Men-Nefer: Ausschnitt des Titels, Bild: Pegasus Spiele

Es gibt viele Spiele über Ägypten. Bei den meisten von ihnen werden Pyramiden gebaut. Allenfalls auch mehrere. Bei anderen geht es um Grabkammern. Oder die Sphinx. Oder alle möglichen Götter. Meist sind wir damit je einzeln bereits gut ausgelastet und haben alle Hände voll zu tun. Bei Men-Nefer von Germán P. Millán (Pegasus Spiele) dagegen kommt alles zusammen und gewissermassen die ganze Ladung auf einen Schlag im selben Spiel daher.

Ein toller Brocken: Worum geht es bei Men-Nefer?

Eine Art Super-Ägypten-Spiel und Abenteuer also mit einer enormen Bandbreite an Inhalten und Aufgaben! Doch alles ist wunderbar ineinander verzahnt und trotzdem sehr übersichtlich – wenn erst einmal der Einstieg ins umfangreiche Regelwerk und der Überblick über das ganze Spielgeschehen und all die Möglichkeiten und Aufgaben geschafft sind.

Denn Men-Nefer ist riesig. Inhaltlich wie auch äußerlich.

Die Schachtel ist randvoll mit allem möglichen Zubehör sowie Tableaus und Plättchen in jeder Größe und Art gefüllt. Der große Spielplan in der Tischmitte weist verschiedene Bereiche für die einzelnen Themenfelder und Aktionsgebiete auf wie eben den Tempelbau, die Mumien und alles andere. Zudem erhalten wir jeder ein Verwaltungstableau mit weiteren Abstell- und Ablagefeldern. Da den nötigen Platz und Durchblick zu finden, ist nicht ganz einfach.

Men-Nefer: Spielbrett, Bild: Pegasus Spiele

Immerhin ist die Anleitung wirklich fantastisch und erläutert auf 20 Seiten sehr gut und anschaulich, wie alles vorzubereiten ist und das Spiel später ablaufen wird. Und spätestens da zeigt sich: Men-Nefer ist ein echter Brocken und man weiß kaum, wo anfangen mit all den Facetten des Spiels. Aber genau das ist es ja letztlich, was wir an solchen Krachern mögen.

Und Men-Nefer lieben alle, mit denen ich es bisher gespielt habe.

Der Ablauf beim Brettspiel Men-Nefer

Der Verlauf der Partie gliedert sich bei Men-Nefer in drei Zeitalter, in denen wir je neunmal am Zug sind. Jedes Zeitalter besteht seinerseits aus drei Phasen, die den ägyptischen Jahreszeiten entsprechen sollen: Überschwemmung, Aussaat und Ernte. In der ersten Phase erhalten wir Fische als Nahrung entsprechend der Position unserer Boote auf dem Nil sowie Heka, in der nicht nur übersichtlichen, sondern auch sehr informativen Anleitung als Gott der Magie und der Medizin vorgestellt. Beide Ressourcen dienen als Zahlungsmittel für spätere Aktionen.

Diese folgen in der Phase Aussaat in Form eines Worker-Placement-Geschehens auf gleich zwei Ebenen. Das Einsetzen unserer Spielfiguren, die sog. Lehrlinge, ist nämlich mit dazugehörenden Spielplättchen bzw. den Vorteilen und Aktionen der jeweiligen Einsetzfelder verknüpft, die in den unterschiedlichen Bereichen des großen Spielbretts zu finden sind. Daraus ergibt sich ein überaus trickreicher Strauß von möglichen Aktionen, bei denen das richtige Timing von zentraler Bedeutung ist.

Men-Nefer: Pyramidenbau, Bild: Pegasus Spiele

Die Optionen bei Men-Nefer

Dabei stehen drei mögliche Optionen offen, von denen in jedem Zug stets eine auszuwählen ist:

  • Besuch des Lebenshauses: Dazu nehme ich einen meiner Lehrlinge vom perönlichen Ablagetableau und stelle ihn in der Mitte des Spielplans auf das Start-bzw. Sonnenfeld einer von fünf Reihen. Diese entsprechen den zentralen Aktionssträngen und Tätigkeitsgebieten von Men-Nefer, also Pyramidenbau, Sphinxe und alles übrige (vgl. oben). Stehen dort schon andere Lehrlinge, muss ich Nahrung für meinen Neuankömmling abgeben. Überdies lege ich das zum Lehrling gehörende Spielplättchen von meinem Tableau in eine spezielle Wartereihe auf dem Spielplan. Zuvor aber darf ich noch die auf dem Plättchen aufgeführte Aktion ausführen (die eine ganz andere sein kann als jene der Zeile, in die ich den Lehrling stelle, aber das nur so nebenbei).
  • Steigerung der Spezialisierung: Hier verschiebe ich einen meiner schon auf einem Sonnenfeld platzierten Lehrlinge auf das benachbarte Mondfeld derselben Zeile und verbessere so die Stärke der jeweiligen Aktion für den Rest der Partie. Sind auf dem Mondfeld schon andere Lehrlinge, muss ich erneut Nahrung bezahlen. Zudem verschiebe ich meinen Stärkemarker dieser Zeile um ein Feld und darf dann auch gleich die jeweilige Aktion in der neugewonnenen Stärke ausführen.
  • Rücknahme eines Aktionsplättchens: Habe ich schon ein leeres Feld auf meinem Tableau (vgl. oben 1), darf ich ein ausgewähltes Aktionsplättchen in der Wartereihe auf mein Tableau zurückholen, unter Abgabe oder Erhalt von Nahurung je nach Position des Plättchens in der Wartereihe. Zusätzlich erhalte ich einen kleinen Zusatzbonus, wenn spezielle Markierungen des neuen Plättchens mit den dazugehörenden Angaben auf meinem Tableau übereinstimmen.

Men-Nefer: Sphinx, Bild: Pegasus Spiele

Jede dieser drei Optionen führe ich in jedem der drei Zeitalter je dreimal durch, was insgesamt neun Spielzüge ergibt. Deren Reihenfolge ist weitgehend frei, jedoch ziemlich wichtig und allenfalls entscheidend. Denn es kann eine große Rolle spielen, ob ich den anderen zuvorkomme und ausgewählte Plättchen oder Einsetzfelder oder andere Vorteile wegschnappe oder aber hintendreinhinke und Nachteile erleide wie die Abgabe von Nahrung oder anderes – nur kann halt nicht alles Gewünschte auf einmal getan werden. Und da gilt es dann zu schauen, was die anderen am Tisch anstreben könnten, was für mich alles von größter Wichtigkeit ist und was eher weniger (wobei es solches kaum geben dürfte!).

Es ist bei allen Optionen am Ende ein friedliches Spiel

Dabei ist Men-Nefer keineswegs aggressiv oder gar destruktiv; alles läuft mehr oder weniger friedlich auf dem zentralen Spielplan. Nur halt im permanenten Wettstreit mit den anderen im Kampf um die besten Einsetz- und Ertragsfelder und mit permanentem Überlegen, was wann getan werden müsste und wo mir welche Risiken und andere Nachteile drohen könnten.

Selbstverständlich gibt es noch viele weitere Besonderheiten und Miniregeln für den Bau der Pyramiden und die Errichtung der Sphinxe und alles übrige, das es in Ägypten bzw. in Men-Nefer halt so zu tun gibt. Aber da verzichte ich der Einfachheit halber einfach mal auf zusätzliche Einzelheiten und Erläuterungen.

Es ist ein unglaublich befriedigendes Ergebnis

Viel wichtiger ist dagegen die Erkenntnis, dass Men-Nefer kein Spiel für „einfach so“ ist, jedoch unglaubliche Befriedigung verschafft, wenn alles gut gelaufen und gelungen ist. Und selbst alle anderen, weniger Erfolgreichen verspüren meist viel Freude am Erreichten. Denn ingesamt wird bei Men-Nefer stets viel aufgebaut und erreicht und das ist immer schön.

Brettspiel Men-Nefer: Schachtelgrafik, Bild: Pegasus Spiele Ebenso erfreulich ist, dass am Ende keine Schlussabrechnung mit dem berüchtigten Punktesalat folgt, also eine unüberblickbare Ausschüttung von Siegpunkten für alles Mögliche im Spiel. Stattdessen zählt einzig, was im Verlauf der Partie erzielt und einkassiert wurde.

Überhaupt gibt es im ganzen Spiel kaum getrübte Emotionen, weder durch feindselige Entwicklungen im Spiel noch durch Ressourcenengpässe oder andere Notlagen. Vielmehr gibt es bei Men-Nefer eine Art Übermaß an Möglichkeiten, aus denen die jeweils passende auszuwählen ist. Das verstärkt das positive Spielgefühl in jeder Partie und hebt Men-Nefer in die Beletage der aktuellen Expertenspiele hoch. Ein absolutes Meisterwerk!

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