkeiten. Auch kann ich entscheiden, die bisher eingesetzten Arbeiter sozusagen vorzeitig zurückzuholen. Dafür nutze ich die Aktion „Tag beenden“ und erledige hierbei noch was auf dem Markt. Je mehr Arbeiter ich vorher eingesetzt habe, umso größer sind dabei meine Möglichkeiten auf dem Markt.
Den Tag zu beenden, ist eine Zugmöglichkeit, die ich habe. Ich verliere keinen Zug, nur weil ich meine Arbeiter früher zurück hole als meine Mitspieler. In der nächsten Runde bin ich ganz normal dran, kann meine Arbeiter also losschicken oder zurückholen, wie ich es für richtig halte. So bin ich auch hier unabhängig von den anderen Mitspielern und ihren Landgütern.
Hof erweitern
Mein Hof besteht anfangs aus drei Gebieten, gewählt aus fünf Arten von Gebieten (Haus, Garten, Stall, Wiese, Acker). Je Gebiet kann ich unterschiedlich viele Tiere, Pflanzen und Personen (über Karten) dort platzieren. Alles, was ich auf mein Landgut bringe, kann nur auf bestimmten Gebieten untergebracht werden, kostet Zeit ggf. Geld und ist Kategorien zugeordnet wie z. B. Tiere, Bäume, Getreide, Obst, …

Worker-Placement bei Landgut
Dieses Ausspielen von Karten, das Holen von Karten, neue Gebiete und auch das Erfüllen von Aufträgen erfordert bei Landgut Arbeitskraft. So muss ich rechtzeitig planen, dass ich erst die Voraussetzungen für die gewünschten Aufträge erfülle, um dann noch die Aktion zum Erfüllen der Aufträge zu spielen. Ein Spielmechanismus, den ich gerne vergesse (oder ignoriere) und ich meine geplante Aktionsreihenfolge mit einem „Ach ja, die Aktion muss ich auch noch einplanen“ wieder überdenken kann.

Kein Vermehren – kein Problem
Bei Landgut gibt es keine Vermehrung. Weder bei den Tieren noch bei den Arbeitern. Ich bestreite das ganze Spiel mit meinen vier Arbeitern und hole über Karten die Tiere auf meinen Hof. Das ist ein guter Mechanismus, weil hierdurch alle Spieler immer gleich viele Aktionen/Züge haben. So bleibt jeder auf seinem Hof und Landgut und niemand streitet sich um das womöglich einzige Feld zum Vermehren. Dies sorgt für eine gute Ausgewogenheit.
Einfluss auf andere Spieler
Bei Landgut gibt es zwei gemeinsam genutzte Bereiche. Zum einen die öffentlichen Aufträge bei der Siegpunktleiste und die Auslage von Karten, die ich für meine Handkarten auswählen darf. Damit beschränken sich die gegenseitigen Einflussbereiche auch schon. So habe ich Einflüsse von außen, die aber nicht mein gesamtes Spiel kaputt machen.
Manchmal kann ich auch mal flott meinen Zug umplanen, wenn der Spieler zuvor am Zug gleich mal vier von sieben Karten aus der Auslage nimmt. Dies wird natürlich wieder aufgefüllt, aber der von mir favorisierte Kirschbaum könnte dann weg sein.
Ein interessanter Spielmechanismus hierbei ist, dass ich mir oft nebeneinanderliegende Karten aussuchen muss. So ist meine Auswahl dann beschränkt. Da ich aber nicht weiß, welche Siegpunktmöglichkeiten mit zusätzlichen Gebieten aufgedeckt werden, kann ich hier dann Glück oder Pech haben. Und im Zweifel verkaufe ich die Karte an den Ablagestapel.

Aufträge für mich und andere
Es gibt die öffentlichen Aufträge unterhalb der Siegpunktleiste, die jeder erfüllen kann. Hier gilt, wer schneller ist, hat die größere Auswahl an Belohnungen. Aber jeder kann immer in allen Kategorien einen Auftrag erfüllen, nur dann halt mit der geringeren Belohnung/Anzahl an Siegpunkten. Dazu hat jeder Mitspieler auf seinen ausgelegten Gebieten jeweils eine Möglichkeit einen Auftrag zu erfüllen. Es ergeben sich hieraus wiederum viele Varianten, selbst an Siegpunkte zu kommen und die eigene Spieltaktik zu planen und umzusetzen.
Aufträge schalten Aktionsfelder frei
Das Erfüllen von Aufträgen gibt mir auf der einen Seite die Siegpunkte für die Endwertung bei Landgut. Auf der anderen Seite erhalte ich durch ein oder zwei erfüllte Aufträge weitere Aktionsfelder auf meinem Hof freigeschaltet, so dass ich für meine vier Arbeiter nun mehr Möglichkeiten habe, diese einzusetzen oder ich schalte mir weitere Optionen für den Markt frei. Auch hier ist jeder Spieler selbst am Zug und kann sich die Reihenfolge der freigeschalteten Optionen selbst aussuchen.
Landgut: Das Regelheft hat Verbesserungspotential
In der Spielanleitung ist alles erklärt, aber hier und da fehlt eine gewisse Durchgängigkeit. Für das erste Lesen der Regeln eine der mitgelieferten Übersichtskarten bereitlegen und das Zugbeispiel hinten parat halten. Dann klappt auch das.
Im Regelheft können die Startaufstellung und die zugehörigen kleinen Kreise deutlicher dargestellt werden. Zudem sollten alle Symbole separat erklärt werden. Gerne auch sortiert (z. B. hiermit sind alle Tiere gemeint, dies sind die unterschiedlichen Tiere: Huhn, Hahn, Kuh, Katze, Hund, …). Dies muss ich mir teilweise herleiten.
Bei den öffentlichen Aufträgen unterhalb der Siegpunktleiste kann ich pro Kategorie auch nur einen Auftrag erfüllen. So kann im Bild keiner der drei Spieler noch in der Mitte 6x ≠Tiere, also sechs verschiedene Arten von Tieren zu besitzen, weil alle drei Spieler bereits den Auftrag unterschiedliche Tiere erfüllt haben, nur mit einer geringeren Anzahl und damit geringerer Belohnung.
Keine Linkshänderkarten
Die Symbole sind in der typischen Rechtshänderhaltung oben aufgedruckt. Da genügend Platz ist, können diese in der nächsten Auflage mit aufgedruckt werden.
Schöne Gestaltung
Landgut ist durchweg schön gestaltet. Die Bilder sind gut gezeichnet und das Spiel hat einen durchgängigen eigenen Stil, der bereits an der Verpackung zu erkennen ist. Die Spielfiguren und Auftragsmarker haben hierzu eine passende Färbung und sind nicht typisch blau-rot-gelb. Außer auf der Siegpunktleiste und bei den öffentlichen Aufträgen treffen die Holzmarker zusammen, so ergab sich in meinen Spielen für diese Rezension bisher auch keine Verwechslung.

Mehrere Wertungsmöglichkeiten – abwechslungsreich
Es gibt in jedem Spiel die Möglichkeiten, in sieben bis zehn öffentlichen Kategorien an der Siegpunktleiste Punkte zu sammeln. Diese Kategorien können in Zweier- bis Vierer-Gruppen (als Pappplättchen) vor dem Spiel ausgewählt werden und unter der Siegpunktleiste fixiert werden. Damit ergeben sich 48 vorgeschlagene mögliche Kombinationen von bis zu 192. Und falls ich mich hier verrechnet habe, dann sind es bitte einfach sehr viele Kombinationen.
Die Solovariante von Landgut
Die Solovariante spielt sich ähnlich zur Mehrspielervariante und steht dieser keinesfalls nach. Die gegenseitigen Störungen/Interaktionen in der Mehrspielervariante sind, wie bereits erwähnt, eher gering.
Auf der Siegpunktleiste bleibt mir natürlich immer die volle Auswahl. Durch ein passendes Zeitlimit von sechs Tagen und einem Wechsel der öffentlichen Kartenauslage pro Spieltag, finde ich das Solospiel hier sehr gut gelungen. Die Variantenvielfalt über Siegpunktbedingungen und zufälliger Kartenauswahl, wie beim Mehrspielermodus, bleibt auch hier die Varianz für ein wiederholtes Spielerlebnis erhalten.
Macht Landgut Spaß?

Landgut – eigene Hofgebiete mit ausgelegten Karten, Bild Stephan O.Landgut ist für mich ein abwechslungsreiches und stimmiges Spiel, welches seinen Reiz bei ein bis vier Spielern behält. Durch die vielen Wahlmöglichkeiten zu den Siegpunktbedingungen, der Vielzahl von Gebieten und Karten sowie meinen Entscheidungen, wie ich meinen Hof für meine Arbeiter erweitere, ergeben sich für mich bei jeder Partie neue Herausforderungen. Einzig die Anleitung war im mittleren Teil zäh zu lesen. Sobald dies überwunden war, fluppte das Spiel.
