Neue Ufer: Logo, Bild von HUCH

Wieder mal gibt es Neuland zu entdecken. Lange Zeit – die Anleitung spricht gar von Jahrhunderten – nachdem der Kontakt zum Myr-Archipel abgerissen war, ist ein Seeweg zu diesen mystischen Inseln entdeckt worden. Und da wollen wir natürlich hin. Neue Ufer von Joachim Thôme (HUCH) ist eines der vielen Blöcklispiele oder Neudeutsch Flip oder was auch immer & Write Spiele, die in letzter Zeit erschienen sind.

Nicht ganz „… & Write“

Wobei wir die möglichen Aktionen bei Neue Ufer für einmal selber auswählen dürfen durch Ablegen entsprechender Handkarten, anstatt dass sie uns durch das was auch immer vorgegeben werden. Ausserdem haben wir streng genommen gar kein Blöckli vor uns, sondern kreuzen die gewünschten Felder auf abwischbaren Entdeckungskarten und Inselplänen ab. Am grundlegenden Charakter von Neue Ufer als ebensolches Blöcklispiel ändert das allerdings rein gar nichts.

Worum geht es bei Neue Ufer?

Wir erhalten zu Beginn also alle einen zufällig ausgeteilten Inselplan, ebenso eine Weisheitstafel und je zwei Erkundungskarten. Der Inselplan zeigt eine Übersicht über unterschiedliche Landschaftsbereiche, die auf der Insel aber durchaus mehrfach vorkommen, in den jeweiligen Farben sowie eine ganze Anzahl zusätzlicher Symbole quer über die ganze Szenerie verteilt. Und dieselben Landschaften und Symbole sind auch auf den Erkundungskarten zu finden, je ein paar auf mehrere Reihen aufgeteilt.

Die Erkundung startet

Alle nehmen einen Stift und kreuzen auf ihrer Insel ein erstes Feld mit einem Schiff an; das ist der Startpunkt der anschliessenden Erkundungen. Dann wählen alle gleichzeitig Runde für Runde eine ihrer Erkundungskarten und streichen die dort vermerkten Felder auf der Insel ab. Allerdings darf stets nur eine der obersten, noch nicht abgestrichenen Reihen einer Karte verwendet werden, aber immerhin alles, was dort zu findend ist, in beliebiger Reihenfolge. Bereits abgestrichene Reihen sind dagegen wie üblich nicht mehr verfügbar.Neue Ufer: Material, Bild von HUCH

Weisheit und Belohnungen bei Neue Ufer

Ebenso klar und üblich ist, dass auf dem Inselplan nur Felder angekreuzt werden dürfen, die an andere schon in Anspruch genommene Felder angrenzen. Landschaftsfelder dienen so dem Vorankommen auf der Insel, während Symbole Spezialeffekte und -vorteile aller Art auslösen und durchaus nützlich und entsprechend wertvoll sind. Ausserdem sind auf jeder Insel stets drei Ziele vermerkt, meist bestimmte Felder oder Feldgruppen, die es zu erreichen bzw. abzukreuzen gilt und die weitere Belohnungen eintragen. Ebenso können bestimmte Spielfortschritte zu Einträgen in der Weisheitstafel führen, was ebenfalls Belohnungen auslöst.

Haben alle ihren Zug beendet, werden die beiden Erkundungskarten weitergegeben, bevor der nächste Spielzug folgt. Wenn der Nachziehstapel zu Ende geht, machen alle noch einen letzten Zug. Am Ende gewinnt, wer die meisten Schriftrollen besitzt, die zuvor durch das Erfüllen von Inselzielen oder auf andere Weise erworben werden konnten.

Macht Neue Ufer Spaß?

Neue Ufer ist hübsch gestaltet und die Partien verlaufen glatt und einigermassen zügig, jedenfalls wenn niemand übermässig alle möglichen Eventualitäten auszuloten versucht. Dennoch ist zumindest in meinen Runden irgendwie keine rechte Begeisterung aufgekommen: Zu oft hat man Vergleichbares schon gesehen und zu sehr ist das Prinzip der Blöcklispiele inzwischen bekannt und abgenutzt. Zu sehr ist es auch so, dass alle irgendetwas vor sich hinwursteln, ohne dass die anderen auch nur ansatzweise erkennen könnten, was da genau getan wird. Klar, selbstverständlich könnten die Züge auch nacheinander abgewickelt werden. Aber dann würde die Partie so sehr in die Länge gezogen, dass in derselben Zeit lieber wesentlich Interessanteres gespielt werden könnte.

Mein persönliches Nein

Ich zumindest kann diesem Spielprinzip von Neue Ufer längst nicht mehr allzu viel abgewinnen – jemand ermittelt eine Vorgabe (oder eben auch alle je für sich selber) und anschliessend legen alle irgendwelche Plättchen vor sich aus oder kreuzen Felder ab oder tun sonst etwas und am Ende hat irgend jemand gewonnen und niemand weiss genau, wie das gegangen ist und ob ganz einfach clever gespielt oder aber vielleicht das Regelwerk nicht richtig verstanden und/oder sonst nicht wirklich lückenlos korrekt gespielt wurde.

Neue Ufer: Schachtel, Bild von HUCH

„Multiplayer-Solitaire“ heisst das ja neuerdings und ist für mich stets dann problematisch und eher unerwünscht, wenn nicht mehr überblickt werden kann, was bei den anderen gerade abgeht. Entweder weil die Teile zu klein oder aber zu viele sind. Dann merke ich, dass das Interesse am jeweiligen Spiel verloren geht. So auch bei Neue Ufer.

Das ist selbstverständlich mein Geschmack und jener aller anderen. Trotzdem ist Neue Ufer bei uns bereits auf dem Abstellgeleis gelandet und wird dort wohl nicht so rasch wieder runterkommen. Das kann durchaus bedauert werden, aber die Konkurrenz ist halt gross. Gerade im Bereich der kleinen, einfachen Familienspiele, in dem Neue Ufer aufzutrumpfen versucht.

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