Papercraft bezeichnet das Basteln von dreidimensionalen Modellen aus Papier. Die Teile werden ausgedruckt, ausgeschnitten, gefaltet und geklebt. Das Ergebnis sind Figuren, Gebäude, Fahrzeuge oder abstrakte Formen – von simpel bis absurd komplex. Das ist auch Thema von Paper World von Alexandre Aguilar und Benoît Turpin (HUCH!)
Zahlen Stapeln in schöner Kulisse
Nein, in Paper World muss man nichts basteln. Doch auch wenn das Wort nicht explizit auftaucht, „Papercraft“ ist allgegenwärtig. Die Spielenden erschaffen, zumindest in der Theorie, Landschaften aus Papier. Auf einem gedachten 3×3-Raster haben wir Platz für insgesamt neun Zahlenstapel. Hier wird Zahlenkarte auf Zahlenkarte gestapelt.
Wir beginnen mit der Eins und arbeiten uns hoch bis zur Fünf, je höher die Zahl, desto mehr Siegpunkte ist der Kartenstapel wert. Sogar ein Schneidwerkzeug gibt es: Bestimmte Zahlenkarten bringen den Spielenden eine Schere ins Spiel, die genau einmal vorhanden ist und unter den Mitspielenden herumgereicht wird. Wer im Besitz der Schere ist, kann einmal im Zug eine Zahlenkarte überspringen, also beispielsweise eine Drei direkt auf einer Eins ablegen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, der es einfacher macht, die Stapel bis zur punkteträchtigen Fünf hochzuziehen.
Zuerst müssen die Karten, die später abgelegt werden sollen, jedoch erst einmal gesammelt werden. Fünf Stapel stehen dafür zur Verfügung, von denen die offen ausliegenden Zahlenkarten, die es in vier verschiedenen Farben gibt, genommen werden können.
Legen ist seliger denn Nehmen. Oder nicht?
Sowohl beim Ablegen als auch beim Kartenaufnehmen gilt bei Paper World, dass man entweder die gleichen Zahlen oder die gleichen Farben nehmen bzw. ausspielen kann. So leeren sich langsam die fünf Zugstapel, während die neun Stapel mit den Papierstädten wachsen. Man kann Karten ablegen, um damit seine Städte zu erhöhen, oder lieber Karten sammeln, um möglichst viele Karten auf einmal ausspielen zu können. Das ist die Entscheidung, die man zu Beginn jeder Runde bei Paper World zu treffen hat.
Man kann Paper World entspannt nach Gefühl runterspielen. Viel Raum für taktische Möglichkeiten gibt das nicht. Was recht schnell klar ist: Die Karten gibt es unterschiedlich oft, eine Eins gibt es häufiger, eine Fünf nur ein einziges Mal. Taucht also eine wertvolle Fünf auf den Stapeln auf, ist dringend geraten, diese zu schnappen, wenn es denn irgendwie geht. Empfindliche Mitspieler rufen hier bereits „Glücksspiel“.
Wichtig: Das richtige Timing
Zusätzlich gibt es bei Paper World Sonderziele, die die Spielenden erreichen können, etwa sichtbare Stapel mit den Werten von 1 bis 5 oder eine Drei auf drei benachbarten Stapeln. Dabei gilt first come – first serve: Die Ziele geben gute Punkte für den, der ein Ziel als erstes erledigt; die drei zufällig gewählten Zielkarten sollte man also gut im Auge behalten um zum richtigen Zeitpunkt zuzuschlagen.
Es gibt also einiges zu tun und, wenn man gerade in Fahrt gekommen ist, ist es schon zuende: Wenn drei der fünf Nachziehstapel ohne Karten sind, wird die letzte Runde eingeläutet und das kann sehr plötzlich sein. Wie bei den Zielkarten zählt auch hier ein gutes Timing.
Paper World ist ein freundlicher Filler

Papierwelt, Landschaften, Reisen – das Kartenspiel weckt Erwartungen, die es aber nicht einlöst. Das kann enttäuschen – oder genau richtig sein, je nach Spielhaltung.
Das Thema ist freundlich, aber nur dekorativ. Im Inneren ist es ein leichtes, schnelles Kartenspiel über das effiziente Ablegen von Landschaftskarten, die begrenzte Tiefe sorgt für Zugänglichkeit.
Paper World ist damit klar als Fillerspiel positioniert: Schnell erklärt, schnell gespielt, schnell wieder weggeräumt.
Und das ist absolut in Ordnung! Ich habe es in genau diesem Sinn sehr gerne immer mal wieder zwischendurch gespielt.
