Perfect Words, Ausschnitt, Foto von Piatnik

Perfect Words

von Alexandra Fauth
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Perfect Words – schon der Name verrät, dass es sich bei dem Spiel aus dem Hause Piatnik um ein Sprachspiel handelt. Genauer gesagt ein kooperatives Wort-Assoziations-Spiel. Eines, bei dem wir ein Kreuzworträtsel legen. Das erinnert auf den ersten Blick an Krazy Wördz, auch wenn dort wie bei Scrabble Buchstaben und hier ganze Wörter gelegt werden. Erdacht wurde Perfect Words von Paul-Henri Argiot, die verspielten Strandillustrationen stammen von Christine Alcouffe. Was es wohl mit den kleinen Krabben auf den Karten auf sich hat? Und macht Perfect Words Spaß?

Wortkarten im Kreuzraster: So funktioniert Perfect Words

Im Grunde erstellen wir bei Perfect Words also ein Kreuzworträtsel, und zwar mit Wortkarten statt Buchstaben. Wer an der Reihe ist, legt eine Wortkarte aus der Auslage in die Tischmitte. Das ist die erste Spielphase. Sobald zwei Wörter neben- oder untereinander liegen, markieren wir sie mit einem Pfeilplättchen. Der Pfeil zeigt an, in welcher Richtung die Reihe oder Spalte zu lesen ist. Diese Wörter gehören dann zusammen. Und für jede der zehn Wortgruppen müssen wir später (nach Abschluss des Wortrasters, also in Phase 2) einen Oberbegriff finden und aufschreiben (das dürfen auch Marken, Titel u. ä. sein). Geheim natürlich. Unser Ziel dabei ist es, dass alle möglichst denselben Begriff pro Wortgruppe schreiben.

Perfekte Assoziationen und Hinweise bei Perfect Words

Wie bei Just One geht es darum, die passenden Assoziationen zu finden. Nur andersherum: Während wir bei Just One möglichst unterschiedlich denken sollten (heterogene Gruppen also einen Vorteil haben), müssen wir bei Perfect Words möglichst gleich denken – ähnlich wie bei Codenames oder auch dem kooperativen Codenames Duett, nur dass die Oberbegriffe hier kein Hinweis sind. Und das Raster ist nicht vorgegeben, sondern entsteht im Lauf des Spiels. Anfangs unterschätzt man diese Phase leicht, dabei ist die genaue Gestaltung des Kreuzworträtsels entscheidend. Schon beim Erstellen des Wortrasters stellen wir die Weichen fürs spätere Finden der Oberbegriffe.

Frühling + rosa = ?

Wenn ich zu einem Wortpaar eine Assoziation habe, heißt das nicht, dass auch meine Mitspielenden das im Kopf haben. Oft muss ich noch näher spezifizieren, was gemeint ist. „Frühling“ + „rosa“ kann noch nahezu alles sein, kommt „Pflanze“ dazu, ist es zwar schon klarer, kann aber noch immer nahezu jede Frühlingsblume sein. Füge ich dann aber noch ein „groß“ hinzu, dürfte den meisten klar sein, dass ein Obstbaum gemeint ist. Allerdings kommt es dann auf die genaue Wortwahl an. Schließlich gibt es da ja noch den Kirschbaum, den Zwetschgenbaum usw. Die hohe Kunst ist es, möglichst allgemein zu formulieren. Trotzdem kann man Pech haben, denn es gibt in diesem Beispiel ja auch die Obstblüte (oder Obstbaumblüten). Die Hinweise sind bei Perfect Words also nicht die Oberbegriffe wie bei Codenames, sondern eher die Wortkarten (bzw. Wortgruppen) im Raster, mit denen dann hoffentlich alle auf denselben Oberbegriff kommen.

Foto von der Spielemesse Spiel 24 in Essen - von Riemi: Perfect Words
Foto von der Spielemesse Spiel 24 in Essen – von Riemi: Perfect Words

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Übrigens dürfen wir zwar wie bei solchen Spielen üblich nicht darüber reden, welche Assoziationen uns zu welchen Worten durch den Kopf gehen. Das ist tabu wie die verbotenen Worte auf Tabu-Karten. Davon abgesehen dürfen wir aber sehr wohl miteinander sprechen. Auch darüber, welche Karte wir gerne später noch zum Anlegen hätten (weil sie wichtig für eine bestimmte Wortreihe ist, damit die Assoziation dort funktioniert). Das sollte man nutzen. Spricht man gar nicht über das Spiel, ist es deutlich schwerer, für alle funktionierende Wortreihen zu legen.

Kartenglück bei Perfect Words

Das Glück spielt bei Perfect Words immer mit. Welche Karten wir zur Auswahl haben, entscheidet darüber, welche Wortgruppen wir sinnvollerweise bilden können.

Manchmal würde sich eine wunderbare Assoziation ergeben, aber die entscheidende Wortkarte, die es ausreichend spezifiziert, ist einfach nicht da. Liegt zum Beispiel „Mensch“, „Himmel“ und „Fliegen“ aus, kann ich das mit „Dezember“ oder „Advent“ oder „Weihnachten“ eingrenzen, oder auch mit „Haar“ + „golden“ (es ergibt sich dann „Engel“). Kommt aber keine solche Wortkarte, schreibt sicher irgendwer „Pilot“ oder sogar „Ikarus“. Vielleicht nicht so schlimm, dann wird es eben einer der anderen Oberbegriffe, zum Beispiel wenn wir einfach noch „Sonne“ dazulegen (für Ikarus). Nur manchmal kommt eben einfach gar keine passende Wortkarte mehr. Und wir raten nur noch, was die anderen wohl denken.

Menschenkenntnis und Wortgruppen gewichten

Wie bei Krazy Wördz spielt dabei Menschenkenntnis mit hinein. Je besser ich einschätzen kann, wie meine Mitspielenden denken, desto eher finde ich Assoziationen, auf die alle kommen. Und das Wortraster passend auszugestalten, fällt natürlich leichter, wenn die Gruppe sich gut kennt. Ein Beispiel: „Mensch“, „stark“ und „Charakter“ ist noch relativ allgemein; wer die Marvel-Filme mag, denkt aber vielleicht gleich an die Superhelden. Nur an welchen? Iron Man (der eigentlich Toni Stark heißt)? Oder vielleicht doch Hulk oder Captain America? Mit „grün“, „Metall“ oder „Soldat“ lässt sich hier leicht weiter spezifizieren, sodass alle an denselben Helden denken. Sitzen aber Leute mit am Tisch, die die Marvel-Filme gar nicht kennen, sorgt das für Verwirrung. Und im schlimmsten Fall dazu, dass nicht alle einen Oberbegriff finden.

Zum Glück können wir vor (!) dem Abgleichen unserer Oberbegriffe noch eine Gewichtung vornehmen. Eine Wortgruppe dürfen wir streichen – sie wird dann gar nicht gewertet. Eine weitere Wortgruppe, bei der wir uns alle sicher sind, dürfen wir für die doppelte Wertung aussuchen.

Krabben und Sonnenschirme im Kreuzworträtsel?

Die Strandoptik kam in unseren Testrunden ganz unterschiedlich an. Die einen fanden es mit den Krabben niedlich, andere mochten das Urlaubsfeeling, wieder anderen war es zu weit hergeholt. Tatsächlich hat Perfect Words spielmechanisch so gar nichts mit Strand und Sonnenschirmen zu tun, das Thema ist aufgesetzt. Kann man gut finden, kann man schlecht finden. Die Krabben jedenfalls haben zumindest eine spielerische Funktion (die man aber auch anders hätte darstellen können): Die Wörter mit Krabben eignen sich besonders gut, um Assoziationen zu finden. Die Spielanleitung listet verschiedene Schwierigkeitsgrade, abhängig von der Anzahl der Krabbenkarten. Gerade zu Beginn empfiehlt es sich, mit mehr Krabbenkarten zu starten. Aber auch das schaltet den oben erwähnten Glücksfaktor, ob die passenden Karten kommen, natürlich nicht aus.

Ist Perfect Words ein gutes Spiel?

Die besten Ergebnisse erzielt man bei Perfect Words mit einem eingespielten Team, das sich gut kennt. Die finale Punktzahl war in unseren Testrunden aber gar nicht so wichtig. Bei Perfect Words ist der Weg das Ziel. Und auch, wenn man sich noch nicht so lange kennt, kann Perfect Words viel Spaß machen. Es kommt vor allem darauf an, dass alle gerne Sprach- und Assoziationsspiele mögen.

Zu Beginn dauert es eine Weile, bis alle ins Spiel gefunden haben. Die Regeln sind relativ einfach, dennoch hat Perfect Words für ein Sprachspiel eine recht hohe Einstiegshürde. Besonders Phase 1 mit der Erstellung des Kreuzworträtsels fühlt sich ein wenig sperrig an. Mit der Zeit geht es leichter von der Hand, trotzdem spielt sich Perfect Words auch nach vielen Runden nicht so locker-leicht wie zum Beispiel Just One oder Codenames. Das ist schade.

Perfect Words, Schachtel, Foto von Piatnik

Bei aller oben genannten Kritik:

Perfect Words ist ein tolles Spiel, das aber die richtige Spielrunde braucht.

Wäre es doch nur ein bisschen weniger sperrig, dann wäre es ein perfektes Wortassoziations-Spiel. Für alle, die diese Art von Spielen mögen, lohnt sich aber auf jeden Fall ein näherer Blick.

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