Oktopusse, auch Kraken genannt, sind nicht nur für mich ein Highlight der Natur. Neun Gehirne und drei Herzen. Dazu acht Arme mit Saugnäpfen, die nicht nur zum Festhalten und Bewegen dienen, sondern auch zum Schmecken und Tasten. Sie können lernen, Probleme lösen und Werkzeuge benutzen. Ach ja, ein Kurzeitgedächtnis haben sie auch. Dazu meinen einige Forschende, sie träumen und ein individueller Charakter sei ebenfalls vorhanden. Fazinierende Geschöpfe also. Das alles hätte man wunderbar schon in das Storytelling des Gesellschaftsspiels Octocube einbringen können – wenn es eins gegeben hätte. Aber anscheinend hatte der australische Autor Karl Lange da kein Mitspracherecht oder beim Verlag Sit Down! aus Belgien ist sowas nicht üblich. Denn mit diesem Wissen könnten sich die Spielenden viel mehr in das Spiel hineindenken. Denn gespielt wird mit eben diesen Kraken, aber in großer Würfelform. Eine Form, die für die Krakentiere durchaus möglich wäre, wenn sie ihn entsprechend umklammern würden.
Worum geht es beim Spiel Octocube?

Unsere Kraken (die großen Würfel) sammeln für uns vom Meeresgrund Gegenstände ein, die in unterschiedlicher Anzahl vorhanden sind. Ein Spielbrett als solches gibt es in der Tischmitte aber nicht. Es werden mit viereckigen Kärtchen, Stapel in unterschiedlicher Größe gebildet und in einem Raster abgelegt. Hier bewegen sich unsere Kraken. Es steht immer eine von vier Möglichkeiten zur Verfügung.
Magnetische Würfel simulieren die Oktopus-Arme

Eine Besonderheit wurde noch gar nicht erwähnt. Die großen Würfel sind magnetisch, ahmen also die Saugnäpfe der Kraken nach. Das geht so: Würfel einfach auf den nächsten Stapel kippen. Sobald der Würfel liegt, pappt auch ein Kärtchen dran. Natürlich nur wenn die entsprechende Seite noch nicht belegt ist. Aber dafür können die Spieler ihren Würfel vorher entsprechend im Kreis drehen. Wer das Gefühl hat, er muss werten, kann das ebenfalls machen. Oder, wenn mal gar nichts geht, heißt es: Passen und einfach mal im Weg stehenbleiben.
Das Werten bei Octocube

Beim Werten gibt es Punkte. Zum einen liegen auf dem Meeresgrund Münzen herum, zum anderen entscheidet die Menge der gleichen Gegenstände auf dem Würfel, wie viele Punkte alle ergattern können. Vier gleiche Gegenstände ergeben zum Beispiel sieben Siegpunkte. Unsere Beute wird vor uns auf ein Ablagefeld entsprechend der Farbe der Gegenstände abgelegt. Wer danach wieder am Zug ist, setzt den eigenen Würfel einfach auf ein beliebiges Feld am Rand ein und kippt ihn im nächsten Zug weiter.
Das Spielende wird folgendermaßen eingeläutet. Jedesmal, wenn ein Stapel in der Mitte aufgebraucht ist, wird ein Marker (Abgrundplättchen) in die Lücke gesetzt. In der Partie zu viert ist nach dem siebten gelegten Marker Schluss. Dann folgt noch eine Schlusswertung mit Mehrheitenabgleich, bei der die Menge und Farben der gesammelten Gegenstände eine Rolle spielt. So viel sollte jetzt klar sein: Je mehr, desto besser.
Der Spaß beim „achtarmigen Würfelkippen“

Octocube ist ein Spiel mit vielen Facetten. Fast so viele wie die Arme eines Kraken. Zum einen dieses Um-die-Ecke-Denken: Wie muss ich meinen Würfel über die Stapel kippen lassen, damit ich möglichst viele gleiche Gegenstände sammeln kann? Oder: Was kann ich machen, um der Konkurrenz die Beute streitig zu machen? Dazu hilft ein Blick auf die Ablage der Mitspielenden. Das Ganze mit wenigen Regeln und einer schönen, zum Thema passenden Mechanik.
Was zudem außergewöhnlich ist. Octocube kann sogar in einer Variante für Kinder ab sechs Jahren gespielt werden. Die ist auch geeignet für besondere Personen. Hierbei wird der gut in der Hand liegende Würfel vor dem Kippen beliebig gedreht und gewertet, wenn er voll ist. Die Abschlusswertung entfällt.
Gießen wir noch Wasser in die Tinte: Kritikpunkte an Octocube

Nach all dem Positiven über Octocube muss ich dann doch noch ein wenig Wasser in die Tinte gießen. Bitte unbedingt vor der ersten Partie im stillen Kämmerlein das Spiel alleine ausprobieren! Die Regel liest sich ein wenig sperrig und es gab so ein paar „Häh?-Momente“ beim Regellesen. Deswegen kam bei Fragen während der ersten Partie eher unwissendes Schulterzucken als eine Antwort von mir. Das betraf aber nur die erste Partie zum Kennenlernen und sollte weitere Runden mit Octocube nicht verhindern.

Dann ist die Abschlusswertung nicht jedermanns Sache. Sie dauert halt so lange, wie eine Schlusswertung eben dauert, in der vier Sachen (Siegplättchen zählen, Münzen in Punkte umwandeln und für alle die horizontale und vertikale Auswertung aller Spielablagen) zu beachten sind. Trotzdem, und jetzt mache ich mal einen auf Fischverkäufer: „In diese Box hat der Autor Karl Lange reingepackt: Ein Spiel für Familien ab acht Jahren mit schönem magnetischen Spielmaterial! Dazu eine Variante für Fortgeschrittene! Ein Kinderspiel ab sechs Jahren! Und obendrauf als Goodieeeeeeee(!): eine Erweiterung! Die Spieleschachtel sieht im Übrigen auch sehr schön aus.“
Ich mag halt Spiele, die mitwachsen. Und genau deswegen gefällt mir Octocube als Familienspieler richtig gut. Ich kann nur raten: Ausprobieren!

1 Kommentar
Habs neulich das erste Mal gespielt – gestört hat mich, dass es völlig wumpe ist, ob man Reihen und Spalten komplett befüllt, es zählt nur, wieviel man im Vergleich mit den anderen von einer Art und Farbe aufsammelt. Würde man für Komplettierungen belohnt, spielte sich das Spiel m.E. sehr viel taktischer. So eher ein völlig solitäres vor sich Hinpuzzeln bis zur oft jeweils knappen Abrechnung der einzelnen Stapel. Für Kinder sicher toll wegen des Magnetwürfels… hätte aber mE Luft nach oben.