Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Stichspiele Jahr für Jahr auf den Markt kommen. Und jedes Mal denkt man sich: Da kann doch jetzt eigentlich keine neue Idee drinstecken, die man noch nirgendwo anders gesehen hat. Und häufig wird man dann eines Besseren belehrt. Bei anderen Gelegenheiten kommen einem die Kniffe aber aus anderen Spielen bereits bekannt vor. So auch bei Lumen, einem Familienspiel von Taiki Shinzawa, erschienen bei Pegasus.
Worum geht es beim Stichspiel Lumen?
Lumen ist eine Neuauflage von Luz, das Shinzawa bereits 2014 erstmals beim japanischen Verlag Korokorodou herausgebracht hat. Mit 11 Jahren Verspätung und überarbeitetem Regelwerk ist es nun auch in Deutschland angekommen.
Stiche tippen mit Kniff
Im Kern geht es darum zu tippen, wie viele Stiche man insgesamt in je vier Runden gewinnen wird. Dazu liegen dem Spiel gelbe Glassteine bei, mit denen ich die Anzahl der geplanten gewonnen Spiele vor mir reserviere. Der Kniff ist, dass ich meine eigenen Handkarten nicht sehen kann. Ich muss sie so halten, dass nur die Mitspieler die Zahlenwerte sehen können. Die Farben allerdings sind auch mir bekannt. Jeder Spieler sortiert zunächst seine 10 Karten nach Farben und innerhalb der Farben aufsteigend von links nach rechts. Eine gesonderte Plus-Karte legt sicherheitshalber nochmal fest, auf welcher Seite die hohen Werte liegen. Dann werden die Karten an den nächsten Spieler im Uhrzeigersinn weitergegeben.
Konkurrenz einschätzen

Und hier kommt schon die erste Schwierigkeit bei Lumen: Die Karten so aufzunehmen, dass man sie eben nicht selbst sehen kann. Reflexartig nehmen aber manche Mitspieler die Karten falsch herum auf, weil man das eben so gewohnt ist und schon kann man die ganze Kartenverteilung wieder von vorne beginnen. Hat es dann endlich geklappt, beginnt die Sichtung der gegnerischen Karten. Dazu müssen aber alle ihre Karten ordentlich auffächern und vor allem sichtbar vor sich halten. Auch hier kommt es häufiger zu Koordinationsschwierigkeiten. Und dann muss man eben überlegen: Was haben die Gegner auf der Hand, was habe ich wohl selbst? 10 Karten sind pro Runde nicht im Spiel, also kann man sich über die eigene Kartenhand nicht zu 100 % sicher sein.
Glassteine und bekannte Regeln
Haben alle lange genug nachgedacht, beginnt der erste Spieler, sich per Glassteinauswahl festzulegen, wie viele Stiche von ihm gewonnen werden. Neben den gelben Steinen gibt es auch einige blaue, die man sich als Sicherheitsoption zusätzlich nehmen kann. Damit kann man anzeigen, dass man vielleicht versehentlich noch einen Stiche mehr macht als eigentlich geplant. Und dann spielen wir einfach die 10 Stiche nach den üblichen Stichspielregeln runter. Gelb ist bei Lumen immer Trumpf, ansonsten folgt das Spiel den typischen Regeln. Gewinne ich einen Stich, lege ich die Karten verdeckt auf einen Stapel und lege meinen Glasstein darauf. Haben alle die 10 Stiche gespielt, schauen wir gemeinsam, ob die jeweilige Planung aufgegangen ist.
Punkte kassieren bei Lumen
Entspricht die Anzahl der Stiche genau der Anzahl der gelben Glassteine, gibt es die volle Punktzahl. Diese beginnt bei 10 und steigt in den folgenden drei Runden immer um 10 an. In Runde vier erhalte ich also 40 Punkte für eine exakte Übereinstimmung. Habe ich einen blauen Extrastein benutzt, geht mein Tipp auch dann auf, wenn ich die Anzahl der gelben Steine korrekt getippt habe – oder eben noch einen weiteren Stich gewonnen habe. Der Preis für dieses Sicherheitsnetz ist aber, dass ich nur die Hälfte der Punkte pro Runde erhalte. Liege ich mit meiner Voraussage daneben, dann erhalte ich für jeden Stich weniger oder mehr 5 Punkte Abzug.
Nach vier gespielten Runden wird mit dem beiliegenden Wertungsblock der Gesamtsieger bei Lumen ermittelt. Da es jede Runde mehr Punkte gibt, kann man Rückstände aus der ersten Runde also noch locker aufholen.
Lumen wirkt vertraut und dennoch frisch

Lumen ist abstrakt, aber natürlich hat man sich auch hier für eine Hintergrundstory entschieden. Wir sind Glaskünstler, die Buntglasfenster erschaffen möchten. Daher sind die Karten in ihrer Gestaltung solchen Fenstern nachempfunden. Sie sind schön groß und ansprechend gestaltet, allerdings empfinden einige Spieler die Farben Blau und Lila bei gedimmter Beleuchtung als zu ähnlich. Es sind aber auch Symbole je Farbe auf den Kartenecken abgebildet, sodass es da eigentlich nicht zu großen Verwechslungen kommen sollte. Auch die Art, seine Karten zu fächern, ist bei Links- und Rechtshändern unterschiedlich. Aber durch die Pluskarte gibt es ja eine optische Hilfe, auf welcher Seite die hohen Karten liegen.
Lumen bringt tatsächlich einen frischen Kniff in das Stichspiel-Genre, auch wenn man das Spielen mit der unbekannten Kartenhand z. B. schon von Hanabi und ähnlichen Deduktionsspielen kennt. Trotzdem macht es Spaß und lebt natürlich viel von der Schadenfreude, wenn die Planung der Gegner nicht aufgeht.
