Locus: Ausschnitt, Foto Tuckers Fun Factory

Selten habe ich als Rezensent Spiele aus unserem Nachbarland, den Niederlanden, auf dem Tisch. Mit Locus von Stan van Rooijen gibt es nun Asmodee sei Dank ein Flip & Write  aus dem Verlag Tucker’s Fun Factory in einer deutsch lokalisierten Fassung. „Wählen – Zeichnen – Punkten!“ lautet hier die Devise.

Worum geht es beim Flip & Write Locus?

Das Spielprinzip ist einfach: Aus einer Kartenauslage (Spieleranzahl plus eins) wählen die Spieler reihum eine Karte aus, auf der eine aus Tetris bekannte Form in einer von fünf Farben dargestellt ist. Diese fünf Farben finden sich auch auf dem Wertungsblock jedes Spielers als eigener Bereich wieder.

Wähle ich die Karte mit der roten „T“-Form, dann darf ich sie in dem roten Bereich einzeichnen. Jeder der Bereiche hat dabei eigene Regeln, wo ich mit dem Zeichnen beginnen darf. Meist sind diese Startfelder durch stärker umrandete Felder gekennzeichnet. Habe ich einmal angefangen, darf ich aber im nächsten Zug daran orthogonal angrenzend weiterzeichnen. Drehen und Spiegeln der Form sind dabei immer erlaubt. Es gibt auch Karten in Regenbogenfarben, die als Joker in jeden Farbbereich gezeichnet werden dürfen.

Auf das richtige „Write“ nach dem „Flip“ kommt es bei Locus an

Wie so oft bei dieser Art von Spiel kann ich bei Locus durch geschicktes Einzeichnen meiner Form Bonusfelder freischalten, die es mir erlauben, z. B. in einem andersfarbigen Bereich ein oder zwei Felder anzukreuzen, oder eine Münze zu erhalten. Münzfelder befinden sich ebenfalls auf dem Wertungsblock und von diesen hat jeder Spieler bereits bei Spielbeginn eine zur Verfügung. Mit Münzen kann ich jederzeit in meinem Zug besondere Dinge tun. Gebe ich eine Münze aus, darf ich die Farbe meiner Form ändern, gegen Abgabe von zwei Münzen darf ich zwei einzelne Felder irgendwo ankreuzen und bei drei Münzen darf ich die übriggebliebene Karte verwenden, habe also einen weiteren Zug.

Locus: Material, Foto Tuckers Fun Factory

Die Schlusswertung bei Locus

Münzen kann ich bei Locus auch erhalten, indem ich Karten auswählen, auf denen diese abgebildet sind, oder in dem ich auf einen Zug verzichte, d. h., die gewählte Karte abwerfe. Eine Partie Locus läuft abhängig von der Spieleranzahl über eine feste Anzahl von Runden. Am Ende der letzten Runde dürfen alle noch Münzen ausgeben und dann wird die Schlusswertung ausgelöst.

Jeder Bereich hat bestimmte Regeln, um dort Punkte zu erhalten. Im gelben Bereich muss man horizontale Reihen vollständig bemalt haben, im violetten Bereich sollte ich möglichst viele der dort verteilten Startpunkte miteinander verbunden haben. Der rote Bereich besteht aus vier kleinen Bereichen, die Punkte bringen, wenn man sie vollständig ausgemalt hat. Im grünen Bereich gibt es nur Punkte, wenn man die Endfelder der stark verzweigten Form erreicht hat und im blauen Bereich, der nur drei Felder breit, dafür aber 22 Felder hoch ist,  geht es nur darum, möglichst hoch hinaus zu kommen.

Locus ist kniffeliger als es scheint

Durch diese Punktebedingungen wird das eigentlich einfache Ausmalen doch zu einer recht kniffligen Angelegenheit, möchte man doch die optimale Punkteausbeute erzielen. Wie eigentlich bei allen Flip & Write-Spielen ist das ein sehr solitäres Spielgefühl, denn Interaktion gibt es eigentlich keine, bis auf das Auswählen und Wegschnappen der Karten am Rundenbeginn. Danach malt jeder vor sich hin. Ob das regelgerecht passiert, entzieht sich meist der Kontrolle durch die anderen Spieler.

Was ich bereits in meiner Rezension zum Roll & Write Riverside beschrieben habe, gilt auch hier: Die Kettenzüge, die durch das Ankreuzen der Boni entstehen, lassen leicht den Überblick verlieren. Ansonsten spielt sich Locus sehr locker in einer halben Stunde runter. Der dicke Wertungsblock dürfte für eine Menge Partien reichen und der beigelegte Holzstern als Startspielermarker ist wertiger als ein Pappmarker.  Es gibt sogar eine Solovariante mit eigener Wertungskarte.

Ein gelungenes Familienspiel

Locus: Schachtel, Foto Tuckers Fun Factory

Bleibt noch der merkwürdige Name. Locus ist lateinisch und bedeutet „Platz“ oder „Ort“, hat also etwas mit dem Platzieren der Form auf unserem Block zu tun und sollte keinesfalls mit dem deutschen „Lokus“ (dem stillen Örtchen) verwechselt werden. Ein Griff ins Klo ist Locus nämlich überhaupt nicht, sondern ein gelungenes Familienspiel.

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