Die Spiele von Heldbergs Games zeichnen sich alle durch einen einheitlichen Look aus, der sie aus der Masse der Standardspielschachteln heraushebt. Braune Faltkartons, die im Siebdruckverfahren gestaltet sind, Regeln auf etwas Packpapierähnlichem, Spielkarten aus Kraftpapier und weiteres Material abseits der Norm. Bei Love Hotel Manager von Thade Precht (Illustrationen: Christian Bögle) gibt es neben den Karten noch einen Facility Manager aus bemaltem Buchenholz und zwei Metallschrauben nebst Muttern. Dazu in der auf 999 Exemplare limitierten und händisch durchnummerierten Auflage noch weitere Goodies, wie eine signierte Klappkarte, ein Poster und einen „Do Not Disturb!“-Türanhänger.
Info zu Heldbergs Games
Vielen Spielbegeisterten ist der Name Habermass durchaus ein Begriff, auch wenn man eher das Kürzel HABA kennt. Mit der Firma verbindet man pädagogisch wertvolles Spielzeug und natürlich auch Spiele, die eher im Alterssegment von (Klein-)Kindern angesiedelt sind. Der ehemalige Geschäftsführer Volker Habermaass aus der Eigentümerfamilie hegt eine große Liebe zu Japan und hatte vielleicht irgendwann das Gefühl, mal etwas ganz anderes machen zu wollen als kindgerechte, quietschbunte Spiele. Anders lässt sich nicht erklären, dass die Spiele seines Verlags Heldbergs Games eine ganz gegensätzliche Richtung einschlagen.
Gemeinsam mit einem kleinen Team von vier weiteren Verrückten (Eigenbezeichnung!) erschaffen sie Spiele, die von einem sehr speziellen, derben Humor leben. Dazu verrückte Stories und Comicgrafiken im Japan-Stil und schon hat man ein Spiel wie Love Hotel Manager, geeignet laut Spielregel für 2-4 Hardcore Facility Manager von plus/minus 37 Jahren.

Das Thema von Love Hotel Manager
Und worum geht’s jetzt? Unser Love Hotel hat fünf Etagen, die vor uns in der Mitte als aufsteigend nummerierte Karten ausliegen. Unser hölzerner Hausmeister mit dem Wischmopp wandert nun von der Lobby aus immer Etage für Etage hoch und dann wieder runter. Damit er das kann, müssen wir Karten ausspielen. Jeder hat davon sechs auf der Hand. Neben den Karten, die links oben die Nummer der Etage tragen, gibt es noch weitere, auf die ich gleich eingehe.
Das Wandern der Figur nennt sich hier „Putzaufträge erfüllen“. Um das tun zu können, spiele ich Karte für Karte aus, um den Putzteufel zu bewegen. Ich beginne also idealerweise mit einer Eins und – sofern sich sie auf der Hand habe – kann ich dann weitere Karten in der richtigen Reihenfolge ausspielen, also zwei, drei, vier und fünf, dann dreht sich die Holzfigur um und geht wieder rückwärts die Etagen runter. Habe ich keine passenden Karten, muss ich aussteigen und fülle meine Hand wieder auf sechs Karten auf. Das ist im Grunde das simple Spielprinzip.

Simple Regel: Wisch den Mopp rauf und runter
Karten, die vor mir ausgelegt werden, bringen am Ende Punkte, also möchte ich davon so viele haben wie möglich. Weitere Karten sind die „Kehrtwende“, mit der ich die Spielfigur unvermittelt die Richtung ändern lasse, „Stress“, mit der ich die Aktionen meiner Mitspieler verhindern möchte, „Storno“, die mir einfach die Kartenhand zumüllt und „P.O.R.N.O.“*, deren Ausspielen ein kleines Sonderspielchen im Spiel startet. Ansonsten darf ich immer zwei gleiche Karten als Joker für einen Putzauftrag verwenden. Allerdings kommt dann nur eine davon auf meinen Sammelstapel, die andere wird auf einen offenen Ablagestapel, die „Dachterrasse“ gelegt.
Sobald ich in meinem Zug die „P.O.R.N.O.-Karte“ spiele, geschieht folgendes: Ich lege zunächst eine Schraube oder Mutter auf den Nachziehstapel (die „Hotellobby“) und blockiere diesen damit. Alle spielen dann normal weiter mit dem Unterschied, dass niemand mehr Karten nachziehen darf. Wer keine Karte mehr ausspielen kann, legt seine Hand verdeckt neben den eigenen Sammelstapel. Das geht so lange, bis eine Runde lang niemand mehr eine Karte ausspielen konnte. Der letzte Spieler, der eine Karte legen konnte, erhält dann alle Karten der Dachterrasse zusätzlich auf seinen Sammelstapel. Dann wird die Schraube vom Nachziehstapel entfernt und es geht normal weiter. Ist der Nachziehstapel leer, wird das Spielende eingeläutet, bis niemand mehr Karten spielen kann oder will. Der Spieler mit den meisten Karten im Sammelstapel gewinnt.
Illustrationen: Oha! Material: Naja

Soviel zum Mechanismus des Spiels. Das lässt sich locker runterspielen und dauert dann ca. 20 Minuten. Kommen wir mal zur Gestaltung/zum Material.
Viele der Handkarten sind sexuell sehr eindeutig illustriert, weswegen wir sie hier auch nur zensiert zeigen.
Passt natürlich zum Thema Bordell, äh … Love Hotel, ist aber definitiv nichts für Kinder. Obwohl meine Spielrunde aus Personen weit jenseits der 37 Jahre besteht, versetzten uns die Illustrationen in ungläubiges Staunen. Man sollte also den derben Humor der fünf Verrückten von Heldbergs teilen, um daran Spaß zu haben. Die Handkarten bestehen wie schon erwähnt aus Kraftpapier, von dem ich sicher bin, dass es fettige Finger nach Chipskonsum am Spieltisch nicht besonders gut verkraften wird. Die Spielermarker in Form von Schraube und Mutter wurden wahrscheinlich auch nur deshalb gewählt, weil sich damit wieder einige grafische Sexreferenzen einbauen lassen.
Love Hotel Manager: Taugt’s was?

Alles in allem funktioniert Love Hotel Manager und bietet Dank mancher Kartenfunktion eine gewisse taktische Tiefe. Man merkt auch, dass der Verlag extrem viel Liebe in die gesamte Gestaltung investiert. Aber ich gehöre wahrscheinlich einfach nicht zur Zielgruppe. Dass der Verlag durchaus auch familientaugliche Spiele im Programm hat, beweist unsere Rezension von Catch the Wave.
*P.O.R.N.O. steht übrigens für „Politiker, Oyabun, Richter, Numismatiker, Ordensschwestern“
