Matter Matters

Matter Matters

von Eva Timme
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Stechen im Gleichgewicht – hier reicht es nicht, Stiche zu machen. Mein erster Eindruck von dem Kartenspiel von Tsutomu Dejima (Amigo Spiele) war zwiegespalten. Ich spiele sehr gerne Stichkartenspiele, aber die Grafik von Matter Matters hat mich nicht wirklich abgeholt. Die Grundregel gleicht einem normalen Stichspiel: 44 Zahlenkarten werden reihum ausgespielt und wer am höchsten sticht, gewinnt den Stich und damit das nächste Anspiel.

Besonderheiten dieses Stichspiels Matter Matters

So weit, so gut – doch jede Karte hat zwei Werte aufgedruckt – einen gelben und einen lila Wert. Diese beiden Zahlen addieren sich immer zu 45: Eine gelbe 44 bedeutet also automatisch eine lila 1 auf derselben Karte. In jedem Zug kann ich mich neu entscheiden, mit welcher Farbe ich meine Karte ausspielen will. „Ich sag‘ Lila!“, ruft mein Neffe und knallt seine Karte auf den Tisch, während seine Schwester noch überlegt, welche ihrer Handkarten in Lila in diesem Stich nun überhaupt etwas taugt, denn in dieser Runde muss Lila bedient werden. Wer den höchsten Lila-Wert ausspielt, gewinnt den Stich.

Matter Matters - Spielkarten | Quelle: Verlag
Matter Matters – Spielkarten | Quelle: Verlag

So spielen wir nach und nach die Stiche aus und schon bald wird uns klar, dass hier die Ziele doch deutlich anders sind. Es geht gar nicht um Stiche, sondern um ein perfektes Gleichgewicht. In der Spielvorbereitung haben wir alle eine „Gleichgewichtskarte“ bekommen und legen nun unsere Stiche auf die farblich passende Seite der „Waage“ – lila Stiche auf die eine Seite, gelbe Stiche auf die andere.

Ich habe schon zwei Lila Stiche, noch einen lila Stich will ich auf keine Fall bekommen. Ich brauche dringend gelbe Stiche. Doch um ans Spiel zu kommen, wenn alle anderen weiter Lila anspielen, muss ich wohl oder übel noch einmal mit Lila hoch rein gehen … oder hoffe eben, dass jemand gelb anspielt. Ich entscheide mich, eine hohe 37 in lila zu spielen, denn ich habe noch drei recht hohe gelbe Karten. Vielleicht gelingt es mir, mit diesen Karten noch drei gelbe Stiche zu gewinnen.

Siegpunkte und Rundenende

Habe ich am Ende meines Durchgangs gleich viele Stiche auf beiden Seiten meiner „Gleichgewichtskarte“, so bekomme ich Pluspunkte in der Höhe aller meiner Stiche – bei drei gelben und drei Lila Stichen wären das fette 6 Punkte. Das Risiko ist es mir wert. Erreiche ich kein Gleichgewicht, so kassiere ich die Differenz der Stiche aus beiden Farben als Minuspunkte.

Ich bekomme tatsächlich den dritten lila Stich und dann bringe ich meine drei hohen gelben Karten auch noch durch – super! Das sind sichere sechs Punkte, denke ich und spiele eine lila 7 an. Da wird wohl jemand drüber kommen. Leider nicht – und schon habe ich einen Minuspunkt, statt 6 Pluspunkte. Egal, in Gelb habe ich noch eine 15. Vorhin hatte ja auch keiner mehr hohe gelbe Karten. Schade, meine Nichte sticht mit einer 21; diese hat sie sich wohl aufgehoben und hat so aus ihrem Minuspunkt, den sie bis gerade hatte, mal eben 4 Pluspunkte gemacht.

Matter Matters: nicht richtig neu, aber unterhaltsam

Ich habe selten erlebt, dass ein einfaches Stichspiel am Küchentisch für so viel konzentriertes Nachdenken sorgt wie Matter Matters. Plötzlich will niemand mehr einfach nur stechen – „Will ich den Stich überhaupt haben?“, fragt sich meine Tochter mitten im Spiel und legt bewusst  eine niedrige Karte. Genau dieses Umdenken ist reizvoll: Wer nur auf hohe Werte schielt, gerät schnell ins Ungleichgewicht, während vorsichtiges Abwägen am Ende oft mehr bringt. Gespielt wird so oft, wie Personen am Tisch sitzen, danach werden die Punkte addiert.

Zu zweit gibt es zwar eine eigene Regel, diese hat mich aber nicht überzeugt.  Hier gewinnt, wer die kleinere Differenz zwischen den Farben hat und zuerst zwei Durchgänge gewinnt, gewinnt auch die Partie.

Matter Matters - Spieleschachtel | Quelle: Verlag
Matter Matters – Spieleschachtel | Quelle: Verlag

In einer größeren Runde kann ich unliebsame Stiche geschickt an andere „verschenken“, oder bewusst eine kleine Karte spielen und so die Pluspunkte mal eben in Minuspunkte verwandeln. Ein „nettes Spiel“ ist Matter Matters nicht. Dieses Stichspiel erfindet das Rad nicht neu, aber als Absacker ist es schnell gespielt und unterhaltsam.

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