Ist Mischwald nicht ein sehr entspanntes und dennoch äußerst spannendes Vergnügen? Wie mag dann Mischwald: Dartmoor sein? Das ist eigenständig spielbar und stammt natürlich wieder von Kosch (Lookout Spiele).
Das Fazit der Rezension zu Mischwald: Dartmoor vorab
Ehrlich gesagt brauche ich kein zweites Mischwald. Denn das Original ist gut genug für mich. Die Ausgabe Mischwald: Dartmoor behebt zwar möglicherweise einige winzige Balanceverwerfungen, bietet aber nicht genug Neues, um wirklich (damit) zu überzeugen.
Das heißt nicht, dass es ein schlechtes Spiel wäre. Ganz im Gegenteil.
Mischwald: Dartmoor ist super.
Moore und die südenglische Flora und Faun bieten eine nette Abwechslung, ebenso viel Tiefgang und die bekannte perfekte Mischung aus Optimierungsmöglichkeiten und dem Punkten aus dem Bauch heraus.
Was ist bei dieser Ausgabe anders?
Auf den ersten Blick scheint diese Veröffentlichung ganz anders zu sein. Andere Tiere, andere Pflanzen, andere Kombos. So gibt es außerdem zum Beispiel Sträucher. Diese sind keine Bäume, haben aber ähnliche Funktionen und generieren auch auf ähnliche Weise Punkte. Es gibt mehr verschiedene Höhlen, die weiterhin eine sehr untergeordnete Rolle spielen, aber beim Punkten richtig was bringen können. Und es gibt Moore, immerhin geht es ja um Dartmoor.
Die Moore im Spiel

Die Moore verändern den Ablauf bei Mischwald: Dartmoor in zweierlei Hinsicht. Zum einen werden Moore quer platziert und bieten nur Anlageoptionen oben und unten – aber dafür doppelt. Das erfordert in der Hinsicht ein Umdenken, als dass die jeweiligen anzulegenden Karten schneller einen Platz finden und bei der Wertung eine größere Relevanz haben. Die seitlich anzulegenden Karten hingegen verlieren etwas an Gewicht. Das klingt nicht weiter wild, bedeutet aber einen Einfluss auf typische Tier- und Punktekombinationen.
Zum anderen erlauben es einige Effekte oder Kombinationen, sogenannte universelle Moore auszuspielen. Dabei werden beliebige Karten einfach als Moor ausgelegt. Das schafft neue Optionen beim Aufbau der eigenen Landschaft und verstärkt den oben genannten neuen Schwerpunkt auf oben und unten anzulegende Karten.
Und sonst? Der Ablauf ist nahezu identisch mit dem des Originals
Echte Regeländerungen gibt es darüber hinaus nicht. Klar, Kleinigkeiten. Aber im Prinzip geht es bei diesem Legespiel weiterhin darum, die meisten Punkte durch eine wunderschöne Landschaft zu erhalten. Dazu haben auch bei Mischwald: Dartmoor alle ein paar Handkarten, ziehen pro Runde wahlweise zwei Karten nach oder legen eine aus.
Entspanntes Optimieren mit Blick auf die Konkurrenz

Fast alle Karten haben Kosten, die mit Handkarten zu bezahlen sind. Bäume, Sträucher und Moore erlauben es, Tiere anzulegen – wenn sie denn passen. Aus dem Zusammenspiel der angelegten Karten entsteht eine Punktemaschine, die genüsslich nach Lust und Laune aus dem Bauch beherrschbar ist. Wer aber gewinnen möchte, sollte auf Punktekombos achten und die Auslage optimieren.
So entsteht ein schönes Abwägen: Passt diese Karte in den kommenden Zügen in meine Landschaft oder kann ich sie zum Bezahlen einer anderen nutzen? Entgehen mir dadurch Punkte, belohne ich sogar die Konkurrenz, die abgeworfene Karten aus der Lichtung fischen darf? Oder bietet sie so viel Potenzial, dass ich jetzt lieber nachziehe und etwas Tempo beim Auslegen verliere?
Denn eins steht auch bei Mischwald: Dartmoor fest: Punkte gibt es nur für Karten, die am Ende in der eigenen Landschaft liegen. Und die steigern sich extrem, wenn jede Karte sich perfekt in den Rest der Landschaft einfügt.
Macht das Legespiel Mischwald: Dartmoor Spaß?

Mehr Vögel, Libellen statt Schmetterlinge, weniger Huftiere, mehr Amphibien – die Landschaft im Süden Englands bestimmt die Kartenkombinationen. Das ist extrem gut gelungen und zaubert den unbedarft Spielenden nach der durchaus vorhandenen Einstiegshürde der Kartensymbolik ein Lächeln auf das Gesicht. Gegenüber Mischwald finde ich Dartmoor nicht schwieriger, aber auch nicht leichter, nicht einmal besonders anders.
Es ist einfach ein gutes, rundes und aus meiner Sicht absolut ansprechendes, sehr themengetriebenes Spiel.
Ist es besser ausbalanciert?
Es gibt einige Meinungen, die diese Ausgabe als ausbalancierter bezeichnen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die alles bis ins Kleinste durchrechnen oder mit Gewalt Extremstrategien ausprobieren. Daher kann ich nicht mit Gewissheit sagen, ob diese Ausgabe wirklich besser ausbalanciert ist. Ich finde beide toll und wenn es ein solches Problem bei Mischwald gibt, dann ist es in einem Bereich, der aus meiner Sicht den Spielspaß nicht wirklich berührt.
Für wen eignet sich diese Ausgabe?
Wer das Original nicht kennt, findet mit dieser Ausgabe ein gelungenes Legespiel, das viel Natur und viel Spaß bietet. Mit einer Einschränkung: Neulinge sind teilweise von den vielen Optionen und den mehrteiligen Karten so überwältigt, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht klar erkennen. Es dauert etwas, in das System hineinzufinden. Einfach, weil es so viele mögliche Kombinationen gibt.

Wer Mischwald schon hat, benötigt aus meiner Sicht Mischwald: Dartmoor nicht. Andererseits:
Würde dieses Original nicht existieren, käme ich nicht umhin, Mischwald: Dartmoor als absolute Empfehlung einzustufen.
Aber es ist für etwas Fortgeschrittene. Denn mit App oder nicht – eins bleibt: Die Punkteberechnung am Ende ist mühsam und auch der Weg dorthin erfordert schon einen geübten Blick.
