Paleolino

von Riemi
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Es ist immer wieder faszinierend, wie viel Wissen nebenbei in einem Gesellschaftsspiel steckt und vermittelt wird. Nicht zu unterschätzen. Genauso faszinierend ist, dass ein erfolgreiches Gesellschaftsspiel eine Juniorausgabe braucht.

Paleolino ist Paleo für die Kleinen

Nachdem Paleo von Autor Peter Rustemeyer 2021 als Kennerspiel des Jahres in Deutschland ausgezeichnet worden ist, dauerte es fünf Jahre, bis Marco Teubner mit dem Kinderspiel Paleolino (Hans im Glück) nachfolgte. Wir spielen im Zeitraum 30.000 bis 40.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Die Menschheit war schon so, wie wir heute sind und lebte in ihrer Umwelt zeitweise noch mit Neandertalern zusammen. Sie hatten dunkle Haut mit braunen, blauen und grünen Augenfarben. Und das, was uns heute ausmacht, gab es ebenfalls schon damals. Kunst, Musik und Schmuck waren irgendwann genauso alltäglich wie Sperrschleudern, Nähnadeln oder Harpunen. So etwas ähnliches wie Betten gab es auch schon. Im Spiel geht es genau darum: Erfindungen.

Paleolino: schönes Spielmaterial: Bastelspaß vor Spielbeginn

Innovativ ist auch der einmalige Spielaufbau bei Paleolino. Wir bauen einen Faustkeil, Höhlen, einen Bergfuß und einen großen Berg, mit einer Erfindung aus dem Altertum, denn 105 Jahre nach der Zeitenwende wurde Papier erfunden. Der Aufbau hat sogar mir Spaß gemacht. Bekannterweise mag ich nicht basteln, aber hier fühlte es sich für mich nach bauen an. Faustkeil bauen? Yeah! Als Hinweis unter uns: Es gibt ein Ersatzteil, was übrigbleibt. Also nicht wundern. Und es gibt für die Härtefälle unter uns eine Bauanleitung als Video.

So! Nach diesen ersten Erfolgserlebnissen geht es endlich um das Spiel. Vor dem Spielen muss immer aufgebaut werden. Berg in den Bergfuß stecken. Die vier Höhlen in den Bergfuß schieben. Den Faustkeil mit den Rohstoff-Chips aus Holz im Inneren, in die Mitte legen. Die 15 zukünftigen Erfindungen als zwei Stapel vor und den Dorfplatz in die Spielschachtel legen. Jeder, der mitspielt, bekommt ein Kind als Marker – Fertig. Dauert alles nicht lange und passt später wieder hervorragend in die Spielschachtel.

Paleolino - Spielmaterial
Paleolino – Spielmaterial

So wird Paleolino gespielt

Wir spielen kooperativ. Das heißt, Gewinnen oder Verlieren ist Teamsache. Wer dran ist, schüttelt und zieht aus dem Faustkeil zwei Rohstoffchips. Die braucht man für die Erfindungen. Zum Beispiel einen Stein und eine Beere für die Erfindung des Tonkruges. Doch bevor es dazu kommt, müssen die Chips in den Einwurftrichter des Berges geworfen werden. Sie fallen dann, geleitet durch Plastikstifte, nach unten. Der Zufall bestimmt in welche Höhle die Rohstoffe plumpsen. Wem das bekannt vorkommt, der hat bestimmt das japanische Glücksspiel mit dem Namen Pachinko im Kopf.

Bei Paleolino wird anschließend eine beliebige Höhle geöffnet und geschaut: Ist etwas drin, und wenn ja, könnte es direkt für eine oder mehrere Erfindungen genutzt werden? Da in vorherigen Spielzügen ein übriggebliebener Rohstoff im eigenen Rucksack abgelegt werden konnte, können auch im Team Erfindungen mit der Hilfe aller erfüllt werden. Wichtig: Nicht einfach von anderen Rohstoffe nehmen, sondern darum bitten. Ist der Zug zu Ende, geht es wieder weiter mit dem Faustkeil. Wenn die 10. Erfindung getätigt worden ist, hat das Steinzeitteam gewonnen. Verloren haben wir, wenn der Faustkeil zu Beginn eines Zuges leer ist.

Die Steinzeit wird lebendig

Mit Paleolino ist Marco Teubner und der Redaktion von dem Spieleverlag Hans im Glück was richtig Schönes gelungen. Spielmechanik, Ausstattung und die schöne Grafik, von Franz-Georg Stämmele, Alena Rolinski und Eva Sonntag, lassen glauben, in der Steinzeit war alles besser. Nur das Babymammut Lino, was auf dem Berg sitzt und die Rohstoffe „runterwirft“, ist nicht so richtig aufgefallen. Es ist möglich, von der Seite zu sehen, ob in der Höhle Rohstoffe sind. Wenn man den Berg frontal betrachtet, ist alles gut. Aber das Wissen, ob eine Höhle belegt ist, reicht dennoch nicht aus. Der Inhalt muss nämlich auch zu den Erfindungen passen, und genau das kann man sich nur merken.

Schwierigkeitsgrad anpassungsfähig

Der gemeinsame Spielspaß/Erfolg bei diesem Kinderspiel hängt in der Praxis von der Spielrunde ab. Es gibt eine Lernkurve. In der Steinzeit ist die Gruppe bei Misserfolg untergegangen, im 21. Jahrhundert fangen wir einfach eine neue Runde an und probieren es neu. Es kann taktisch gespielt und die Schwierigkeit später noch erhöht werden. Es wird nur noch eine Erfindung pro Zug gebaut. Wer es noch schwieriger mag, nimmt einfach die Erfindungen raus, die nur einen Rohstoff brauchen. Umgekehrt kann man es auch einfacher einrichten. Solo funktioniert es auch.

Paleolino - Spieleschachtel, Bild von Hans im Glück

Für Fans des Spiels gibt es sogar eine Minierweiterung. Wer den Autor mal sehen möchte, im Erklärvideo bringt er uns Paleolino höchst persönlich näher. Mit diesem steinzeitlichen all-inclusive Gesamtpaket von Paleolino hat nicht nur mich der Autor Marco Teubner, voll eingefangen.

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